Cyrano © Universal Pictures Germany
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Musical-Drama - "Cyrano"

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Cyrano liebt die schöne Roxanne, ist sich aber sicher, keine Chance bei ihr zu haben. Wegen einer übergroßen Nase, die in seinem Gesicht prangt. Statt sein eigenes Glück zu versuchen, setzt er sich für seinen Nebenbuhler Christian ein, wirbt sozusagen in seiner stattlichen Gestalt um die Geliebte. "Cyrano de Bergerac" ist ein romantisches Versdrama von 1897, das schon häufig verfilmt wurde - unter anderem mit José Ferrer und Gérard Depardieu in der Titelrolle. Nun kommt "Cyrano" unter der Regie des britischen Regisseurs Joe Wright in die Kinos.

Roxanne träumt von der großen romantischen Liebe, während ihre Kammerzofe zur Vernunftehe drängt. Eigentlich könnte alles ganz einfach sein: Cyrano liebt Roxanne, die ebenfalls von der Liebe schwärmt, aber einen anderen meint, Christian Neuvelette.

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Neue Tiefe und Modernität

Joe Wright war schon immer ein großer Romantiker - mit einem besonders großen Herz für Außenseiter. Denn das Gefühl, nicht dazuzugehören, ist ihm sehr vertraut, seit er in seiner Kindheit als scheuer, ängstlicher Junge mit einer Lese- und Schreiblernschwäche zu kämpfen hatte.

Schon damals berührte ihn die Geschichte von Cyrano de Bergerac sehr, seit er Gerard Dépardieu zum ersten Mal in der Rolle gesehen hatte. Jetzt wagt er eine originelle und frische Neuinterpretation, die sich nicht allein auf den theatralischen Maskentrick einer überdimensionalen Nase stützt.

Basierend auf der Musicalbearbeitung von Erica Schmidt, die als Ehefrau des kleinwüchsigen Peter Dinklage eine besondere Perspektive auf den Stoff hat, gibt das Trio aus Drehbuchautorin, Schauspieler und Regisseur der Geschichte eine neue Tiefe und Modernität.

Zwei unperfekte Männer ergänzen sich zum Traummann

"Eine Frau wie Roxanne will Esprit! Ich versteh' mich nicht auf Romantisches", sagt Christian. "Ich bin ein Poet", erwidert Cyrano: "Meine Worte aus Eurem Munde, ich mach Euch zum Romantiker, wenn Ihr mich dafür stattlich macht."

So beginnt ein flirrendes Spiel der Verwechslungen - von Roxannes Balkon in den Hof, wo Christian sichtbar im Durchgang steht und Cyrano im Schatten souffliert.

Nach vielen Filmen, deren Schauplätze im Studio gebaut wurden, hat Joe Wright jetzt in der realen, kleinen Barockstadt Noto in Sizilien gedreht: Ein elfenbeinfarbener Weltkulturerbe-Traum, in dessen Kalktuffsteinbauten die Wirklichkeit zur Bühne, zum Filmset wird. Die Märchenhaftigkeit der Szenerien geht fließend in die Künstlichkeit des Musicals über, mit weichen Übergängen von alltäglichen Arbeitsabläufen zur fulminanten Tanzchoreografie, vom Sprechen zum Singen.

Cyrano © Universal Pictures Germany
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Cyrano als kleiner Freak mit tiefer Seele

Das ganz große Ereignis aber ist Peter Dinklage als Cyrano. Eine kongeniale Interpretation, für die er unbedingt den Oscar verdient hätte - für den er nur leider nicht nominiert wurde. Denn durch seine intensive, vielschichtige Darstellung verleiht er dem luftigen Spiel der Verwechslungen und dem ästhetischen Rausch der Farben und Formen emotionale Tiefe.

Im Kontrast dazu wirkt die sehr viel jüngere Haley Bennett, die schon in der Bühnenversion neben Dinklage gespielt hat und den Stoff an den Regisseur herangetragen hat, fast unwirklich püppchen- und prinzessinenhaft.

Rausch der Farbharmonien

Kunst und Märchen sind in den Filmen von Joe Wright immer schon ein tröstendes Gegenmodell zur harschen Realität von Krieg, Leid und Armut gewesen. Auch in "Cyrano" schwelgt er wieder in kunstvollen Kreationen - angefangen schon in der Eröffnungsszene im Theater, das seit seiner Kindheit im Puppentheater der Eltern sein natürlicher Lebensraum ist. Gleich im ersten Bild sind zwei von seinem Vater gefertigte Holzmarionetten zu sehen, als kleine Hommage an diese Welt der Wunder, die ihn bis heute inspiriert. Und wenn Cyrano im Film vom Theater schwärmt, von der Poesie, der Romantik, der Angst und der Wahrheit, die hier zu finden sind, dann spricht da zugleich auch sein Regisseur.

Cyrano © Universal Pictures Germany
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Kostüme und die Ausstattung sind ein einziger Rausch der Farbharmonien, etwa wenn Roxanne, umweht von roten Locken, elfenbeinfarbenen Rüschen, pudrig rosanen Unterröcken und grün wallendem Organza durch ihr in vielen Blautönen dekoriertes Reich fegt.

Joe Wright entführt die Zuschauer:innen in die Wahrnehmung seiner Kindheit, in eine Zeit, bevor die Welt durch Ironie und Zynismus vergiftet wurde.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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