Petite Maman © Alamode Film
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Drama - "Petite maman - Als wir Kinder waren"

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Schon in ihren Anfängen als Drehbuchautorin und Regisseurin wurde die Französin Céline Sciamma mit Preisen überhäuft, den endgültigen Durchbruch feierte sie dann mit "Porträt einer jungen Frau in Flammen", der Geschichte einer lesbischen Liebesgeschichte zwischen Malerin und Modell vor historischem Hintergrund. Nachdem ihr zweiter Film "Tomboy" in der Sektion "Panorama" gezeigt und ausgezeichnet wurde, lief im letzten Jahr auch ihr neuestes Werk "Petite Maman – Als wir Kinder waren" im Wettbewerb der Berlinale.

Es beginnt mit einem Abschied. Die Großmutter der achtjährigen Nelly ist gestorben. Während ihre Mutter das Zimmer im Altersheim ausräumt, verabschiedet sie sich bei den alten Damen in den Nachbarräumen.

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Abschied und Erinnerung

Später wird sie irgendwann einmal traurig zu ihrer Mutter sagen, dass sie sich gar nicht richtig von ihrer Großmutter verabschiedet habe, weil sie nicht wusste, dass es die letzte Gelegenheit war.

Es geht um Abschied und Erinnerung: "Was ist das?" fragt Nelly ihre Mutter. "Meine alten Kindersachen. Sie hat alles aufbewahrt", erwidert die Mutter nachdenklich. Nelly genießt das Stöbern in den Spielsachen und Heften ihrer Mutter. Gerne würde sie mehr erfahren über die Zeit, in der ihre Eltern Kinder waren, doch ihre Mutter blockt ab.

Am nächsten Morgen ist sie verschwunden, Nelly bleibt mit ihrem Vater zurück.

Schleuse zwischen den Zeiten

Irgendwann läuft Nelly hinter dem Haus in den herbstlichen Wald und trifft dort ein gleichaltriges Mädchen, das aus Ästen und Zweigen ein Baumhaus baut - so wie das, von dem ihre Mutter immer erzählt hat.

Das könnte der Anfang einer unbeschwerten Ferienfreundschaft gleichaltriger Kinder sein, doch über der Szene liegt ein Geheimnis. Das Haus, in dem die neue Freundin mit ihrer Mutter lebt, gleicht dem ihrer eigenen Großmutter. Der herbstliche Wald zwischen den Häusern scheint eine Art Schleuse zwischen den Zeiten zu sein. Bald begreift Nelly, dass dieses gleichaltrige Mädchen in vielen Jahren zu ihrer Mutter herangewachsen sein wird.

"Ich hab ein Geheimnis, ich bin dein Kind", sagt Nelly. "Kommst du aus der Zukunft?" fragt Marion. Doch so genau legt sich die Autorin und Regisseurin nicht fest. Stattdessen fängt sie die magische Begegnung über die Zeiten hinweg mit beiläufiger Selbstverständlichkeit ein.

Das fragile Lebensgefühl von Kindern

Schon in ihren Drehbüchern zu André Téchinés "Mit 17" und im sehr besonderen Animationsfilm "Mein Leben als Zucchini", aber auch in Regiearbeiten wie "Mädchenbande" und "Tomboy" hat Céline Sciamma immer wieder ein besonderes Gespür für die fraglilen Lebensgefühle von Kindern und Jugendlichen gezeigt. Die luftige Natürlichkeit und selbstverständliche Vertrautheit zwischen den beiden Mädchen hat viel damit zu tun, dass die jungen Schauspielerinnen im wirklichen Leben Zwillingsschwestern sind.

Irgendwann fragt Marion, ob Nelly mit ihren Kopfhörern Musik aus der Zukunft hört. Statt einen bekannten Song von heute zu verwenden, hat Sciamma ihren Stammkomponisten Jean Baptiste de Laubier gebeten, eine zeitlose Zukunftsmusik für den Film zu schreiben. In seinem Song "La Musique du Futur" verschmelzen Elektrosounds mit sakralen Elementen und Anklängen französischer Chansons.

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Gedankenspiele und Erinnerungsarbeit

Dass auf den großen Erfolg des Kostümfilms "Porträt einer jungen Frau in Flammen" ein so kleiner, intimer Film folgt, hat auch mit Corona zu tun. Denn für dieses melancholisch-nachdenkliche Gedankenspiel hat sich Sciamma mit einem kleinen Team weit entfernt von der Zivilisation und in die Abgeschiedenheit der Wälder zurückgezogen.

Wie wäre es, wenn man der Mutter auf Augenhöhe begegnen könnte? Was würde man sie fragen wollen? Was könnte man Tröstliches erfahren über die Traurigkeit, in die sie so oft eingehüllt ist? Wieviel von der Zukunft würde man ihr verraten? Die beiden Mädchen wissen genau, welche Geheimnisse besser geteilt und welche lieber bewahrt werden sollen.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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