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Drama - "Alles ist gutgegangen"

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Gerade lief mit "Peter von Kant" der neueste Film von François Ozon als Eröffnungsfilm im Wettbewerb der Berlinale. Jetzt kommt "Alles ist gutgegangen" in unsere Kinos, der im letzten Jahr in Cannes Premiere feierte. In dem Film geht es um selbstbestimmtes Sterben im Alter: Was tun, wenn der eigene Vater in aussichtsloser Lage um Hilfe bittet?

Im Zentrum steht der 85-jährige André Bernheim, gespielt vom großen französischen Schauspieler André Dusollier (in der deutschen Synchronisation leider mit einer arg kläglichen, aufgesetzt brüchigen Stimme). Nach einem Schlaganfall ist er halbseitig gelähmt und fürchtet, nicht mehr Herr seines Lebens zu sein.

Alles ist gutgegangen © Carole BETHUEL Mandarin Production Foz/Wild Bunch Germany
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Selbstbestimmtes Sterben nach einem erfüllten Leben

Nach einem erfüllten Leben als Unternehmer und Kunstsammler - der Film spielt ähnlich wie Michael Hanekes "Amour" in der französischen Bourgeoisie - möchte er jetzt in Würde sterben und bittet eine seiner beiden Töchter, Emmanuèle (Sophie Marceau) um Hilfe.

Die ist erst mal schockiert, kommt dann aber doch zu dem Schluss, dass sie ihm diesen Wunsch nicht verweigern kann. Sie macht dann eine Organisation in der Schweiz ausfindig. Die Leiterin, gespielt von Hanna Schygulla, erklärt erst mal das genaue Vorgehen, dass er in der Lage sein muss, eigenständig einen ganzen Deziliter Flüssigkeit zu trinken.

Alles ist gutgegangen © Carole BETHUEL Mandarin Production Foz/Wild Bunch Germany
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Existenzielle Themen von Liebe und Tod

Es ist nicht das erste Mal, dass sich François Ozon in einem Film mit dem Sterben auseinandersetzt. In "Die Zeit die bleibt" ging es um einen jungen Mann mit einem Gehirntumor.

"Alles ist gutgegangen" ist die Verfilmung des autobiografischen Romans der Schriftstellerin Emmanuèle Bernheim, in dem sie den Suizid ihres schwerkranken Vaters verarbeitet hat. Die Autorin war eine gute Freundin des Regisseurs und hat an mehreren seiner Drehbücher mitgearbeitet. Vor fünf ­Jahren ist sie mit nur 62 Jahren an Lungenkrebs gestorben. Das heißt, der Film ist ein spürbar persönliches Projekt für den Regisseur, thematisch aber auch sehr typisch, denn Ozon hat in seinen Filmen immer wieder existenzielle Themen von Liebe und Tod ausgelotet, sich immer wieder mit der menschlichen Existenz auseinandergesetzt.

Gesetzliche Widerstände

Während in Deutschland (seit 2020), in einigen Benelux-Ländern, in der Schweiz und in Kanada der assistierte Suizid erlaubt ist, gelten in Frankreich noch sehr strenge Regeln - das heißt, es kann leicht passieren, dass man als Angehöriger vor Gericht und im Gefängnis landet. Da geht es unter anderem auch darum, dass der Wunsch des Patienten sehr genau und rechtssicher dokumentiert und einem Notar übergeben wird, der nicht wissen darf, um was es da geht, weil er sich dann mitschuldig machen würde.

Im Film wird das richtig dramatisch, weil jemand Anzeige erstattet hat und die Polizei den Transport in die Schweiz verhindern will.

Schnörkellose Raffinesse und unsentimentale Nachdenklichkeit

Der im Zusammenhang mit assistiertem Selbstmord irritierende Titel "Alles ist gutgegangen" ist Ausdruck einer Erzählhaltung, die dem Thema entsprechend ernst, aber weder sentimental noch niederschmetternd ist.

Es geht auch um Erinnerung und Versöhnung, denn André war kein wirklich guter Vater, er hat in der Familie großen Schmerz verursacht, als er sich von seiner Frau (Charlotte Rampling in einer kleinen Rolle) getrennt hat, um mit einem Mann zu leben, den die Töchter immer nur "das Scheusal" nennen.

Vor allem aber geht es darum, wie man als Angehöriger mit so einem Wunsch klarkommt, mit dessen emotionalen, aber auch rechtlichen Folgen. Ozon erzählt das mit schnörkelloser Raffinesse, während die Töchter in der Gegenwart organisieren, gibt es immer wieder Rückblenden, schöne und schwierige Momente, die sie mit dem Vater erlebt haben.

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Dabei zeigt der Film das ganze Spektrum menschlicher Gefühle, hat auch Leichtigkeit, sogar Momente der Komik, mit großartigen Schauspieler:innen - insbesondere Sophie Marceau, die bisher vor allem durch romantische Komödien bekannt war, wie "La Boum" und die späte Fortsetzung "LOL". Hier kann sie ernstere Tonlagen anschlagen und bekommt auch viel Gelegenheit dazu, weil es im Film - anders als im Roman - vor allem darum geht, wie die Töchter mit dieser Herausforderung umgehen.

Trotz des ernsten Themas ist "Alles ist gutgegangen" kein niederschmetternder Film. Er regt zu Gedanken an, die früher oder später jeden betreffen - sei es als Freundin oder Freund, Angehörige oder als Betroffener.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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