In den besten Händen © Alamode Film
Alamode Film
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Drama - "In den besten Händen"

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Am 24. April muss sich Frankreich entscheiden, wer neuer Staatspräsident oder neue Staatspräsidentin werden soll: Emmanuel Macron oder Marine Le Pen. Europäer der eine, Rechts-Nationalistin die andere. Das Land ist gespalten. Das zeigte sich schon 2018 bei den Demonstrationen der Gelbwesten. Sie stehen im Mittelpunkt des Spielfilms "In den besten Händen" der französischen Regisseurin Catherine Corsini. Der Film feierte im letzten Jahr in Cannes Premiere und kommt jetzt zu uns ins Kino.

Ein Riss geht durch das Land: "La Fracture" - "Der Bruch" - heißt der Film von Catherine Corsini auf Französisch. Die Regisseurin klinkt sich ein in eine große Demonstration der Gelbwesten in Paris.

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Die Nerven liegen blank

Yann, ein LKW-Fahrer, ist mit seinem Truck in die Hauptstadt gefahren, um auf den Champs Élysées zu demonstrieren. Aber die Situation eskaliert. Yann landet im Krankenhaus.

Zur gleichen Zeit streitet sich Raf, eine Comic-Zeichnerin, mit ihrer Partnerin. Die beiden Frauen stehen kurz vor der Trennung. Raf will die Beziehung retten, läuft ihrer Freundin hinterher, rutscht aus und landet mit gebrochenem Arm im gleichen Krankenhaus.

In der Notaufnahme treffen jetzt die beiden Welten aufeinander: Hier der Trucker, der noch bei seiner Mutter wohnt, weil er nicht genug verdient für seine eigenen vier Wände. Da die Intellektuelle, die ihrem agnès b.-Mantel nachtrauert, weil er bei dem Unfall zu Schaden kam.

Raf unterstellt Yann, Le Pen zu wählen. Yann hält die Cartoonistin für arrogant. Arbeiter gegen Intellektuelle – sehr vereinfacht bildet der Film die gesellschaftliche Spaltung ab, die hinter dem letzten Wahlergebnis vermutet wird. Weil in der Notaufnahme des Krankenhauses die Hölle los ist, liegen die Nerven bei allen zusätzlich blank.

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Das Ensemble improvisiert

Zunächst freut man sich über das Wiedersehen mit Valeria Bruni Tedeschi. Die Kamera liebt ihr etwas herbes, flächiges Gesicht, gerade in der Nahaufnahme. Schnell stellt sich aber heraus, dass die beiden Frauen schon fast wieder ein Klischee spielen: Raf, die Künstlerin, verletzlich, hilflos, verpeilt. Ihre Freundin Julie, gespielt von Marina Foïs, ist die Macherin, die Entscheiderin und Beschützerin.

Die Regisseurin Catherine Corsini lässt die beiden Schauspielerinnen improvisieren. Das läuft mitunter aus dem Ruder. Die Dialoge kommen nicht auf den Punkt, die Dynamik zwischen den beiden Frauen von Liebe bis Trennung wird zwar besprochen, aber nicht gespielt. Die beiden Schauspielerinnen wirken orientierungslos. Pio Marmaï in der Rolle des Yann rastet regelmäßig aus und entwickelt sich zur Nervensäge.

Das Gesundheitssystem bricht zusammen

Vieles in der Pariser Notaufnahme dürfte auch dem deutschen Publikum bekannt vorkommen: Ärzte, Ärztinnen, Pflegekräfte - gut ausgebildet und kompetent, aber von den Zuständen überfordert. Die Räume überfüllt, desorientierte Patient:innen, Unfallopfer, verletzte Demonstrant:innen – jeder will zuerst behandelt werden. Die Krankenschwestern tragen in dem Film ein Schild "en greve" auf dem Kittel - eigentlich streiken sie also, müssen aber immer noch eine Zusatzschicht schieben. Trotzdem bleiben sie professionell.

In den besten Händen © Alamode Film
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Einmal bricht ein Stück der Decke herunter, weil das Gebäude so marode ist. "Das Gesundheitswesen bricht zusammen" – so lautet der trockene Kommentar. Das Krankenhauspersonal wird von echten Krankenschwestern und Pflegern gespielt und sie machen das, wie sie ihre Arbeit machen: routiniert, cool, mit nicht einem Wort zu viel – ein wohltuender Gegensatz zu den Stegreif-Monologen der Schauspieler:innen.

Experiment mit der Handkamera

Catherine Corsini holt mit der Handkamera die Sprache des Dokumentarfilms in ihre Geschichte. Sie hat ein bisschen Pech, weil die Gelbwestenbewegung an Bedeutung verlor, ehe ihr Film fertig war. "In den besten Händen" nimmt zwar am Anfang den Aufruhr der Straße auf, schwenkt dann aber in die Situation des Krankenhauses um. Die Kombination von aufgeregter Kamera, aggressiven Patientinnen und Patienten und zerbrochener Liebe ist am Ende zu viel des Guten. Die Form der Erzählung wirkt hastig und fahrig, dem Film fehlt Intensität und Konzentration.

Simone Reber, rbbKultur

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