Szene aus "Das Licht, aus dem die Träume sind". (Bild: Neue Visionen Filmverleih)
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Drama - "Das Licht, aus dem die Träume sind"

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Das Kino als Lebensretter und Sinnstifter, als Fluchtmöglichkeit aus ärmlichen und verzweifelten Verhältnissen, davon haben schon viele berühmte Filmregisseure erzählt: Francois Truffaut in "Die amerikanische Nacht", Guiseppe Tornatore in "Cinema Paradiso", zuletzt Kenneth Branagh in "Belfast". Filme über die Magie des Kinos haben immer einen besonderen Zauber, das gilt auch für "Das Licht, aus dem die Träume sind", in dem der indische Regisseur Pan Nalin von seiner eigenen Kino-Initiation erzählt.

Der neunjährige Samay lebt mit seiner Familie in ärmlichen Verhältnissen in einem kleinen abgelegenen Örtchen in Indien. Als er zum ersten Mal einen Film im Kino sieht, ist es augenblicklich um ihn geschehen, während seine Freunde Bahnhofsvorsteher und Ingenieur werden wollen, will er unbedingt Filme machen.

Die Projektion trickst das Gehirn aus

Wie viele Eltern reagiert auch Samays Vater, der das kärgliche Auskommen der Familie mit einem Tee-Stand am Bahnhof verdient, ablehnend, nicht wegen der Unsicherheiten die dieser Beruf mit sich bringt, sondern aus religiösen Gründen: "Hast du schon mal gehört, dass der Sohn eines Brahmanen einen solch schändlichen Job macht? Die Filmwelt ist unanständig und verstößt gegen alle unsere Werte. Willst du unsere Werte als Brahmanen in den Schmutz ziehen?"

Doch die Funken der Begeisterung lassen sich nicht mehr ersticken. Fortan wird sich Samay nach der Schule immer heimlich ins Kino der nahegelegenen größeren Stadt schleichen. Dabei schließt er Freundschaft mit dem Filmvorführer Fazal. Bereitwillig tauscht er das von seiner Mutter liebevoll zubereitete Mittagessen gegen die Möglichkeit Filme vom Vorführraum aus zu sehen.

Fazal weiht ihn in die Geheimnisse der Kinoprojektion ein: "Immer, wenn die Klappe zugeht, dann läuft der Film, und wenn sie aufgeht und Licht reinkommt, dann steht der Film, Licht kommt, Film stoppt, Klappe geht zu und der Film bewegt sich. Hast du das verstanden? Genau deshalb kannst du die Dunkelheit auf der Filmleinwand wahrnehmen. All diese Idioten sitzen drei Stunden lang im Kino und wissen eigentlich gar nicht, dass sie sich davon eine Stunde Dunkelheit ansehen. Es spielt sich alles nur hier oben ab. Es trickst dein Gehirn aus."

Die Sinnlichkeit des Kinos und der Kulinarik

Bald steckt Samay seine Freunde an mit seiner Begeisterung fürs Kino. Die Jungs entdecken das Lager, von dem die Filmrollen im ganzen Land verteilt werden und klauen sich ein paar davon, was in den Kinos des Landes für einigen Aufruhr sorgt.

Es ist ein rührendes Bild, wenn die Kinder im Gras liegen, die Filmstreifen durch ihre Finger gleiten lassen, gegen das Sonnenlicht halten und lebhaft kommentieren, was sie sehen. Dass die Funken der Begeisterung für die Magie des Kinos so direkt überspringen, hat viel mit der Sinnlichkeit zu tun, die Pan Nalin in seinen Bildern erzeugt. Das gilt nicht nur für den Zauber des Lichts, das die Kinder durch buntes Glas scheinen lassen und das Spiel der Schatten, das sie mit ihren Fingern erzeugen, sondern auch für die leuchtenden Farben der Gewürze und Zutaten, mit denen Samays Mutter auf dem Boden sitzend kulinarische Köstlichkeiten zubereitet.

In solchen Momenten erinnert "Das Licht, aus dem die Träume sind" an die Sinnlichkeit der Liebe geht durch den Magen-Romanze "Lunchbox" von Ritesh Batra.

Liebevolle Hommage an das Glück des Geschichtenerzählens

Ein weiterer Coup sind die jugendlichen Darsteller, die ihren natürlichen Charme allesamt zum ersten Mal vor der Kamera verströmen. Besonders hinreißend ist eine Szene, in der die sechs Jungs mit ihrem aus Schrottteilen zusammengebastelten Stummfilmprojektor eine Vorführung für die ganze Gemeinde organisieren. Die Geräusche spielen die Kinder live ein, sie klopfen sich mit den Händen auf die Brust, um das Trappeln der Pferde zu simulieren, sie klirren mit einem schweren Schlüsselbund, schütteln kleine Kieselsteine, imitieren den Wind, indem sie in einen Flaschenhals pusten und feuern die Guten leidenschaftlich an.

So ist "Das Licht, aus dem die Träume sind" eine liebevolle Hommage an das Glück des Geschichtenerzählens, wie es Nan Palin in seiner Jugend als Sohn eines brahmanischen Teeverkäufers selbst erlebt hat. Zugleich ist es aber auch ein wehmütiger Abschied von der klassischen Filmprojektion: Am Ende verfolgt Samay mit seinen Freunden die Laster mit den alten Filmrollen, die in einer Recycling-Fabrik einer neuen, bunt glitzernden Bestimmung zugeführt werden.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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