Der Sommer mit Anaïs © PROKINO Filmverleih
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Romantische Komödie - "Der Sommer mit Anaïs"

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Keine andere Filmnation versteht es so wie die französische, ein bisschen Liebesgeplänkel auf die Leinwand zu zaubern, die Held:innen dabei ununterbrochen reden zu lassen und trotzdem Funken zu zünden. Das gilt auch für "Der Sommer mit Anaïs", das Spielfilmdebüt von Charline Bourgeois-Tacquet, das im Original "Les amour d’ Anaïs" - "Die Lieben von Anaïs"- heißt. Nach der Premiere in der Semaine de la Critique in Cannes im letzten Jahr kommt der Film jetzt bei uns in die Kinos.

Der Sommer mit Anaïs © PROKINO Filmverleih
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Immer in Eile, immer in Bewegung, das ist Anaïs. Und immer zu spät - sei es beim Termin mit der Vermieterin, sei es zu einem Fest oder auch zum Kinobesuch mit dem Freund. Viele fühlen sich von Anaïs überfahren: der Freund, den sie vor dem Kino warten lässt, der Professor an der Uni, von dem sie sich nicht auf Termine festlegen lässt, die Mutter, die mit einer Krebserkrankung ringt, die Vermieterin, die statt der ausstehenden Miete eine atemlose Lebensgeschichte und viele indiskrete Fragen bekommt:

"Das Leben zu zweit ist sehr schwierig, finden Sie nicht?", "Ach, ist das schon viertel nach acht? Was dagegen, wenn ich mich schnell umziehe?", sagt sie und schon ist sie weg, zieht sich ungeniert ihr Kleid über den Kopf und ein neues an, stürmt aus der Wohnung und lässt die Vermieterin einfach stehen: "Ziehen Sie die Tür einfach hinter sich zu."

Porträt einer Generation

Mit ihrer ungefilterten Direktheit ist Anaïs eine Zumutung, in ihrem Sturm und Drang, ihrer schieren Lebensenergie zugleich aber auch mitreißend. Ein bisschen erinnert sie an Julie, die Titelheldin von Joachim Triers "Der schlimmste Mensch der Welt", denn auch "Der Sommer mit Anaïs" ist das Porträt einer Generation, die sich schwer damit tut, sich auf einen Beruf und eine Liebe festzulegen.

"Her hair is Harlow gold, her lips a sweet surprise, her hands are never cold", singt Kim Carnes: "She's got Bette Davis eyes, she'll turn her music on you…"

Zugleich enervierend und faszinierend

Im Aufzug auf dem Weg zur Party lernt Anaïs den deutlich älteren und verheirateten Daniel Moreau-Babin kennen (Denis Podalydès). So unverblümt und unbekümmert wie immer spricht sie - nackt neben ihm im Bett liegend - auch seinen Beziehungsstatus an: "Betrügst du Emilie oft?" fragt sie. "Ich betrüg sie nicht. Denkst du das etwa?" erwidert der.

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Anaïs verschwendet sich, und wirkt dabei wie ein Schmetterling, der von Blüte zu Blüte flattert. Das ist immer zugleich enervierend und faszinierend. An Daniel verliert sie dann auch bald das Interesse, zugunsten seiner Frau, der Schriftstellerin Emilie, die sie sehr direkt, geradezu aufdringlich anspricht und vereinnahmt.

Gespielt wird sie von Valeria Bruni Tedeschi in einer tollen Mischung aus Reife, Intellekt und Sinnlichkeit. Wenn die beiden später in einer lauen Sommernacht auf dem Land im Freien tanzen - zu "Bette Davis Eyes" von Kim Carnes -, dann sprühen die Funken. Gestört wird ihre Annäherung durch Daniel: "Was soll bloß dieser Besitzanspruch?" ruft sie ihrem Mann entrüstet zu: "Emilie gehört dir nicht!"

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Weniger Geschichte als Lebensgefühl

In gewisser Weise ist "Der Sommer mit Anaïs" eine Weiterentwicklung des Kurzfilms "Pauline asservie" (übersetzt "die versklavte Pauline") von Charline Bourgeois Tacquet, in dem auch schon die Schauspielerin Anaïs Demoustier die Hauptrolle übernommen hat. Zusammen haben sie nun die Geschichte dieser sprunghaften jungen Frau komponiert und man kann davon ausgehen, dass sie persönliche Anteile von Darstellerin und Regisseurin in sich trägt.

Ohne nachzudenken nimmt sich Anaïs ihre Freiheiten auf ihrem Weg von der quirligen Enge der Großstadt über das Idyll eines Schlosses in der Bretagne bis ans Meer. Im durchaus romantischen Sinne werden die Landschaften zum Spiegel der Gefühle und Temperamente. Das ist kein großes Drama, sondern eher ein sanft umschmeicheltes Lebensgefühl - nicht weltbewegend, aber so schön wie eine kleine Sommerbrise.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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