Meine Stunden mit Leo © Wild Bunch Germany
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Komödie - "Meine Stunden mit Leo"

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Ob Komödie oder Drama, Theater oder Film: Emma Thompson kennt alles, kann alles. Regie führen, Drehbücher schreiben, Hauptrollen spielen – von Klassikern wie "Wiedersehen in Howards End", für den sie den Oscar bekam oder als Wahrsagerin in "Harrry Potter". In ihrer beruflichen Vita gibt es wenig, was sie noch nicht gemacht hat. Doch: Nacktszenen mit Emma Thompson…?! Nein, dafür steht die Britin nicht. Und wagt es doch jetzt zum ersten Mal in "Meine Stunden mit Leo".

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Der weibliche Körper – wie oft und immer wieder muss er als Projektionsfläche herhalten? Schön und begehrenswert soll er sein, straff und sexy. Frauen ab 50? Gibt es im Kino nur höchst selten. Schon gar nicht nackt.

Die australische Regisseurin Sophie Hyde kümmern solch ungeschriebenen Gesetze nicht: Das letzte Bild in "Meine Stunden mit Leo" zeigt Emma Thompson vor dem Spiegel, wie sie sich und ihren alt gewordenen Körper betrachtet. Diese Nancy, die Emma Thompson hier spielt, hat ihren Körper nie gekannt, nie gemocht. Jetzt, ihr Mann ist gestorben und sie in Rente, engagiert sie einen Callboy, um endlich in die Weihen der Sexualität einzutauchen.

Nichts ist so leicht, wie es klingt ...

Natürlich ist das nicht so leicht, wie es klingt. Sich einfach so hinzugeben ist etwas, das Nancy nie gelernt hat, stattdessen redet sie sich im entscheidenden Moment um Kopf und Kragen. Will alles wissen, alles erklären. Eine Frau, die so ängstlich wie neugierig ist, und erst einmal die richtigen Worte und Bewegungen finden muss, um ihre Wünsche zu leben.

Der Mann mit dem sie all das noch nie Ausgesprochene zu tun plant, ist jung, schön und vor allem auch reflektiert und gebildet. Das begeistert Nancy – einerseits - andererseits aber passt es so gar nicht in ihr Weltbild: Sie, die ehemalige Lehrerin, die früher kritische Aufsätze zum Thema Sexarbeit schreiben ließ, ist jetzt persönlich und konkret mit einem Sexarbeiter konfrontiert, der seinen Job offensichtlich liebt.

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Intimes Kammerspiel

"Meine Stunden mit Leo" ist ein intimes Kammerspiel um die sexuellen Bedürfnisse einer Frau. Vieles wird benannt, die Probleme nicht ausgespart. Der Bogen, den Sophie Hyde schlägt, mag manchmal etwas pädagogisch daherkommen, die Dialoge etwas bemüht – doch die Idee, zwei Menschen 90 Minuten lang zu beobachten, die sich vier Mal treffen, immer in demselben Hotel: wie sie sich ganz langsam annähern mit dem Ziel, Sex miteinander zu haben, ist interessant. Einmal mehr durch die Konstellation junger Mann - ältere Frau, die vollkommen unterschiedlich sozialisiert sind.

Und noch einmal spannender ist es, dass hier der 30-jährige irische Newcomer Daryl McCormack auf die Oscarpreisträgerin Emma Thompson trifft, die ihm viel Raum lässt, so dass sich hier zwei auf Augenhöhe begegnen.

Meine Stunden mit Leo © Wild Bunch Germany
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Vom Mut, sich dem eigenen Blick auszusetzen

Emma Thompson, mittlerweile selbst 63 Jahre alt, ist auf der Bühne genauso zu Hause wie vor der Kamera, auch Regie führt sie immer wieder. Es ist faszinierend, ihr dabei zuzusehen, wie sie sich als Nancy aus ihrer Verklemmung löst und zu atmen beginnt. Hyde erspart uns Details und verzichtet auf die klassischen Sexszenen. Kleine Reminiszenz an die Filmgeschichte: Als Nancy in der Lobby einer ehemaligen Schülerin begegnet, erfahren wir ihren ganzen Namen: Mrs Robinson. "Die Reifeprüfung" aus dem Jahr 1967 lässt grüßen.

Es sei einer der schwierigsten Momente ihrer Laufbahn gewesen, sich vor der Kamera nackt vor den Spiegel zu stellen, sagt Emma Thompson. Geht es doch nicht darum, was die anderen denken, sondern um den Mut, sich dem eigenen Blick auszusetzen.

Christine Deggau, rbbKultur

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