Der Gesang der Flusskrebse © Sony Pictures Germany
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Drama - "Der Gesang der Flusskrebse"

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Drei Jahre nach Erscheinen des Romandebüts "Der Gesang der Flusskrebse" von Delia Owens kommt jetzt die Verfilmung von Olivia Newman in unsere Kinos. Es ist die Geschichte des Marschmädchens Kya, das verlassen von ihren Geschwistern und ihren Eltern allein im Marschland und in den gefährlichen Sümpfen von North Carolina lebt, misstrauisch beäugt von den Bewohnern des nahegelegenen Örtchens Barkley Cove. Erst recht, als ein Toter gefunden wird, mit dem sie öfter gesehen wurde.

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"Carolina fließt durch meine Adern", singt Taylor Swift, "ich wurde verloren geboren, einsam kam ich, werde es für immer sein. Carolina weiß, warum ich frei wie ein Vogel, leicht wie ein Wispern bleibe. Carolina weiß es."

Frei von den Konventionen der Gesellschaft und zugleich eng verbunden mit der Natur, den Kreaturen, die das Marschland bevölkern, lebt die scheue Kya.

Verbunden, nur mit der Natur

"In der Stadt erzählt man sich Geschichten vom Marschmädchen, das allein in der Wildnis aufgewachsen ist", sagt Kya. "Aber sie kannten mich nie wirklich. Wie bei den meisten Geschichten spielen Fakten keine Rolle." Und: "Ich wusste nicht, wie leben geht, ich lernte lieber von der Marsch. Die Marsch lehrte mich zu überleben, aber sie konnte mir nicht alles beibringen."

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Der Film übernimmt den Blick von Kya, die aufmerksame Art, wie sie die Zeichen der Natur liest, eins mit ihr wird, wenn sie durch die Sumpflandschaft huscht wie ein Reh oder mit einem kleinen Boot durch Schilf und Mangroven manövriert. Ihre scheue Zurückhaltung gegenüber den Menschen aus dem nahegelegenen Dorf, mit denen sie schlechte Erfahrungen gemacht hat. Ihr Vertrauen in die wenigen, die ihr helfen. Und ihre Verzauberung, als sie einen jungen Mann kennenlernt, sich langsam verliebt, ihre Enttäuschung, als sie verlassen wird.

Plötzlich unter Mordverdacht

Kya ist zugleich weltfremd und naturerfahren und Daisy Edgar Jones, bekannt aus der Fernsehserie "Normal People", spielt sie wunderbar empfindsam und weitgehend wortlos, vor allem mit Mimik und Gestik, mit Blicken und Körperhaltung.

Mit seinen verzauberten Naturszenerien und paradiesischen Liebesmomenten schlingert der Film gelegentlich gefährlich nah am Kitsch, nimmt dann aber die Kurve zu Familiendrama und Mordgeschichte. Denn in den Sümpfen finden zwei Kinder eine Leiche: Es ist der lokale Baseball-Held Chase. Schnell kommt Kya ins Visier, das merkwürdige Mädchen aus den Sümpfen, das mehrfach mit Chase gesehen wurde und plötzlich in der Stadt mit einer Mordanklage konfrontiert ist.

Der Anwalt Tom Milton (David Strathairn) ist einer der wenigen, der Partei für sie ergreift, ein stiller Beobachter, der sich als ihr Verteidiger für sie einsetzt: "Genau wie Sie habe ich die Schauermärchen gehört, die man sich von dem Marschmädchen erzählt: Ein verlassenes Kind, ein kleines Mädchen, das allein in den Sümpfen lebt, gemieden, verstoßen …"

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Vor allem weibliche Selbstermächtigung

"Der Gesang der Flusskrebse" ist zugleich romantische Abenteuergeschichte, spannender Krimi und packendes Gerichtsdrama. Und er handelt auf vielen Ebenen von weiblicher Selbstermächtigung: Ein Film über eine Frau, die sich dagegen wehrt, dass Männer ihre Geschichte bestimmen, erzählt von einer Riege von Frauen - angefangen mit der Romanautorin Delia Owens, über die Regisseurin Olivia Newman und die Hauptdarstellerin Daisy Edgar-Jones bis zur Schauspielerin Reese Witherspoon, die als Produzentin immer wieder ganz gezielt dafür sorgt, dass genau solche Geschichten über widerständige Frauen erzählt werden.

"Trotz allen Versuchen, es zu zerstören, das Leben bleibt“, sagt Kya. "Weit draußen, wo die Flusskrebse singen, ist die Marsch sich einer Sache gewiss: Jedes Geschöpf tut alles, um zu überleben."

Anke Sterneborg, rbbKultur

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