"Freibad" von Doris Dörrie © Constantin Film
Constantin Film
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Komödie von Doris Dörrie - "Freibad"

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Im letzten Jahr hat der bayerische Regisseur Marcus H. Rosenmüller mit "Beckenrand Sheriff" den Sommer-Sonne-Schwimmbad-Film geliefert. In diesem Jahr legt Doris Dörrie nach: Einfach nur "Freibad" heißt ihre neue Komödie, die in einem Bad nur für Frauen spielt. Wer jetzt aber glaubt, dass mit den Männern auch die Konflikte draußen bleiben, täuscht sich gewaltig.

Auf den Plakaten ist ein kunterbuntes Sommer-Wimmelbild zu sehen, ein leuchtend blauer Pool aus der Vogelperspektive, mit den originellsten Luftmatratzen und Schwimmreifen: Brezel und Donut, Erdbeere und Aubergine, schwarze und pinkfarbene Vögel.

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Ärger im Paradies

Es könnte ein Paradies sein, in dem sich Jung und Alt, in allen Farben und Formen begegnen. Doch spätestens mit dem Einbruch der weiten Welt ins deutsche Schwimmbadbiotop droht Ärger im Paradies. Eva und Gabi, gespielt von Andrea Sawatzki und Maria Happel, kommentieren die junge Türkin Yasemin (Nilam Farooq), die im Ganzkörper-Neoprenanzug mit verschleiertem Kopf an ihnen vorbei zum Pool läuft: "Die is' doch total fremdgesteuert in dem Ding. Die geht ja scho' ganz anders, so innerlich gebückt", meint Eva. "Ich find die eigentlich ganz sexy, so Superwoman-artig", kontert Gabi.

"Freibad" von Doris Dörrie © Constantin Film
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Doch Eva sieht die hart erkämpften Errungenschaften der Emanzipation in Gefahr. Unterdessen streitet sich das junge Personal im Bad darüber, was den Blicken zuzumuten sei, dem Verfall der Körper wollen sie nicht ausgesetzt sein.

Das Freibad als Metapher für Demokratie

Die türkischen Frauen, die ihr trubeliges Lager direkt nebenan aufschlagen, sind den deutschen Damen in den Wechseljahren ein Dorn im Auge. Die angespannte Lage eskaliert, als ein Schwarm wohlhabender Designer-Araberinnen einzieht. Die Flüchtlinge vor dem Verschleierungsverbot der Schweiz schätzen die Vorzüge eines männerfreien Bades, werden aber von Eva provoziert, die direkt neben ihnen das Bikini-Oberteil fallen lässt.

"Freibad" von Doris Dörrie © Constantin Film
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Konflikte im Freibad, davon hört man heute immer wieder. Für Doris Dörrie sind sie eine perfekte Vorlage:

"Ich dachte mir, das könnte eine wirklich gute Metapher sein für das, was sich im Moment auch gesellschaftlich abspielt. All die Fragen, die durch den Raum schwirren, über weibliche Identität, über Gender, über die leidige Kopftuch-Burkini-Frage, über Trans-Personen, und so weiter und so weiter. Das Freibad als Metapher für Demokratie und dafür, wie wir die weibliche Rolle überhaupt definieren."

Dabei geht es nicht nur darum, wie andere belächelt, beurteilt und gemobbt werden, sondern auch um die Ansprüche, die Frauen an sich selber stellen. Lebenslang hadern sie mit ihrem Körper, jagen einer nie zu erreichenden Perfektion nach.

Virulente Themen und Fragen

Das Drehbuch hat Doris Dörrie, anders als sonst, nicht allein geschrieben, sondern zusammen mit Karin Kaçi und Madeleine Fricke: "Mir war es wichtig, andere Perspektiven auch beim Schreiben schon dabei zu haben, nämlich die Perspektive einer Frau mit migrantischem Hintergrund und die Perspektive einer sehr jungen Frau."

Doch statt des komödiantischen Floretts setzen die drei Autorinnen eher den Holzhammer an, denn an der Kasse, am Pool und Grill sowie auf der Wiese ist wenig Raum für Zwischentöne. Statt mit Klischees und Vorurteilen zu jonglieren, werden sie bedient. Da wird die Transfrau am Grill auch mal gefragt, ob sie denn ihr "Würstchen" noch habe.

Die brütende Hitze trägt dazu bei, Gefühle und Befindlichkeiten hochkochen zu lassen, bis die entnervte Bademeisterin das Handtuch schmeißt. Damit das Bad nicht schließen muss, wird ein Mann eingestellt, der sich als "postgender" bezeichnet und bei den Einen Entsetzen, bei den Anderen Begehrlichkeiten weckt.

"Freibad" von Doris Dörrie © Constantin Film
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Was man dem Film bei aller Kritik zugutehalten kann, ist, dass hier wirklich alle gleichermaßen ihr Fett abbekommen, dass niemand recht hat oder sauber rauskommt. Und, dass virulente Fragen durchgespielt werden: Wann ist eine Frau eine Frau? Wer bestimmt über ihren Körper? Welche Freiheiten erlaubt, fordert oder toleriert die westliche Demokratie?

Anke Sterneborg, rbbKultur

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