Märzengrund © PROKINO Filmverleih / Metafilm
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Drama - "Märzengrund"

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Eine wahre Geschichte: ein junger Mann verlässt sein Elternhaus und geht in die Berge. Lässt alles hinter sich wird nie mehr nach Hause zurückkehren. Eine Geschichte, die erst als Theaterstück auf die Bühne kam und die der österreichische Regisseur Adrian Goiginger nun verfilmt hat: "Märzengrund".
Märzengrund © PROKINO Filmverleih / Metafilm
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Elias ist ein reicher Bauernsohn aus dem Zillertal, einziger Sohn und Alleinerbe. Ein Mordsdruck lastet auf ihm als künftiger Bauer und Großgrundbesitzer, sein Lebensweg ist eigentlich mit seiner Geburt schon entschieden. Elias aber wird sich verweigern: den Werten seiner Eltern, und auch der für ihn vorgesehenen Rolle als Mann. Er geht in die Berge. Es sind die 60er-Jahre, die Zeit, in der auch in Paris und Berlin Studenten auf die Straße ziehen und für eine andere Welt kämpften. Es ist eine Generation, die sich selbst finden will und muss.

Elias sucht Freiheit, Unabhängigkeit. Geld und Reichtum, all das, was seine Eltern in jahrzehntelanger Arbeit angehäuft haben und ihm nun schon in jungen Jahren vermachen wollen, zählt für ihn nichts. Er ist anders als sein Vater und die anderen Bauersöhne. Feingeistig und schwermütig, liebt er die Literatur – sein Vater aber verbietet ihm zu lesen. Als er sich in eine geschiedene Frau verliebt, die älter ist als er, untersagen seine Eltern ihm den Kontakt.

Zu diesem Zeitpunkt schafft er es noch nicht, sich über seine Eltern hinwegzusetzen. Er fügt sich und versinkt in einer schweren Depression. Der Arzt rät dazu, ihn in eine Klinik zu geben, mit Elektroschocks zu behandeln, sein Vater aber hat ein anderes Rezept: ein halbes Jahr soll er in die Berge gehen, alleine. Was als Strafe gedacht ist, wird für Elias zur Erlösung.

Goiginger erzählt die Geschichte des Elias in Zeitsprüngen: Da ist der 18-jährige, der gern mal einen trinkt und schnelle Autos liebt, da der alte Mann, der nach über 40 Jahren Leben auf dem Berg ins Tal zurückmuss, weil er krank ist. Damit beginnt der Film. Drastische Bilder, wie der Alte sich die Kanülen aus dem Gesicht reißt, raus aus dem hell erleuchteten Krankenhaus will, zurück in die Natur.

Wir springen dann in die Vergangenheit, lernen Elias als Teil einer eigentlich glücklichen Familie kennen, die zunehmend problematische Beziehung zu seinen Eltern, die ihn mit ihren Erwartungen erdrücken, seine Bedürfnisse nicht wahrnehmen, auch wenn sie ihn lieben und immer das in ihren Augen Beste für ihn wollen.

Was zunächst klingt wie eine Geschichte aus einer anderen Welt, aus einem anderen Jahrhundert, ist doch hochaktuell: Ein junger Mann befreit sich von der Bürde seines Elternhauses, befreit sich von einem Leben, das andere für ihn ausgesucht haben.

Märzengrund © PROKINO Filmverleih / Metafilm
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"Märzengrund" lebt von seinen Bildern, der Kraft der Natur. Authentizität ist Regisseur Adrian Goiginger ganz wichtig, so hat er das Theaterstück von Felix Mitterer in den Zillertaler-Dialekt übersetzt. Und dann sind da seine großartigen Schauspieler: Verena Altenberger – die auch schon die Hauptrolle in Goigingers erstem Film "Die beste aller Welten" spielte –, verkörpert eher zurückhaltend die große Liebe von Elias. Der junge Elias wird behutsam und kraftvoll zugleich von dem Newcomer Jakob Mader gespielt. Den alten Elias spielt der Burgschauspieler Johannes Krisch: eine Urgewalt.

Sie alle und die kluge Dramaturgie machen "Märzengrund" zu einem außergewöhnlichen und aufregenden Film, der genau die richtigen Fragen zur richtigen Zeit stellt: Wie will ich leben, was zählt wirklich?

Christine Deggau, rbbKultur

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