Nope © Universal Pictures
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Science Fiction-/Horror-Film - "Nope"

Bewertung:

Den großen Durchbruch feierte der Schauspieler und Komiker Jordan Peele 2017 mit seinem Regiedebüt "Get Out". Für das Drehbuch des Horror-Thrillers mit Elementen von Komödie und bitterböser Rassismus-Satire wurde er auch gleich mit einem Oscar ausgezeichnet. Auch sein neuester Film "Nope", bei dem er erneut mit dem Schauspieler Daniel Kaluuya zusammengearbeitet hat, lässt sich nicht auf ein Genre festlegen Die Geschichte um ein Geschwisterpaar auf einer Pferderanch in einem kalifornischen Tal ist zugleich Western, Science Fiction und Horrorfilm.

Schon die ersten Klänge des Soundtrack-Songs "Haywood Ranch" versprechen großes, episches Kino, das mit unheimlichen Noten versetzt ist.

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Episches Kino mit unheimlichen Noten

Die Geschwister OJ (Daniel Kaluuya) und Emerald (Keke Palmer) betreiben eine Pferderanch in einem gottverlassenen, ausgedörrten Tal in Kalifornien. Gelegentlich arbeiten sie im benachbarten Hollywood als Pferdetrainer, wo Emerald dem Team stolz von ihrer Verbindung zu den Anfängen des Kinos erzählt:

"Wussten Sie, dass der allererste Film einen schwarzen Mann auf einem Pferd zeigte? Und dieser Mann ist mein Ururgroßvater. Deshalb sagen wir auf der Hayward-Ranch, Hollywoods einziger Pferdetrainerranch in schwarzer Hand, dass wir, seit die Bilder laufen lernten, mit dabei waren!"

Irgendetwas stimmt nicht

Wieder zuhause auf der Haywood-Ranch schleichen sich erste Irritationen ein, als OJ nachts alleine am Pferdegatter steht und Emerald im Haus tanzt: Der Plattenspieler beginnt zu leiern, als ihm langsam der Strom abgewürgt wird, ein Pferd rennt wiehernd davon. Die Tiere spüren es als erste: irgendetwas stimmt nicht, eine schwer zu greifende Macht lauert von oben.

"Was hast du gesehen?", fragt Emerald. "Es war groß", erwidert OJ. "Es war schnell, ich konnt’s nicht wirklich sehen. Sie sind wütend, wollen Aufmerksamkeit."

Doch während die meisten Filme über Invasionen aus dem All vor allem von den Gefahren einer feindlichen Übernahme erzählen, versetzt Jordan Peele die bedrohlichen Elemente mit magischen Akzenten. Staunen und Faszination sind genauso groß wie die Angst. Die Geschwister reimen sich zusammen, dass die außerirdische Macht sie nur einsaugen kann, wenn sie angeschaut wird.

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Magische Bilder

Das Problem ist nur, dass Menschen gar nicht anders können, als hinzuschauen, wenn etwas Fremdes, Faszinierendes am Himmel schwebt. Schließlich geht es auch darum, einen Beweis zu erbringen, die flüchtige Erscheinung mit allen Tricks auf ein Foto zu bannen. Gar nicht so leicht angesichts der Tatsache, dass sie Strom und Batterien ausschaltet.

Als Warnsystem installieren OJ und Emerald auf dem ganzen Ranch-Gelände flatternde Windmännchen, die in sich zusammenfallen, sobald der Strom ausfällt. Immer wieder findet Jordan Peele wunderschöne Bilder für das Ungreifbare: Am Anfang ist die fliegende Untertasse nur ein dunkler Schatten, der kaum merklich durch die Wolken schwirrt oder eine Wolke, die unbeweglich im Himmel steht. Später, aus größerer Nähe, gleicht sie mit ihren eleganten Bewegungen einem Flugdrachen aus Seide, einer riesigen Qualle oder einem mit den Flossen schlagendem Rochen.

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Der Film als Politikum

Es versteht sich von selbst, dass Jordan Peele als Person of Color in Hollywood die Hauptrollen mit farbigen Schauspieler:innen besetzt. Doch anders als sein Debütfilm "Get Out", der den alltäglichen Rassismus satirisch aufs Korn genommen hat, macht er die Existenz des Films per se zum Politikum. Wo ist der ikonische, schwarze UFO-Film?, fragt er im Interview: "Vor allem wollte ich einen UFO-Horror-Film drehen. Und dann stellt sich die Frage: wo ist der ikonische, schwarze UFO-Film? Wann immer ich das Gefühl habe, es gibt da einen meiner Lieblingsfilme, der noch nicht gedreht wurde, versuche ich, diese Lücke zu füllen, den Film zu drehen, von dem ich mir wünsche, jemand anderes hätte ihn für mich gedreht."

Aber auch jenseits solcher Schwarzweiß-Kategorien setzt er neue Akzente, findet neue, überraschende Bilder. Die besondere Qualität von "Nope" liegt in der Ruhe, mit der er seine Geschichte entfaltet - weitgehend ohne schrille Effekte und hektisches Tempo. Schon der Titel ist pures Understatement: "Nope", so wie man einfach so, ohne Dringlichkeit dahinsagt, "ach nö".

Die unheimliche Stimmung entsteht allein schon durch die Panik in den Augen des ansonsten nahezu reglosen Daniel Kaluuya und durch die wohldosierten, vielstimmigen Klänge des Soundtracks.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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