Three Thousand Years of Longing © LEONINE Distribution
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Fantasy-Drama - "Three Thousand Years of Longing"

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Wenn sich eine Oscar-Preisträgerin und ein bekannter Action-Regisseur zusammentun, um ein Märchen zu inszenieren, dann darf man gespannt sein: "Three Thousand Years of Longing" führt uns von der Zeit König Salomos bis in das London der Gegenwart und stellt dabei immer wieder die Frage: Was ist der sehnlichste Wunsch der Frauen?

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Märchen und alte Sagen – das sind die Leidenschaften der britischen Narratologin Alithea Binnie (Tilda Swinton). Viel mehr braucht die überzeugte Einzelgängerin nicht, um glücklich zu sein. Denkt sie jedenfalls. Doch dann begegnet der Wissenschaftlerin ein leibhaftiger Dschinn. Auf der Reise zu einem Kongress nach Istanbul kauft sie auf dem Basar eine alte Flasche, öffnet sie in ihrem Hotelzimmer und – zack – da steht er auf einmal: Groß, dunkelhäutig, mit spitzen Ohren und Schlafzimmerblick.

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Psychologisches Kammerspiel im Hotelzimmer

Der Dschinn (Idris Elba) hat vor allem ein Anliegen: Er möchte seine drei Wünsche loswerden, um endlich wieder frei zu sein. Doch leider ist er an die Falsche geraten. Denn Alithea ist wunschlos glücklich – und durch ihren Beruf weiß sie nur zu gut, dass die Sache mit den drei Wünschen selten gut endet.

Ein Vergnügen, diesen beiden großartigen Schauspielern dabei zuzuschauen, wie sie sich gegenseitig zu überzeugen versuchen. In dem Hotelzimmer in Istanbul entspinnt sich ein psychologisches Kammerspiel, das zur Rahmenhandlung wird für einen Ausflug in die orientalische Märchenwelt.

Die Unmöglichkeit des Wünschens

Der australische Regisseur George Miller, bekannt für seine "Mad Max"-Verfilmungen, hat sich für seinen neuesten Film eine Kurzgeschichte der britischen Autorin A. S. Byatt vorgenommen. In "Three Thousand Years of Longing" geht es um die Unmöglichkeit des Wünschens und um die Sehnsucht des Menschen nach Liebe.

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Anhand seiner 3.000-jährigen Leidensgeschichte, die der Dschinn Alithea erzählt, werden immer neue Konstellationen der Liebe durchgespielt: Das Verlangen König Salomos nach der legendären Königin von Saaba, die Harems-Intrigen am Hof des türkischen Sultans und die Geschichte eines genialen Waisenmädchens, das zur Mätresse eines alten Kaufmanns wird. Immer hat der Dschinn seine Finger im Spiel und immer landet er am Ende wieder in seiner Flasche.

Überbordende Fantasie

Mit überbordender Fantasie und einer Vielzahl von tricktechnischen Gimmicks lässt George Miller die orientalische Fabelwelt Realität werden: Da fangen Musikinstrumente an zu sprechen, Gläser schmelzen und eine ganze antike Bibliothek verschwindet in einer Sammlung von Karaffen.

Schade nur, dass er den erzählerischen Exkursen des Dschinn nicht mehr Raum gelassen hat: Immer dann, wenn man sich als Zuschauer:in gerade auf ein Märchen eingelassen hat, ist es auch schon wieder zu Ende und wir sind zurück in dem Hotelzimmer in Istanbul.

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Der letzte Wunsch bleibt offen

Unter dieser Unentschlossenheit leidet der Film ein bisschen: Geht es hier um einen Exkurs in die orientalische Märchenwelt oder steht doch die Beziehung zwischen der nüchternen Narratologin und dem fabulierfreudigen Dschinn im Vordergrund? Das wird nie wirklich klar.

Am Ende hat Alithea dann doch noch einen Wunsch. Doch ob der jemals zu erfüllen sein wird, bleibt offen.

Carsten Beyer, rbbKultur

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