Warten auf Bojangles © Studiocanal Filmverleih
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Drama - "Warten auf Bojangles"

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2016 war der Debütroman "Warten auf Bojangles" von Olivier Bourdeaut ein mit vielen Preisen ausgezeichneter Überraschungshit in Frankreich, eine kapriziöse Liebesgeschichte mit dunklen Untertönen. Régis Roinsard hat diesen Bestseller jetzt zur Vorlage seines Regiedebüts genommen, prominent besetzt mit den französischen Stars Virginie Efira und Romain Duris.

Der notorische Hochstapler Georges hat sich auf einer mondänen Party an der französischen Riviera eingeschlichen und lernt dort die schöne Camille kennen, die sich mal Antoinette, mal Nora, dann wieder Olga nennt.

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Liebe auf den ersten Blick

Es ist Liebe auf den ersten Blick, noch am selben Tag heiraten die beiden, schlafen auf dem Altar der kleinen Kapelle miteinander und bekommen neun Monate später einen Sohn, den sie Gary nennen, nach dem Filmstar Gary Cooper.

Zu dritt führen sie ein ausschweifendes Leben fern der Realität, mit rauschenden Cocktail-Partys und tanzend zum titelgebenden Song des amerikanischen Countrysängers Jerry Jeff Walker. Doch langsam schleichen sich düstere Töne ins Liebesparadies ein, denn Camille ist manisch-depressiv, muss in die Psychiatrie, bis Mann und Sohn sie von dort in ein riesiges Schloss in Spanien entführen.

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"Sie wird Ihnen den Verstand rauben!"

Régis Roinsard wirft sich mit spürbarem Vergnügen an Ausstattung, Kostümen und Musik in die Fünfzigerjahre und weckt damit Erinnerungen an romantische Thriller wie "Über den Dächern von Nizza" von Alfred Hitchcock.

Georges (Romain Duris) macht das Fest auf der Terrasse einer Villa am Meer zur Bühne für seinen Auftritt: Elegant gekleidet, selbstbewusst und mit Grandezza bewegt er sich fließend durch die Menge, greift sich von jedem vorbeikommenden Tablett ein Glas Champagner und zieht die staunenden Gäste mit abenteuerlich erfundenen Geschichten aus seinem Leben in den Bann. Dann sieht er die allein tanzende Camille (Virginie Efira) - und es ist augenblicklich um ihn geschehen, obwohl der von ihr links liegengelassene Begleiter ihn eindringlich warnt: "Träumen Sie nicht mal davon, sie wird Ihnen den Verstand rauben!"

Wie eine Antoinette wirke Camille, behauptet Georges, und diese ist einverstanden: Den selben Namen von Geburt an bis zum Tod tragen - das ist ohnehin nichts für die kapriziöse Lady. Für sie ist er das Ebenbild jenes Kavaliers, in den sie sich schon in der Kindheit verliebt hat und er behauptet, mit seiner Frisur schon vor Jahrhunderten auf die Welt gekommen zu sein.

Camilles Begleiter wird als väterlicher Freund, den sie fortan nur noch "Halunke" nennen, in die Familie aufgenommen.

Ein bisschen Amélie und viel Fitzgerald

Zwei Männer, eine Frau - das erinnert ein wenig an Truffauts "Jules et Jim", doch obwohl "Warten auf Bojangles" zugleich an "Die fabelhafte Welt der Amélie" erinnert, mit ihrer ähnlich fantasievoll-eigenwilligen Sicht auf die Welt, hat der Film ein gewisses, amerikanisch angehauchtes Flair im Stil von F. Scott Fitzgerald.

Bald jedoch wechselt der Tonfall, aus der romantisch-kapriziösen Komödie wird ein tragisches Familiendrama. Die Wahrnehmung des Sohnes prägt den weiteren Verlauf der Erzählung, sein Staunen, seine Verunsicherung, aber auch die kindliche Fantasie, mit der er der psychischen Krankheit seiner Mutter begegnet, die zunehmend irrational, feindselig und aufbrausend reagiert. Wild beschimpft und schlägt sie den Kranich, den die kleine Familie als ungewöhnliches Haustier hält.

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Spagat zwischen romantischer Liebe und Psychodrama

Der harsche Stimmungswechsel von der romantischen Liebesgeschichte zum Drama um eine psychische Krankheit ist ein Spagat, mit dem der Film ringt, obwohl die widersprüchlichen Stimmungen auf der visuellen Ebene vorbereitet werden. Die anfangs leuchtenden Farben werden zunehmend blasser und fahler, das Licht kälter und unwirtlicher und die Schauplätze wechseln von luftigen Landschaften mit blauem Himmel und glitzerndem Meer in dunklere Innenräume. Ganz schlüssig aber finden die disparaten Erzählungen nicht zueinander. Der kapriziöse Glamour eines Liebesmärchens wird von der toxischen Realität einer psychischen Krankheit eingeholt.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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