Das Leben ein Tanz © Studiocanal Filmverleih
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Tragikomödie - "Das Leben ein Tanz"

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Berühmt wurde der französische Filmregisseur Cédric Klapisch durch seine "L’auberge espagnole"-Trilogie. Darin ging es um eine Gruppe von Erasmus-Studentinnen und Studenten, die sich an unterschiedlichen Orten Europas wiedertreffen. Es ging also um das Lebensgefühl einer jungen Generation. Jetzt hat Klapisch einen Ballettfilm gedreht - und man fragt sich, wie passt das zusammen?

"En Corps" heißt der Film auf Französisch, gesprochen kann das beides bedeuten: "Im Körper" oder "Noch einmal". In Deutschland startet der Film unter dem Titel "Das Leben ein Tanz". Klapisch erzählt die Geschichte einer Primaballerina, die sich auf der Bühne verletzt.

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Die Geschichte klingt konventionell

Der Film beginnt genauso konventionell, wie diese Geschichte klingt. Er beginnt mit einer Aufführung von "La Bayadère" in der Oper von Paris. Man glaubt, den Staub zu atmen, der von den Plüschpolstern aufsteigt. Auf der Bühne die Tänzerinnen im Tutu, mit Diademen auf der Stirn. Die verschleierte Braut wird ihrem künftigen Ehemann vorgestellt, als die Primaballerina beobachtet, wie der Tänzer, den sie liebt, hinter den Kulissen eine andere küsst.

In diesem ersten Kapitel interessiert sich Cédric Klapisch mehr für das Geschehen hinter der Bühne. Für die dicken Heizungsrohre, die vielen Bildschirme, die auch backstage die Aufführung zeigen, für den entscheidenden Kuss. Man ahnt natürlich, dass die Primaballerina stolpern wird, man kann den Seufzer des Publikums vorhersehen. Bis man merkt, dass alle diese Klischees Absicht sind. Denn es geht um die Karriere der Tänzerin Èlis nach dem Sturz und der Diagnose Bänderriss.

Die Tänzerin Marion Barbeau debütiert hier als Schauspielerin

Marion Barbeau hat nicht das klassisch-hübsche Gesicht einer Diva, sie sieht eher frech aus und natürlich sieht man Gesicht und Körper die Härte des Trainings an. Am Anfang wirkt sie wie die falsche Besetzung. Im Lauf des Films aber, je mehr Èlise zu sich selbst findet, wächst auch Marion Barbeau in diese Rolle hinein.

Während ihrer Verletzungspause hilft Èlise bei einem Caterer aus, der zufällig mit seinem Street Food-Van in ein Landhaus in der Bretagne fährt. Zufällig hat eine Tanzkompagnie diese Ort für ihre Proben ausgewählt und die Caterer müssen die Tänzerinnen und Tänzer verköstigen. Elise beobachtet neugierig die Proben und lernt eine ganz neue Form des Balletts kennen – den zeitgenössischen Tanz. Nicht mit Tutu und Spitzenschuhen, sondern in Straßenkleidung, mit HipHop-Variationen. Denn in dem schönen alten Haus am Meer trainiert das Ensemble des israelischen Choreographen Hofesh Shechter und tatsächlich geht mit der ersten Sekunde, in der diese Tänzerinnen und Tänzer erscheinen, in dem Film die Post ab. Plötzlich versteht man den sehr konventionellen Anfang des Films.

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Der Choreograf Hofesh Shechter spielt sich selbst als Lichtgestalt

Hofesh Shechter hat in dem Film die leichte Rolle, einen total entspannten, supernetten, sanftmütigen Künstler zu spielen, der immer mal wieder zufällig die Treppe herunterkommt, zufällig Èlis trifft und ihr sagt: "Du kannst gerne bei uns mitmachen."

Von Shechter stammen die Sätze: "Schwäche ist die neue Superpower" und "Eine Verletzung macht dich schöner" – eine Kriegserklärung an die Härte des traditionellen Balletts. Die Gloriole über dem Haupt des Choreografen leuchtet vielleicht ein bisschen stark. Aber die Tanzszenen entschädigen für die laue Geschichte. Gerade bei den Proben sieht man die einzelnen Elemente der Choreografie, die fließenden Schüttelbewegungen, die fast mystischen Stampfrhythmen, die akrobatischen HipHop-Elemente und manchmal auch die ruhigen Phasen, in denen Hofesh Shechter zum Ensemble sagt: "Die sind für Euch, genießt sie". Und das sind natürlich ganz neue Töne für Elise, die als Primaballerina bis dahin nur Drill gekannt hat und immer neugieriger wird.

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Tanz auf der Klippe

Cédric Klapisch versucht zum einen den Tanz in den Alltag zu integrieren. Weil wir hier in einem französischen Film sind, muss sich auch das Kochen am Tanz messen lassen. Einmal machen alle Tänzerinnen und Tänzer einen Ausflug ans Meer. Oben auf den Klippen setzen sie sich in Bewegung, unten braust die Brandung, der Wind beutelt die Parkas und der Blick geht bis zum Horizont. Mehr Raum geht nicht, das ist dann der magische Moment, in dem Èlise eine Ahnung bekommt, wie sie Ballett und Leben miteinander vereinbaren kann.

Am Ende tanzt sie in einem Stück von Hofesh Shechter. Hier hatte der Choreograf beim Schnitt das letzte Wort. Aus der etwas verkniffenen Ballerina ist eine schöne junge Frau geworden, die Wirklichkeit, die Gegenwart haben sie verwandelt. Da ist Marion Barbeau tatsächlich großartig anzusehen in ihrer ganzen Kraft und Verletzlichkeit. Jetzt verzeiht man dem Film den etwas mühseligen Anfang und die dünne Geschichte. Diese grandiosen Tanzszenen machen das alles wett.

Simone Reber, rbbKultur

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