Moonage Daydream © Universal Pictures Germany
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Musik-Dokumentation - "Moonage Daydream"

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Vor sieben Jahren ist David Bowie gestorben. Fast 50 Jahre dauerte die Karriere des einflussreichen britischen Musikers. 26 Studioalben hat er produziert und dafür wechselnde Bühnenidentitäten wie "Ziggy Stardust" oder "The Thin White Duke" erschaffen. Viel Stoff für die Dokumentation "Moonage Daydream" von Brett Morgen, der bekannt ist für seine innovativen Filme über Musiker wie die Rolling Stones oder Kurt Cobain.

"Moonage Daydream" ist der erste von den Erben autorisierte Film über Bowie. Morgen hatte exklusiven Zugang zu Bowies Privat-Archiv mit vielen unveröffentlichten Konzertmitschnitten, Musikvideos und frühen TV-Interviews.

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Immersiver Trip in die Welt von David Bowie

"I'm an alligator, I'm the space invader!" singt David Bowie in "Moonage Daydream" - dem Song, dem der Film seinen Titel verdankt. Ein Film, der tatsächlich Qualitäten eines flirrenden Tagtraums hat. Wie schon in seinen früheren Dokumentationen verzichtet Brett Morgen auch hier darauf, die Stationen des Lebens von der Wiege bis zur Bahre abzuhaken. Stattdessen komponiert er ein kaleidoskopisches Puzzle aus Bildern und Tönen, eine Art immersiven Trip in den Kopf und das Universum von David Bowie.

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Bowie in seinen eigenen Worten

Statt Verwandte, Freunde, Wegbegleiter und Experten in Form von Talking Heads zu Wort kommen zu lassen, lässt er ausschließlich Bowie persönlich für sich sprechen, in Ausschnitten der zahlreichen Interviews, die er gegeben hat.

"Seit ich 16 war, war ich entschlossen das größte Abenteuer zu erleben, das man als Mensch haben kann“, sagt er da beispielsweise. Oder er stellt lebensphilosophische Betrachtungen an, über die menschliche Existenz, deren Mysterium sich nicht entschlüsseln lässt. Und in einem Fernsehinterview von 1973 verblüfft er den konservativen Moderator mit seinem schillernden Auftritt im bunten Clowns-Anzug mit riesigem roten Revers, mit karottenrotem Punk-Haarschopf, Alabaster-Teint, einem riesigen Ohrring und pinkfarbenen Plateau-Sandalen über Goldglitter-Socken: Ob das jetzt Männerschuhe seien, Frauenschuhe oder "bisexuelle Schuhe", fragt der Moderator - und Bowie, der sich lebenslang fluide zwischen den Geschlechtern bewegt hat, kontert lachend: "Das sind Schuh-Schuhe, du Dummerchen!"

Rauschhafte Bild- und Klangcollage

Sechs Jahre lang hat Brett Morgen das exklusive Material gesichtet, ausgewählt und dann im Schneideraum zu einer rauschhaften Bild- und Klang-Collage kompiliert. Statt Chronologien zu erstellen, springt er durch das Werk und gleicht darin seinem Gegenstand, der sich ebenfalls nie festlegen ließ, sich immer wieder häutete, verwandelte, vom schrillen Außerirdischen Ziggy Stardust mit dem quer übers Gesicht gemalten, rotblauen Blitz, über den ausgemergelten Thin White Duke in schwarzem Maßanzug und weißem Hemd, bis zum androgynen Dandy in Marlene Dietrich-Hosen.

Wer war Bowie? Das fragten sich viele. Woher kam er? Ist er ein Alien, ein Roboter? Ist er gefährlich, klug, dumm, verrückt? Mann oder Frau? Brett Morgen fängt Bowie in seiner ganzen schillernden und ausufernden Vielfalt ein, nicht nur als Musiker, sondern auch als Tänzer, Verwandlungskünstler, Schauspieler, Philosoph und bildender Künstler.

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Flirrende Persönlichkeit, schillernd eingefangen

Ergänzt werden die zum Teil noch nie gezeigten Konzertmitschnitte und Interviewpassagen durch psychedelische Comic-Interpretationen und Ausschnitte aus Filmen wie Victor Flemings "Der Zauberer von Oz", Kubricks "2001-Odyssee im Weltraum" oder Fritz Langs "Metropolis", die Bowie inspiriert haben. Und umgekehrt gibt es auch Kunstwerke, die er beeinflusst hat, wie die Sinfonie "Low" von Philip Glass nach dem gleichnamigen Album von Bowie und Brian Eno.

"Moonage Daydream" sprengt den festen Rahmen einer Filmbiografie und ist gerade dadurch die perfekte Entsprechung für die flirrende Persönlichkeit von David Bowie. Ganz besonders eindrucksvoll auch in den Passagen, in denen Brett Morgen die Audiospur eines Songs mit Ausschnitten aus verschiedenen Konzertauftritten unterlegt.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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