Bros © Universal Pictures Germany
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Romantische Komödie - "Bros"

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Diese Woche kommt ein besonderer Film in unsere Kinos: "Bros" ist eine romantische Komödie, in der es naturgemäß um die holprigen Anfänge einer Liebe auf dem Weg zum Happy End geht - aber nicht zwischen einem Mann und einer Frau, sondern zwischen zwei Männern. Ein Hollywood-Mainstream-Film mit dem Twist, dass er durchweg mit Schauspielern aus der LGBTQ-Community besetzt ist.

Verantwortlich sind zwei Filmemacher, die sich um political correctness noch nie besonders geschert haben: Judd Apatow als Produzent und Nicholas Stoller als Regisseur und Co-Autor, zusammen mit dem bei uns viel zu unbekannten Komiker Billy Eichner, der auch eine der Hauptrollen übernommen hat.

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Grabenkämpfe in der LGBTQ-Community

"Findet irgendjemanden für mich, den ich lieben kann", singt Freddy Mercury im Queen-Song "Somebody to love", der auch im Film zu hören ist. Es geht um die Liebe, auch wenn es der Held dieser romantischen Komödie erstmal gar nicht darauf anlegt.

Bobby, gespielt von Bobby Eichner, ist Moderator, Autor, Aktivist und Kurator eines großen LGBTQ-Museums in New York, das demnächst eröffnen soll. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: "Hey Leute, hier ist Bobby Leiber aus der zukünftigen Heimat des LGBTQ+-Museums! Alle sind aufgeregt und verstehen sich total gut."

Hinter den Kulissen sieht das allerdings ganz anders aus. Während die Community nach außen Einigkeit demonstriert, führt sie nach innen erbitterte Grabenkämpfe: "Es ist die Woche der Bisexualität und keiner hat das auch nur eines Wortes gewürdigt", beschweren sich die einen. "Der Monat der lesbischen Geschichte war im März, und davon hat keiner irgendetwas gesagt", klagen die anderen. "Typisch, die Lesben kriegen einen Monat und wir nur 'ne Woche!"

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Die homosexuelle, politisch unkorrekte Version des "Stadtneurotikers"

Eichner spielt eine Art Stadtneurotiker, wie man ihn von Woody Allen kennt: einen jüdischen New Yorker, der dazu noch schwul ist und ausgeprägt politisch unkorrekt.

Bei einem privaten Treffen im Restaurant verteidigt Bobby sein Single-Dasein vor den Freunden, die sich gerade zu einer Dreierbeziehung bekannt haben: "Ich sag Euch mal, was heute fortschrittlich ist: allein zu sein. Ich liebe mein Leben, meine Freiheit, meine Unabhängigkeit! Ich will keine Dreierbeziehung. Ich will nicht mal 'ne Zweierbeziehung!"

Kaum hat er das ausgesprochen, begegnet Bobby nachts in einem Club Aaron (Luke Macfarlane), der ihn mit muskulösem Oberkörper und charmantem Lächeln sofort für sich einnimmt. Während sie sich noch versichern, dass sie beide keine ernsthafte Beziehung suchen, beginnen sie schon, sich ineinander zu verlieben - allen Unterschieden zum Trotz:

"Worauf stehst du? Auf diese muskulösen Hunks ohne eigene Meinung?" frotzelt Bobby. "Nein, ich steh' auf diese dürren Lappen, die einfach ununterbrochen reden", kontert Aaron.

Romantische Komödie mit Twist

Die Idee einer romantischen Komödie mit Männern hatte Autor und Regisseur Nick Stoller schon lange im Kopf, wollte aber mehr, als einfach nur Mann und Frau durch zwei Typen zu ersetzen. Ihm ging es um authentische Lebenserfahrungen, die er als heterosexueller Mann nicht beisteuern konnte. Darum holte er als Co-Autor und Hauptdarsteller den Komiker Bobby Eichner dazu. Auf YouTube kann man sich die Clips anschauen, in denen Eichner in seiner Reality Show "Billy on the Street" in atemloser Abfolge Passanten auf New Yorker Straßen in absurde Quizspiele verwickelt.

Gemeinsam haben Stoller und Eichner eine Geschichte entwickelt, die sehr wahrhaftig und ehrlich ist - bisweilen deftig und politisch unkorrekt komisch - zugleich anrührend emotional. Dabei stellt sich schnell heraus, dass auch Männer mit den gängigen Bildern von Männlichkeit ringen - beispielsweise im Fitnessstudio, wo Bobby seinen schmächtigen Körper ein bisschen aufpäppeln will und Männlichkeitsposen einübt.

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Zugleich glaubhaft in der Community verwurzelt und universell

Das Besondere an "Bros" ist, dass der Film eben keine kleine Independent- oder Underground-Komödie ist, sondern vom großen Universal Studio finanziert und beim Kinostart unterstützt wird. Der Film ist Teil einer Entwicklung, in der Diversität auch in das bis vor kurzem noch nahezu ausschließlich weiß und hetero dominierte Filmbusiness Einzug hält. Und wenn Schwule mal vorkamen, dann wurden sie von heterosexuellen Stars gespielt, wie von Tom Hanks im AIDS-Drama "Philadelphia". Das ist hier völlig anders, erklärt Billy Eichner im Interview mit der Medienwebsite Collider:

"Ich bin stolz darauf, dass wir das umgedreht haben. Auch die heterosexuellen Rollen haben Schauspieler aus der LGBTQ-Community übernommen. Ich finde nicht, dass man da strikte Regeln aufstellen sollte, aber bisher gab es da ein echtes Missverhältnis, welche Schauspieler welche Chancen bekamen. Ich finde es cool, dass wir hier das Narrativ bestimmen, unsere eigene Geschichte erzählen, uns selber spielen können und in jeden Aspekt einer Mainstream-Komödie involviert sind, so wie man das noch nicht oft sehen konnte."

Und der Film ist auf eine Weise erzählt, dass er zugleich sehr spezifisch und glaubwürdig in der LGBTQ-Community verwurzelt und absolut universell von den Unsicherheiten und dem Glück der Liebe erzählt.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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