"Rheingold" von Fatih Akin © Warner Bros. Ent.
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Thriller/Biopic - "Rheingold"

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Die Lebensbeichte eines kurdischen Gangsta-Rappers kombiniert mit der Heist-Story über einen spektakulären Raubüberfall. Fatih Akins neuer Film "Rheingold" bietet eine Menge Stoff. Doch wo eigentlich kritische Distanz angebracht wäre, erliegt der Hamburger Filmemacher der Versuchung, seinen Protagonisten zu heroisieren.

"Rheingold" von Fatih Akin © Warner Bros. Ent.
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Vom kurdischen Flüchtlingskind im Rheinland über den Drogendealer und Kleinkriminellen hin zum Drahtzieher eines Goldraubs – und anschließender Läuterung im Knast: Der Bonner Rapper Giwar Hajabi alias Xatar blickt auf eine ziemlich bewegte Lebensgeschichte zurück. Eine Geschichte, die ihn zu einem der erfolgreichsten Gangsta-Rapper in Deutschland gemacht hat.

Ein leeres Versprechen

Bei einem längeren Gefängnisaufenthalt hat Xatar seine Biografie aufgeschrieben ("Alles oder Nix: Bei uns sagt man, die Welt gehört dir", Riva Verlag, 2015) und Fatih Akin hat sie nun verfilmt.

Das klingt erstmal vielversprechend, doch die im Titel suggerierte wagnerianische Überhöhung bleibt ein leeres Versprechen. Dass Akin eine Schwäche für True Crime hat, hat er schon in seinem letzten Film unter Beweis gestellt: "Der Goldene Handschuh" zeigte mit schonungsloser Brutalität die Verbrechen des Hamburger Frauenmörders Fritz Honka. Doch während man diesem Film immerhin noch als Milieustudie einiges abgewinnen konnte, hat sich der Regisseur nun in der Gangsta-Rap-Szene komplett verlaufen.

In der Szene verlaufen

Sein Hauptdarsteller Emilio Sakraya ("Bibi und Tina", "Lieber Kurt") ist zwar nicht schlecht gewählt, doch das Drehbuch lässt ihn wie einen verhinderten Superhelden durch die Szenerie laufen. Im Grunde hat Akin die Erinnerungen Xatars einfach nur brav abgefilmt. Ob es nun um die ersten Drogendeals und die Gewalt auf der Straße geht, die Zeit als Türsteher und Drogenkurier für die holländische Mafia oder später die Jahre im Gefängnis, in denen Xatar anfängt, mit Hilfe eines eingeschmuggelten Handys Musik zu machen: nichts von der Lebensbeichte des Musikers wird in irgendeiner Weise in Frage gestellt.

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Applaus aus dem Regie-Stuhl

Dick aufzutragen ist ein zentrales Element des Gangsta-Rap. Einen auf dicke Hose zu machen, möglichst böse und kriminell zu erscheinen, damit den potentiellen Hörern - im Normalfall pubertären Jungs - ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Doch Akins Film kennt weder ironische Distanz noch kritisches Hinterfragen. Hier läuft alles nur nach dem Motto: Ein Mann will nach oben. Selbst als dieser Mann wehrlose Menschen brutal zusammenschlägt oder eine junge Frau ohrfeigt, um sich einen Job als Türsteher zu verschaffen, hat man noch das Gefühl, aus dem Regie-Stuhl käme freundlicher Applaus.

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Für die Musik bleibt kaum noch Zeit

Hinzu kommt, dass sich der Film nicht entscheiden kann zwischen Biopic und Heist-Story. Der titelgebende Raubüberfall des Gangsters Xatar, bei dem dieser im Dezember 2009 Gold im Wert von 1,7 Millionen Euro erbeuten kann, nimmt bei Akin derart viel Raum ein, dass kaum noch Zeit bleibt für die künstlerische Entwicklung des Rappers – und das trotz Überlänge von zweieinhalb Stunden.

Natürlich ist das Gangsta-Rap-Milieu interessant und die Lebensgeschichte von Xatar bietet einiges an Stoff. Doch von einem erfahrenen Regisseur wie Fatih Akin hätte man sich mehr Verantwortungsgefühl gewünscht, und ein Bewusstsein dafür, welche Signale er mit seinen Bildern aussendet. Nicht jede Geschichte, die handwerklich gut gemacht ist, ist gleich ein guter Film.

Carsten Beyer, rbbKultur

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