Armageddon Time - Zeiten des Umbruchs © Universal Pictures International Germany
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Drama - "Armageddon Time - Zeiten des Umbruchs"

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Ein jüdischer Junge in New York, der sich entscheiden muss zwischen seiner Freundschaft zu einem mittellosen schwarzen Schulkameraden und den ehrgeizigen Wünschen seiner Eltern: In "Armageddon Time - Zeiten des Umbruchs" erzählt James Gray eine autobiografische Geschichte aus dem New York der 80er Jahre. Dabei überragt vor allem Sir Anthony Hopkins in seiner Rolle als verständnisvoller Großvater Aaron.

Armageddon Time - Zeiten des Umbruchs © Universal Pictures International Germany
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"We might be the generation that sees Armageddon" - die Drohung ist unmissverständlich. In seinen Wahlkampfreden, die vom Bildschirm flimmern oder aus dem Radio tönen, liefert Ronald Reagan das Motto einer Umbruchszeit.

Der Ex-Schauspieler, der Mitte der 80er-Jahre für die Republikaner das Präsidentenamt erringt, ist ein konservativer Hardliner. Seine Rhetorik liefert nicht nur den Titel, sondern auch den gesellschaftlichen und politischen Hintergrund für "Armageddon Time – Zeiten des Umbruchs".

Anspruchsvolles Autorenkino

James Gray ist ein Garant für anspruchsvolles US-Autorenkino. Bekannt wurde er mit Filmen wie "Little Odessa" und "The Immigrant", in denen er vom Schicksal der Einwanderer in New York erzählt und seine eigenen Erfahrungen als Kind einer russisch-jüdischen Immigrantenfamilie verarbeitet.

Zwischendurch hat sich Gray erfolglos im Science Fiction-Genre versucht - nun aber ist er glücklicherweise zu seinen angestammten Themen zurückgekehrt.

Ein Joint auf der Schultoilette

Der 12-jährige Paul (Michael Banks Repeta) – möglicherweise ein Alter Ego des Regisseurs – ist der Sohn einer jüdischen Mittelstandsfamilie im New Yorker Stadtteil Queens. Paul geht auf eine kostenlose Public School, hat dort viele Freunde - vor allem schwarze Jungs aus der Nachbarschaft - und jede Menge Spaß. Der ist vorbei, als Paul mit einem Joint auf der Schultoilette erwischt wird. Von jetzt an soll Paul nach dem Willen seiner Eltern auf eine vornehme Privatschule gehen, um dem vermeintlich schlechten Einfluss seiner Umgebung zu entkommen: Eine Entscheidung, die bei dem sensiblen Jungen Entsetzen auslöst, denn so verliert er auch den Kontakt zu seinem besten Freund Jonathan (Jaylin Webb).

Als Paul und Jonathan beschließen, gemeinsam nach Florida auszureißen, wo Jonathans Bruder lebt, droht die Situation zu eskalieren …

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Der Opa als bester Freund

Hetzerische Politikerreden, rassistische Lehrer und Eltern, die vordergründig liberal tun, innerlich aber von Vorurteilen und Abstiegsängsten geplagt werden. Halt findet Paul eigentlich nur bei seinem liebevollen Großvater Aaron (großartig: Sir Anthony Hopkins). Als jüdischer Einwanderer aus Osteuropa hat der in seiner Jugend auch Diskriminierung und soziale Kälte erlebt. Das hat ihn aber nicht verhärtet, ganz im Gegenteil: Aaron predigt seinem Enkel Toleranz und Mitmenschlichkeit.

Großartige Schauspieler:innen

"Armageddon Time – Zeiten des Umbruchs" bietet nicht nur großartige Schauspieler:innen und gut beobachtete Bilder aus dem New York der 80er Jahre, dieser Film hat auch eine wichtige Botschaft: Der konservative Backlash, der Mitte der 80er Jahre begann, hat die USA nicht zu einem besseren und wohlhabenderen, sondern vor allem zu einem gespaltenen Land gemacht.

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Brücke in die Gegenwart

Ganz am Schluss schlägt James Gray dann auch noch die Brücke in die Gegenwart: Der Redner bei Pauls Einschulung an seiner neuen Schule ist ausgerechnet Fred Trump - ein berüchtigter New Yorker Immobilienhai und Vater des späteren US-Präsidenten. Eine nette Anekdote und ein Verweis auf die Kontinuitätslinien zwischen Reagan und Trump.

Der Kampf gegen den Rassismus und für mehr soziale Gerechtigkeit in den USA hat gerade erst begonnen.

Carsten Beyer, rbbKultur

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