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Biopic - "Elvis"

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"Strictly Ballroom", Shakespeares "Romeo and Juliet", "Moulin Rouge", "Der große Gatsby": Der australische Regisseur Baz Luhrmann liebt den überwältigenden Rausch des Kinos, in rasanten Schnittfolgen, an glamourösen Schauplätzen, in schillernden Kostümen, mit rauschhafter Musik und mitreißendem Tanz: Nachdem er in der Netflix-Serie "The Get Down" schon die Kultur von HipHop, Punk und Disco im New York der Siebziger Jahre gefeiert hat, widmet er sich jetzt einem der größten Musiker aller Zeiten: Elvis Presley.

"You`re looking for trouble? You came to the right place!" singt Austin Butler, der junge Schauspieler, der die Songs aus den Anfängen von Elvis‘ Karriere singen musste, weil die Tonaufnahmen aus den Fünfzigerjahren für einen modernen Film zu schlecht klingen. Elvis Presley, der King of Rock’n Roll, eine der ganz großen Ikonen der Popkultur.

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Zwei Stars werden geboren

Mit einer Rolle, die auch erfahrene Stars einschüchtern würde, feiert Austin Butler mit Anfang 30 und nach vielen Fernseh- und einigen Kinorollen seinen ganz großen Durchbruch. Man glaubt es kaum, dass er vorher nie gesungen oder getanzt hat. Im "Time Out"-Magazine war zu lesen, wenn er zum ersten Mal als Elvis auf der Bühne die Hüften schwinge, könne man dabei zuschauen, wie zwei Stars geboren werden.

Keine einfache Aufgabe, so einen überlebensgroßen Musiker zu verkörpern, doch Elvis hat den Schauspieler sein ganzes Leben begleitet: "Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der Elvis nicht Teil meines Lebens gewesen wäre. Ich erinnere mich daran, seine Filme mit meiner Oma zu sehen und ans erste Mal, als ich 'Blue Suede Shoes' hörte. Aber das ist das Ding mit Elvis - er wurde zur Tapete der Gesellschaft, diese übermenschliche Figur. Ich war neugierig herauszufinden, wer er als Mensch war."

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Ekstase bei den Frauen, Entsetzen bei den Männern

Natürlich liefert Baz Luhrmann kein klassisches Biopic ab. Elvis ist für ihn auch eine Vorlage, um den Zustand Amerikas zu analysieren - so ähnlich, wie er es schon in anderen Filmen getan hat. "Unser Land ist krank, es hat seine Richtung verloren und sogar seinen Sinn für Anstand", lautet die Selbstdiagnose in den Fünfzigern.

Es gibt schöne Szenen im Film, in denen Austin Butlers Elvis mit dem berühmten Hüftschwung die Frauen im Publikum verzückt, geradezu in glühende Ekstase versetzt, während die Männer neben ihnen in Fassungslosigkeit erstarrt sind. Die lasziven Bewegungen rufen schnell die Sittenwächter auf den Plan: Der Manager fürchtet um seine Gewinne, doch Elvis leistet Widerstand: "Es gibt viele Leute, die viel reden", sagt er "aber am Ende muss man auf sich selber hören!"

Kunst vs. Kommerz

Auf zwei Stunden 39 Minuten wird die Geschichte von Elvis‘ Aufstieg und Fall ausgebreitet, im Spannungsfeld zwischen dem legendären Musiker und seinem berüchtigten Manager Colonel Tom Parker. Hinter prothetischem Make-up und Fat-Suit ist der liebenswürdige Tom Hanks kaum zu erkennen. Doch offensichtlich bereitet es ihm diebisches Vergnügen, ganz gegen sein Image mal einen wirklich zwielichtigen Typen zu spielen, den viele für den Schuldigen halten an Elvis‘ Tragödie und seinem frühen Tod mit nur 42 Jahren.

Der Jahrmarktsunternehmer hatte keine Ahnung von Musik, erkannte aber sofort die Wirkung und das Potential dieses jungen Musikers, der den Blues der Schwarzen mit der Countrymusik der weißen Cowboys verschmolz, gleich beim ersten Auftritt mit Haartolle und Hüftschwung bei der "Louisiana Hayride", wo sich der dürre Junge zum Superhelden verwandelte.

Parker sicherte sich den Schützling, förderte ihn zwar, wollte ihn aber nicht fliegen lassen, sondern eher auspressen, um seine Spielsucht zu finanzieren. Da wird der Film auch zur Geschichte über künstlerische Integrität im Widerspruch zum Geschäftssinn, sell versus soul, Kommerz versus Kunst.

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Musikalische Brücken in Gegenwart und Zukunft

Baz Luhrmann und Austin Butler gewähren einen Blick hinter den Vorhang, in die verletzliche Seele eines Mannes, dessen Scheu nie ganz verschwindet, der wohl vor allem nach der Liebe des Publikums süchtig war - mehr noch als nach Alkohol, Tabletten und Essen.

Wie in all seinen Filmen treibt Baz Luhrmann auch hier ein eklektisches Spiel mit musikalischen Einflüssen, auch mit 60 Jahren entfacht er noch ein Feuerwerk der Bilder - vor allem bei den nachgestellten Bühnenauftritten. Und Austin Butler beherrscht nicht nur die elastischen Bühnenbewegungen von Elvis, sondern auch die in unterschiedlichen Tonlagen, erzählt die Geschichte von Elvis immer auch über den wechselnden Klang der Sprache und die Bewegungen des Körpers. Und wie immer führt er auch hier moderne Elemente in die Musik ein, schlägt musikalische Brücken über Elvis' Tod hinaus.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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