The Princess © Kent Gavin
Kent Gavin
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Dokumentation - "The Princess"

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Im August ist es 25 Jahre her, dass Diana, Princess of Wales und ihr Lebensgefährte Dodi Al-Fayed bei einem Autounfall ums Leben kamen - gejagt von Paparazzi. Lady Di, wie die Briten sie nannten, war eine der meist fotografierten Frauen der Welt und hatte seit ihrem Erscheinen in der Öffentlichkeit ein ambivalentes Verhältnis zur Presse. Sie nutzte sie und sie floh vor ihr. Der britische Filmemacher Ed Perkins hat jetzt noch einmal das Archivmaterial von damals gesichtet.

The Princess © Richard Ellis / Alamy Stock Photo
Bild: Richard Ellis / Alamy Stock Photo

Weil man das Ende kennt, erscheint die Geschichte von Diana Frances Spencer und dem britischen Thronfolger Prinz Charles in einem anderen Licht. Schon die erste Vorstellung von Diana in der Öffentlichkeit wirkt seltsam. Sie ist neunzehn, er 33 Jahre alt, als die Verlobung bekanntgegeben wird. Und wenn man die Szene heute noch einmal sieht, dann fällt auf: sie sucht den Blickkontakt, er sieht sie kein einziges mal an. Heute weiß man, dass er schon damals Camilla Parker Bowles liebte. Weil diese aber verheiratet war, hätte der Thronfolger mit diesem Verhältnis die Krone riskiert. Im Verlauf der öffentlichen Auftritte nimmt die sichtbare Distanz zwischen Charles und Diana zu. Charles zieht sich in Witzeleien über seine Frau zurück, Diana versteckt sich unter ihrem Pony.

The Princess © Kent Gavin
Bild: Kent Gavin

Ein Spiel über Bande

Man kann in dem Film sehen, wie enorm fotogen Diana war, aber in der Konzentration der Bilder wirkt diese Pose dann etwas gestellt. Es gibt kaum ein Foto, in dem sie mit erhobenem Kopf und direktem Blick in die Kamera schaut. Die Fotografen halten immer diesen leicht gesenkten Kopf und den scheuen Seitenblick fest. Diese "Rehlein-Haltung" scheint die Paparazzi angespornt zu haben.

Nur mit ihren Söhnen wirkt Diana vollkommen sie selbst: eine große, athletische Frau, die Spaß am Sport hat. Man sieht aber auch, dass Diana die Aufmerksamkeit durchaus genießt. Einmal sagt sie, die Leute hielten sie für dominant, insofern ist diese Scheu auch ein Versteckspiel mit der Öffentlichkeit.

Öffentliche Person, bevor es Social Media gab

Der Film schaut zurück in eine Welt vor der Digitalisierung. Die Journalisten schreiben auf Schreibmaschinen. Boulevardblätter wie The Sun belauschen Telefongespräche zwischen Charles und Camilla und schneiden sie auf Tonbandkassetten mit. Noch gibt es kein Social Media, aber Diana ist sicher ein Vorbild für die Influencer-Szene. Sie hat verstanden, dass sie ihre öffentlich Persona zum Beruf machen kann. Sie tritt gegen Landminen auf und für die AIDS-Hilfe und ist furchtlos im direkten Kontakt mit den Menschen.

Vielleicht wäre die Tragödie nie passiert, wenn Diana ihr Image selbst hätte kreieren können - mittels Instagram, Twitter, YouTube. Vielleicht wäre die unbarmherzige Verfolgungsjagd dann ausgefallen.

Die Windsors wirken wie aus der Zeit gefallen

Es gibt eine Szene in dem Film, die Bände spricht. Da sieht man die Windsors auf einem Ball. Die Queen, ihr Mann, ihre Mutter, ihr Sohn und sie schließen einen Kreis und tanzen in diesem Kreis, selbstvergessen, von ihrer Umgebung abgeschottet, putzig lächelnd, leicht antiquiert. Harmlos, aber auch beziehungslos.

Im Zentrum des Films wird noch einmal erinnert, wie Charles und Diana ihren Rosenkrieg über die Medien ausgefochten haben, bis die Queen ein Machtwort sprach: Lasst Euch scheiden. Da wirken die Windsors tatsächlich wie eine uneinnehmbare Bastion.

The Princess © Jeremy Sutton-Hibbert / Alamy StockPhoto
Bild: Jeremy Sutton-Hibbert / Alamy StockPhoto

Ein Film aus winzigen Einzelteilen

"The Princess" liegt eine ungeheure Fleißarbeit zu Grunde. Ed Perkins erzählt die Geschichte nur mit Film-, Fernseh- und Audiomaterial aus der Zeit. Aber er verschiebt die Gewichtung. Da sieht man einmal in Nahaufnahme, wie Charles die Hand seiner Frau tätschelt, als sei es der Kopf eines Hundes. Man sieht, wie er versteinert, als sich alle Objektive auf Diana richten. Man sieht Dianas Widerspruch in einer banalen Frage, ob die beiden auch einmal zusammen Skifahren gehen. Man sieht, dass Camilla Parker Bowles schon bei der Hochzeit anwesend war und ihr Mann Andrew damals die berittene Garde befehligte. Details, denen niemand in der Vergangenheit Aufmerksamkeit zollte. Aber schon damals lagen alle Puzzleteile auf dem Tisch.

Mit dem Wissen von heute fallen sie an ihren Platz und das macht diesen Film so spannend.

Simone Reber, rbbKultur

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