Zum Tod meiner Mutter © Grandfilm
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Drama - "Zum Tod meiner Mutter"

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Sterbehilfe ist in Deutschland noch immer ein umstrittenes Thema. Ihre sehr persönlichen Erfahrungen mit der Sterbebegleitung ihrer schwerkranken Mutter hat die Regisseurin Jessica Krummacher in ihrem zweiten Film verarbeitet: "Zum Tod meiner Mutter" lief im Frühjahr im Encounters-Wettbewerb der Berlinale und kommt jetzt in unsere Kinos.

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Kerstin ist erst 64, doch seit vielen Jahren leidet sie an einer seltenen, unheilbaren und immer tödlich verlaufenden Erkrankung des Gehirns. Viel zu früh ist sie in ihren Körper eingesperrt, liegt hilflos in dem karg möblierten Zimmer.

Nach einigen Jahren im Pflegeheim beschließt sie: es ist genug.

Ein schwieriger Prozess für alle Beteiligten

"Aktive Sterbehilfe durch uns Ärzte ist in Deutschland verboten und ich muss mich selbstverständlich danach richten", informiert der junge Arzt im Heim. Aber auch: "Uns bleibt, auch im fortgeschrittenen Stadium Ihrer Mutter, eine Möglichkeit, selbstbestimmt zu sterben. Ihre Mutter müsste bewusst entscheiden, nichts mehr zu essen und nichts mehr zu trinken."

So beginnen zwei Wochen in einem heißen Sommer, in dem Kerstin langsam verschwindet. Ein schwieriger Prozess für alle Beteiligten, ein Prozess, der viele Fragen aufwirft, auch bei den Freunden, die Kerstin besuchen, um sich zu verabschieden: "Will Kerstin das wirklich machen?", fragt eine Freundin. "Das ist doch sehr brutal, oder?" - "Körperlich wird das wahrscheinlich so sein wie beim Fasten", mutmaßt die Tochter. Alle machen sich ihre Gedanken über das Schicksal ihrer Freundin: "Wieso kann man ihr nicht etwas geben, das das jetzt beendet?", fragt eine junge Frau. "Das möchte Mama nicht", erwidert die Tochter. "Sie möchte niemanden zu ihrem Mörder machen.“

Dokumentarische Wahrhaftigkeit

Besonders intensiv sind diese langen Tage des Wartens auf den Tod für die Tochter, die ihre Mutter dabei begleitet und im Film Juliane heißt: Ihre Gespräche mit der Mutter verhallen monologisch: "Ich fürchte mich. Was passiert denn jetzt mit Dir? Und mit mir? Was glaub' ich wie er aussieht, der Tod? Denkst Du auch darüber nach? Kannst Du darüber nachdenken? Oder verdrängst Du den Gedanken lieber?"

Es sind zugleich einfache und elementare Sätze, die gesprochen werden.

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"Zum Tod meiner Mutter" ist ein leiser und nachdenklicher, ein intensiver und mutiger Film über das Sterben - ein Thema, das sonst in der Gesellschaft meist verdrängt wird. Obwohl Mutter und Tochter von Schauspielerinnen gespielt, verkörpert werden, von der Holländerin Elsie de Brauw und der Deutschen Birte Schnöink, hat man immer wieder das Gefühl, so unmittelbar, ehrlich und nah dabei zu sein, als wäre es eine Dokumentation. Man spürt, dass Jessica Krummacher diesen Film aus den eigenen intensiven Erfahrungen destilliert hat, und aus all den Gedanken, die hochsteigen, wenn man den Tod eines geliebten Menschen um seinetwillen herbeisehnt und zugleich persönlich fürchtet.

Stille und Sprachlosigkeit im Angesicht des Unbegreiflichen

Immer wieder geht es für die Tochter darum, zu ergründen und zu verstehen, was Sterben und Tod im Leben bedeuten: "Mama, wie ist der Tod?", fragt sie, ohne eine Antwort zu bekommen. "Ist nicht einfach alles vorbei? Stirbt es sich irgendwie besser oder schlechter? Hat das Auswirkungen auf das Danach, was du davor tust? Oder tut das Warten jetzt nur noch weh?"

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Mit feinem Gespür und viel Geduld beobachtet die Regisseurin das langsame und unbegreifliche Verschwinden eines Menschen. Sie spürt den Momenten nach, in denen ein Lachen unvermittelt ins Schluchzen kippt oder umgekehrt. Und sie traut sich, die Stille und die Sprachlosigkeit zuzulassen, die Pausen zwischen den schwachen Lauten der Sterbenden. Musik gibt es nur, wenn im Heim jemand auf dem Klavier spielt, und ganz am Ende des Films, wenn mit voller, aggressiver Wucht der "Motherdance" des Küstlers Jonathan Meese und DJ Hell erklingt. Das Lied hat der Künstler seiner – noch lebenden - Mutter gewidmet, und eigentlich ist es viel zu laut und heftig für diesen sonst so leisen, intensiven Film, den sich wirklich jeder Mensch ansehen sollte. Man muss ihn nicht fürchten, obwohl er von den letzten Dingen handelt.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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