Babylon - Rausch der Extase © Paramount Pictures Germany
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Drama - "Babylon - Rausch der Extase"

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Immer wieder erzählte der französisch-amerikanische Autor und Filmregisseur Damien Chazelle vom Streben nach dem Höchsten, meistens handelten seine Filme dabei von der Jazzmusik, die er zugunsten des Kinos aufgegeben hat. Auch ums Kino ging es schon, wie in dem Oscar-prämierten Musical "LaLaLand". Sein neuester Film "Babylon - Rausch der Extase" spielt - wie auch die deutsche Serie "Babylon Berlin" - in den Zwanzigerjahren, allerdings in Hollywood, zu jener Zeit, als der Stummfilm durch den Tonfilm abgelöst wurde.

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Ganz schnell wird man hineingeworfen in das Hollywood der Zwanziger Jahre, denn Chazelle stürzt sich mitten hinein in eine überbordend orgiastische Party in der einsam in den Hügeln von Hollywood gelegenen Riesenvilla eines mächtigen Filmmoguls, in einen schwindelerregenden Rausch aus tanzenden, saufenden, johlenden und kopulierenden Körpern, in ein Sündenbabylon mit Ausschweifungen und Exzessen aller Art: Alkohol in Strömen, Kokain in Bergen und ungehemmter Sex vor aller Augen.

Es ist ein derbes, opulentes Sittengemälde - und mittendrin ist die von Margot Robbie gespielte Nellie: "Es steht in den Sternen geschrieben: Ich bin ein Star!", ruft sie in die Welt. "Ich will, dass das Leben eine ewige Party ist, für alle!"

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Ein Trio im Zentrum und viel Trubel drum herum

Konzentrierte sich Damien Chazelle in seinen bisherigen Filmen immer auf einen oder zwei Charaktere, gibt es in "Babylon - Rausch der Extase" ein weitläufiges Ensemble schillernder Figuren um die drei zentralen Akteure und viele Nebenhandlungen und Umwege.

Im Zentrum stehen, angelehnt an die realen Vorbilder Clara Bow und John Gilbert, das junge aufstrebende Sternchen Nellie LaRoy (Margot Robbie) und der berühmte Stummfilm-Star Jack Conrad, den Brad Pitt verkörpert: "Als ich nach L.A. kam, stand auf den Türen: 'Kein Zutritt für Schauspieler und Hunde.' Ich habe das geändert", prahlt er.

Dritter im Bunde ist der illegale Einwanderer Manny Torres (Diego Calva), den Jack auf der Party-Orgie kennenlernt und als Assistent anstellt: "Ich wollte immer mal an ein Filmset", schwärmt er: "Ich wollte immer Teil von etwas Größerem sein, größer als mein Leben, Teil von etwas Wichtigem, etwas Bedeutsamem - etwas, das bleibt."

Historie, ganz gegenwärtig

Am Morgen nach der Party geht es zu den Dreharbeiten, lustvoll zelebriert Chazelle die große Blütezeit des Stummfilms: Aufgeregtes Gewusel an riesigen Sets mit gigantischen Statistenheeren. Mit großer Lust zelebriert er die erste große Blütezeit des Kinos - mit allem, was das Kino hergibt: in opulenten Kulissen, mit schillernden Kostümen, glamourösen Stars in langen, ungeschnittenen, eleganten Kamerafahrten und mit mitreißender Bigband- und wilder Jazzmusik. Statt jedoch die Zwanzigerjahre von damals authentisch zu rekonstruieren, treibt Chazelle sie auf die Spitze und schlägt Brücken zum heutigen Filmgeschäft. Die Ausschweifungen wirken modern, ebenso wie die für die Roaring Twenties zu raue Musik.

Manches, was gezeigt wird, war damals kein Thema. Das Bewusstsein für Rassendiskriminierung im Zusammenhang mit einem schwarzen Jazzmusiker zum Beispiel, der eine Schauspielkarriere lanciert. Und auch eine regieführende Frau gab es damals praktisch gar nicht.

Enervierend und mitreißend

Der Film beginnt im Jahr 1927, an der Schwelle zu einer neuen Zeit, in der das Kino sich anschickte, von der Jahrmarktsattraktion zur ernstzunehmenden Kunst zu werden, womit bald auch einige der Freiheiten verlorengingen. Die bewegten Bilder lernten sprechen und plötzlich musste bei den Dreharbeiten auf den Ton geachtet werden. Weil die Kameras zu laut waren für die empfindlichen Mikrofone, wurde der Kameramann in eine enge Holzkiste gepfercht und die Schauspieler mussten auf die Markierungen achten, damit sie unter den aufgehängten Mikrofonen hörbar waren. Und wenn dann endlich mal alles stimmte, öffnete sich knarzend die Studiotür und wieder war ein Take unbrauchbar ...

Babylon - Rausch der Extase © Paramount Pictures Germany
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Mit gut drei Stunden Laufzeit ist der Film ein irrer, rauschhafter Trip, immer zugleich enervierend und mitreißend, immer zugleich Kritik an dem, was heute falsch läuft in Hollywood und Hommage an die ewige Magie des Kinos. "Babylon – Rausch der Ekstase" ist nicht so meisterhaft wie die drei vorherigen Filme des Regisseurs, aber es ist eine wilde, ungezügelte, in alle Richtungen ausufernde Wundertüte:

"Weißt du was, wir tun müssen? Wir müssen den Film neu erfinden, Träume einfangen und sie auf Zelluloid bannen!", ruft der von Brad Pitt gespielte Stummfilmstar. Und fällt rücklings von der Terrasse über die Brüstung in seinen Garten.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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