Vogelperspektiven © Filmperlen
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Dokumentation - "Vogelperspektiven"

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2018 hat die Dokumentation "Elternschule" über eine Gelsenkirchener Eltern- und Kinderklinik für verhaltensauffällige Kinder hitzige gesellschaftliche Debatten und im Netz einen wahren Shitstorm verursacht. Jetzt kommt ein neuer Dokumentarfilm von Jörg Adolph in unsere Kinos, mit einem Thema, über das sich eigentlich alle einig sind: In "Vogelperspektiven" geht es um die Schönheit der heimischen Vogelwelt und darum, was getan werden muss, um sie zu schützen.

Vogelperspektiven © Filmperlen
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"Alle Vöglein sind schon da ..." trällert der Text eines berühmten Kinderliedes. Nur leider stimmt das so nicht mehr, denn weitgehend unbemerkt sterben mehr und mehr Arten aus, wie Norbert Schäffer, der Vorsitzende des Landesbundes Vogelschutz in Bayern, bei einem öffentlichen Auftritt erklärt: "Wir wissen, dass in der Agrarlandschaft in den letzten 40 Jahren die Hälfte der Vögel verschwunden sind - und Vögel sind ein sehr guter Indikator für biologische Vielfalt insgesamt."

Zwei menschliche Perspektiven

So schön und vieldeutig der Titel "Vogelperspektiven" auch ist, für den Film ist er ein wenig irreführend, denn vor allem geht es um den Blick der Menschen auf die Vögel - gleich am Anfang des Films, wenn ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen majestätisch schwerelos durch die Luft gleitet: "Der Zauber, der in diesem Anfang liegt, ist die Schönheit der Vögel", sagt der leidenschaftliche Vogelkenner Arnulf Conradi: "Das Vogelbeobachten ist eher eine Lebensform als ein Hobby: Man tut es eigentlich immer, man guckt stets nach Vögeln." Er ist einer der beiden menschlichen Hauptfiguren des Films. Seine Begeisterung für die heimische Vogelwelt wurde schon sehr früh entfacht, als er mit acht Jahren ein Fernglas geschenkt bekam. Seitdem schwärmt er vom kontemplativen Glück, das in der Vogelbeobachtung liegt.

Im Unterschied dazu nähert sich Norbert Schäffer der Natur als anpackender Aktivist, wenn er im Landtag das Gesetzt zur Änderung des bayerischen Naturschutzes durchboxt. Wenn er Landwirten und Politikern vermittelt, dass Artenschutz alle angeht. Und wenn er mit seinen Mitarbeitern Strategien entwirft oder zum Feldtermin erscheint, um Probleme und ihre möglichen Lösungen zu sondieren.

Feier der Natur und Appell für Natur- und Artenschutz

Das Thema des neuen Films von Jörg Adolph hat sich aus seinem letzten ergeben, in dem er "Das geheime Leben der Bäume" erforschte. "Vogelperspektiven" ist kein klassischer Naturfilm, der die Schönheit feiert und dabei nah an die Kitschgrenze gerät. Aber ein bisschen schwärmen und schwelgen muss natürlich dennoch sein, wenn die Drohnenkamera über die bayerischen Wiesen, Wälder und Flüsse gleitet, auf Sylt übers Watt streift oder an den Klippen von Helgoland vorbei, um Wachtelkönig und Tüpfelralle, Uferschnepfe und Trottellumme aufzuspüren.

Vogelperspektiven © Filmperlen
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Viel Aufklärungsarbeit ist da nötig - beispielsweise, wenn es darum geht, den schlechten Ruf zu zerstreuen, der den Hufeisennasen-Fledermäusen anhaftet, seit sie als Überträger des Coronavirus COVID-19 SARS-CoV-2 gelten. Oder dass die bleihaltige Munition der Jäger dem Bartgeier zum Verhängnis wurde, der mit den Wildknochen auch die Schrotkugeln schluckt, die ihn dann vergiften. Seit 140 Jahren ist der einst in Bayern heimische Bartgeier in der Region ausgestorben. In einer längeren Passage begleitet der Film die Auswilderung eines in Spanien gezüchteten Bartgeierpaares in einer geschützten Naturnische, in der es nicht von Wanderern gestört wird. Die Auswilderung ist eine aufwendige, gut vorbereitete Angelegenheit, und auch für die beteiligten Umweltaktivisten und Tierschützer ein großes Ding.

Vogelperspektiven © Filmperlen
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Dies und Das, von allem was ...

Viel Interessantes und Wissenswertes breitet Jörg Adolph in seinem Film aus, verzettelt sich dabei aber auch, wenn er von den Schutzmaßnahmen für den bedrohten Wachtelkönig zu den Brutplätzen der Trottellumme auf Helgoland springt, von Vereinsbesprechungen zum Ortstermin im Donaumoos, von der Anhörung im bayerischen Landtag zum Bäumepflanzen nach Burkina Faso und vom Landtag auf die Greta Thunberg-Bühne. Schon klar, dass er zeigen will, wie in der Welt alles mit allem zusammenhängt, dass etwa die Trockenheit in Afrika den deutschen Zugvögeln zum Verhängnis wird. Doch erzählerisch wirkt es dann doch eher sprunghaft und beliebig. Sogar beim Einlesen der Sprechertexte ist die Kamera dabei, wenn der Synchronregisseur allen Ernstes bittet, Herr Conradi möge sich da doch so richtig "Rosamunde Pilcher-mäßig" reinlegen, wenn er von der Schönheit und Lebendigkeit der Vögel spricht.

Den Vögeln einfach nur beim Fliegen, Tauchen, Balzen und Brüten zuzuschauen, hätte völlig gereicht.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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