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Komödie - "Enkel für Fortgeschrittene"

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"Enkel für Anfänger" war 2020 einer der erfolgreichsten deutschen Filme: Über eine halbe Million Zuschauer lockte die quirlige Komödie damals in die Kinos und es wären wohl noch deutlich mehr geworden, wenn nicht die Corona-Pandemie dazwischengekommen wäre. Kein Wunder also, dass die Geschichte nun eine Fortsetzung findet.

Karin (Maren Kroymann) hat gerade ein Jahr als "Au-pair Granny" in Neuseeland verbracht hat und kommt jetzt nach Deutschland zurück. Eigentlich freut sie sich auf ein bisschen Ruhe und Gemütlichkeit mit Ehemann Harald (Günther Maria Halmer) auf dem Sofa. Doch das Wiedersehen gestaltet sich anders als geplant: Denn der Gatte hat sich während ihrer Abwesenheit eine Witwe aus der Nachbarschaft angelacht.

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Mit Herz und Humor

In "Enkel für Fortgeschrittene" setzt Regisseur Wolfgang Groos exakt da an, wo er vor drei Jahren bei "Enkel für Anfänger" aufgehört hat. Er erzählt mit viel Herz und Humor vom temperamentvollen Aufeinandertreffen der Generationen und wieder kann er sich auf seine drei Hauptdarsteller Maren Kroymann (Karin), Barbara Sukowa (Philippa) und Heiner Lauterbach (Gerhard) verlassen, die diesmal als pädagogisches "Trio Infernale" in einem Schülerladen landen.

Trio Infernale im Schülerladen

Die "Schlüsselkinder" werden eigentlich von Philippas Tochter Annika (Marie Burchard) geleitet: Doch als sie hochschwanger pausieren muss und keinen geeigneten Ersatz findet, ist die Zeit der Alten gekommen: Philippa reizt die Aufgabe, weil sie ihrer Tochter beweisen möchte, dass ihre Reformpädagogik-Methoden aus den 60er Jahren noch immer super funktionieren. Karin kommt ebenfalls mit, um ihrem vermeintlich untreuen Ehemann eins auszuwischen, und Gerhard kann seine Freundinnen nicht im Stich lassen – auch wenn der griesgrämige Pensionär eigentlich lieber zu Hause auf dem Sofa die Matthäus-Passion hören würde.

Die Senioren stehen im Zentrum

Schon bald entwickelt sich die vermeintliche Aushilfstätigkeit zum Fulltime-Job: Wie geht man altersgerecht mit einem Handy um? Was ist zu tun bei der ersten Monatsblutung? Und wie feiert man eine coole Übernachtungsparty? "Enkel für Fortgeschrittene" ist aber keine reine Classroom-Comedy á la "Fack ju Göhte": Im Zentrum des Films stehen immer die Senioren. Wie gehen sie mit den Herausforderungen der Gegenwart um? Was können sie den Jugendlichen heute noch beibringen und umgekehrt: was nehmen sie selbst aus dem Schülerladen mit?

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Konventionelle Bilder

Wolfgang Groos hat in seiner Karriere bislang vor allem Kinderfilme gedreht – von den "Vorstadtkrokodilen" über die "Vampirschwestern" bis hin zum "Rennschwein Rudi Rüssel". Geschichten erzählen kann er also, innovatives Kino eher nicht. Bilder, Dialoge, Schnitte, auch die Musik - alles ist sehr konventionell gemacht. Und wenn es doch mal ein bisschen wilder wird, dann behilft sich der Regisseur mit Tricks: So wie bei einer spontanen Drogen-Party in Gerhards kultivierter Altherren-Wohnung, bei der Philippa am Kronleuchter durchs Wohnzimmer schwingt. Das sehen wir aber nur in Standbildern, während auf der Leinwand bereits der Abspann läuft ...

Klare Botschaft

"Enkel für Fortgeschrittene" ist ein Plädoyer für ein stärkeres Miteinander, gespickt mit ein paar Gags und ein bisschen Herzschmerz, aber auch mit einer ganz klaren Botschaft an alle Senior:innen: Bleibt nicht nur vor dem Fernseher sitzen, löst nicht zu viele Kreuzworträtsel oder hört nicht zu viele Matthäus-Passionen, sondern geht lieber raus und sucht den Kontakt mit anderen Menschen, denn nur das hält wirklich jung.

Carsten Beyer, rbbKultur

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