Catch the Killer © TOBIS Film GmbH
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Thriller - "Catch the Killer"

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Hochspannungskino - das braucht man auch manchmal. "Catch the Killer" verrät schon im Titel, worum es geht: darum, einem brutalen Killer das Handwerk zu legen. In den Hauptrollen dieses amerikanischen Psychothrillers des zuletzt für seinen Episodenfilm "Wild Tales" gefeierten argentinischen Regisseurs Damián Szifron spielen Ben Mendelsohn und Shailene Woodley zwei Kolleg:innen, die mit ganz unterschiedlichen Mitteln in einem korrupten System versuchen, einen Amokläufer zu finden.

Silvester in Baltimore. In den Straßen und auf den Dächern der sich in den Himmel schiebenden Hochhäuser feiern Menschen ausgelassen das neue Jahr. In dem Lärm der Silvesterkörper fast unhörbar: ein Schuss. Viele Schüsse.

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Ein ungleiches Ermittler-Duo

Es ist ein grauenhaftes Massaker mit dem sich die Polizisten konfrontiert sehen. 29 Opfer - jeden Alters, jeder Hautfarbe, Männer, Frauen. Und jeder Schuss hat zielgenau gesessen. Von dem Täter aber keine Spur. Kein Fingerabdruck, keine Patronen, kein Haar. Nichts. Mit konventionellen Denkansätzen, das weiß der Chef-Ermittler, wird er hier nicht weiterkommen. Doch da ist diese junge Polizistin, Eleanor, eine Frau, die selten lächelt, und auch nur wenig spricht. Lammark, ein alter FBI-Haudegen, aber sieht, wie sie denkt, hört, was sie sagt, und setzt sich über alles hinweg, was über Eleanor in den Akten steht: Von wegen psychisch nicht belastbar, drogenaffin, ohne abgeschlossene Ausbildung – all das interessiert ihn nicht. Er will an sein Ziel kommen: den Scharfschützen zur Strecke bringen.

Durch Selbsthass zum Fahndungserfolg

Und dafür braucht er jemanden wie Eleanor. Ihr Selbsthass, den er zu spüren glaubt, soll ihm helfen, soll ihn zu dem Täter führen.

"Catch the Killer" erzählt neben dem korrupten Polizeialltag auch von einer Frau, die sich nicht vereinnahmen lässt, sich das Motto des Sängers Kurt Cobain zu eigen gemacht hat,"lieber man selbst sein und dafür gehasst werden, als umgekehrt".

Pseudopsychologische Erklärungen statt eindeutige Kritik

Shailene Woodley, die in den letzten zehn Jahren eine steile Karriere als ernstzunehmende Charakterdarstellerin hingelegt hat, spielt diese Polizistin mit zurückgenommener Verzweiflung. Doch was ihre Figur antreibt, was sie erlebt hat, warum sie mit ihrem Dasein hadert – davon erfährt man leider nichts. Und so ahnt man wohl ihre Stärke, doch bleibt sie wenig greifbar.

Es ist Ben Mendelsohn als schwuler, kompromissloser FBI-Agent, arrogant und profilneurotisch, dabei analytisch und eloquent, der die eigentlich interessante Figur ist. Immer wieder führen seine Überlegungen auf neues Terrain, machen das Geschehen nachvollziehbar.

Ist "Catch the Killer" des argentinischen Regisseurs Damián Szifron ein Psychothriller, der vor Klischees nicht wirklich gefeit ist, ist er durch die oft spitzfindigen Dialoge doch differenzierter aber als manch anderer seines Genres.

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Die Geschichte allerdings birgt wenig Neues - wissen wir doch um die allgegenwärtige Gefahr von Amokläufen in einem Land, in der die Waffenlobby das Sagen hat. Zu einer eindeutigen Kritik lässt Szifron sich nicht hinreißen, eher zu pseudopsychologischen Erklärungen. Die er doch eigentlich zu entlarven versucht.

Christine Deggau, rbbKultur

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