Dumb Money © LEONINE
LEONINE
Bild: LEONINE Download (mp3, 5 MB)

Komödie - "Dumb Money - Schnelles Geld"

Bewertung:

Immer wieder gab es in den letzten Jahren Filme aus Hollywood, die Mechanismen der Börsenspekulation amüsant durchleuchtet haben - so wie "Der große Crash - Margin Call" von J. C. Chandor oder "The Big Short" von Adam McKay. Jetzt kommt ein neuer Film zum Thema in unsere Kinos: "Dumb Money - Schnelles Geld", inszeniert vom australischen Regisseur Craig Gillespie, der schon in seinem Film "I, Tonya" über die Eiskunstläuferin Tonya Harding ein Herz für Underdogs bewiesen hat.

Im Jahr 2021, mitten in der Corona-Pandemie, kann es der junge Finanzanalyst Keith Gill (Paul Dano) kaum fassen, denn seine für Wallstreet-Verhältnisse minimalen Investitionen in die Aktie von "Game Stop" haben sich rasant vervielfacht. Auch Journalisten und Kommentatoren sind überrascht - ganz zu schweigen von den milliardenschweren Hedgefond-Managern, die feststellen, dass ein einzelner Kleininvestor die Käufe antreibt.

"Ich mag diese Aktie"

Was war passiert? Im Film wird die Uhr ein halbes Jahr zurückgedreht: Unter dem Pseudonym "Roaring Kitty" - "brüllendes Kätzchen" - betreibt Keith Gill einen YouTube-Kanal, auf dem er Börsentipps gibt. Im Frühjahr 2021 setzte er auf die Außenseiter-Position "Game Stop", eine Einzelhandelskette für Computerspiele und Unterhaltungssoftware, deren Tage unter dem Druck der Digitalisierung der Unterhaltungsbranche gezählt schienen.

Während die Börsen-Bigshots auf deren Untergang gesetzt hatten, sah Keith Gill großes Potential in der Firma.

Dumb Money © LEONINE
Bild: LEONINE

Nur ein Nerd im Katzen-T-Shirt?

Es ist ein Kampf David gegen Goliath: David, das sind die kleinen Anleger, die von den Börsenprofis als "Dumb Money" - "blödes Geld" - belächelt werden. Hart arbeitende Leute, wie die alleinerziehende Krankenschwester Jenny, die einem Kollegen, der sich über das schräge Video auf ihrem Bildschirm wundert, begeistert von ihrer Internet-Entdeckung vorschwärmt. Er kann nicht verstehen, dass sie dem Rat eines Nerds im Katzen-T-Shirt folgt, während er im Zweifelsfalle lieber dem Profi-Rat der Banker folgen würde.

Sie kontert: "Okay, die Wallstreet wettet darauf, dass diese Firma pleite geht, das nennt man shorten, und wenn sie pleite geht, dann verlieren alle Mitarbeiter ihren Job, aber diese Hedgefonds-Arschgeigen machen jeden Menge Kohle - das ist doch Kacke, ist 'ne verkackte Art für Reiche, bloß noch viel reicher zu werden!"

Dumb Money © LEONINE
Bild: LEONINE

David gegen Goliath

Hier die kleinen Anleger, die verschuldet sind und trotz harter Arbeit am Existenzminimum leben, dort der superreiche Anlageberater Gabe Plotkin (Seth Rogern) mit seinen Elite-Problemen. Die alarmierenden Neuigkeiten von der Wallstreet kommen, als er einem Immobilienmakler erklärt, dass er in das gekaufte Haus gar nicht einziehen, sondern es abreißen wolle, um auf dem Grundstück einen Tennisplatz für ihn und seine Familie anzulegen - als Zeitvertreib in Pandemiezeiten.

Gespielt wird dieser Gabe Plotkin von Seth Rogen, der damit auch aus der Judd Apatow-Riege der frechen Jungs zu den Männern vom bösen Establishment wechselt. Während er auf den eigenen Tennisplatz wartet, kämpft Paul Dano als Keith Gill mit seiner kleinen Familie am Existenzminimum ums Überleben, zusammen mit den Studentinnen, den Arbeitern und Slackern, die ein paar Kröten auf die "Game Stop"-Aktie setzen.

Revolution von unten

Als Anführer einer vom Internet gesteuerten Revolution legt Keith mit der roten Stirnbinde auch so eine gewisse Piraten-Attitüde an. Der Komiker Pete Davidson, der als "The King of Staten Island" bekannt wurde, spielt seinen Bruder Kevin, der sich mit notorisch überzogenem Konto durchs Leben treiben lässt und kaum fassen kann, dass sein Bruder die Millionengewinne nicht einstreicht.

Mit Ironie und subversivem Witz hat der australische Regisseur Craig Gillespie schon vor sechs Jahren die Geschichte der Eiskunstläuferin Tonya Harding erzählt, die vor allem wegen ihres Attentats auf ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan berühmt wurde.

Dumb Money © LEONINE
Bild: LEONINE

Hommage an den subkulturellen Indie-Spirit

Auch in der David gegen Goliath-Geschichte von "Dumb Money – Schnelles Geld" schlägt er sich auf die Seite der Underdogs. Und so wie Adam McKay in "The Big Short" setzt auch er den nüchternen Zahlen und Statistiken ein kleines Bilderfeuerwerk entgegen, einen explosiven Mix aus rasant kompilierten YouTube-Videos, Netzkommentaren, Börsenkurven, Memes und Kurznachrichten. So fängt er die Hektik der sich überschlagenden Ereignisse ein, aber auch den aufmüpfigen Spirit der Indie-Nerds, die sich gegen das große Kapital zur Wehr setzen.

So ist "Dumb Money" filmisch und gesellschaftspolitisch eine gewitzt rasante Hommage an den subkulturellen Indie-Spirit.

Anke Sterneborg, rbbKultur

weitere rezensionen

"L’ Empire" von Bruno Dumont © Tessalit Productions
Tessalit Productions

Science Fiction-Komödie | Berlinale Wettbewerb - "L'Empire"

Ausgerechnet in einem kleinen Fischerdorf in der Normandie tragen außerirdische Mächte ihren Kampf um die Menschheit aus. Das klingt zunächst mal originell. Doch der krude Mix aus Provinzposse, Science Fiction-Drama und Splattermovie will einfach nicht zünden.

Bewertung:
A Great Place to Call Home © Neue Visionen Filmverleih
Neue Visionen Filmverleih

Ein Film von Marc Turtletaub - "A Great Place To Call Home"

 

Berühmt wurde der britische Schauspieler Ben Kingsley durch seine Rolle als Ghandi, dafür hat er den Oscar verliehen bekommen. Auf der Bühne war als König und Schurke in den Produktionen der Royal Shakespeare Company zu sehen. Jetzt tritt Ben Kingsley einmal weniger glamourös auf. In dem amerikanischen Spielfilm "A Great Place to Call Home“ spielt er einen alternden Kauz. Der Regisseur Marc Turtletaub war Produzent von Filmen wie "Little Miss Sunshine“ oder "Alles ist erleuchtet.“ Dieses Mal führt er selbst Regie. Sein Film "A Great Place to Call Home“ startet diese Woche im Kino.

 

 

Bewertung:
Dominic Sessa, Paul Giamatti und Da’vine Joy Randolph in "The Holdovers" © FOCUS FEATURES LLC.
FOCUS FEATURES LLC.

Komödie - "The Holdovers"

In Filmen wie "About Schmidt", "Sideways" oder "Nebraska" hat der amerikanisch-griechische Regisseur Alexander Payne immer wieder die Geschichten von einsamen, missmutig grantelnden Männern in den mittleren und späteren Jahren erzählt, voller Melancholie, Zärtlichkeit und mit viel Humor – Das gilt nun auch für seinen neuesten Film "The Holdovers".

Bewertung: