BlackBerry © Paramount Pictures
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Drama - "BlackBerry - Klick einer Generation"

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Es war das erste Gerät, das mobiles Arbeiten möglich machte: Während die Nutzer der frühen Handys noch ihre SMS auf der Ziffern-Tastatur eingeben mussten, konnten die stolzen Besitzer eines BlackBerry schon E-Mails senden und empfangen. Geschrieben auf der Buchstaben-Tastatur mit dem charakteristischen Klick. In den frühen 2000er Jahren wurde der BlackBerry zum Kultgerät. Allerdings verschwand er fast so schnell, wie er gekommen war. "BlackBerry – Klick einer Generation" heißt der Film des kanadischen Regisseurs Matt Johnson, in dem es um Aufstieg und Fall der Menschen geht, die den BlackBerry erfanden.

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Europäische Zuschauerinnen und Zuschauer merken auf beim Namen des Schauplatzes: Waterloo. Aber so heißt der Ort in der kanadischen Provinz Ontario wirklich, an dem die Tech-Schmiede "Research in Motion", kurz RIM, ihren Erfolgslauf startete.

Der Film dreht sich um drei Männer: Mike Lazaridis ist der brillante Kopf hinter Research in Motion. Jay Baruchel spielt den Erfinder des BlackBerry mit weißen Haaren ein bisschen autistisch. Douglas Fregin, sein Freund, ist der Dolmetscher zwischen den bastelnden Nerds und der Geschäftswelt, ein cooler Kumpel mit Stirnband, gespielt von Matt Johnson, dem Regisseur selbst. Und schließlich Jim Balsillie, im Film ist der smarte Glenn Howerton dieser knochenharte Geschäftsmann. Die Spannung der Geschichte entsteht aus dieser Reibung - eine lustige Bastlerwerkstatt will auf einmal den Weltmarkt erobern.

Vom Prototyp zum Statussymbol

Man versteht in dem Film, in welcher Geschwindigkeit sich die IT Branche verändert. Als Mike Lazaridis und Doug Fregin ihre Idee pitchen, hat niemand eine Vorstellung, wie E-Mails transportiert werden sollen. Der BlackBerry hat zunächst kein Netz dafür. Bis dahin war es nicht vorstellbar, dass man am Flughafen arbeiten oder in der Konferenz schnell mal Nachrichten verschicken kann. Als das möglich war, wurde das Gerät schnell zum Manager-Instrument, zum Statussymbol. Barack Obama ließ sich damit fotografieren. In seiner bester Zeit hieß der BlackBerry auch "Crackberry" - weil er süchtig machen konnte. Und diese Liebe für eine Erfindung, die inzwischen eher Oldtimer-Flair hat, schwingt in dem Film mit.

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Rasend in den Untergang

Der Film erzählt mitreißend den Erfolg, aber wir kennen natürlich das traurige Ende. Research in Motion beherrschte in den besten Zeiten die Hälfte des Smartphone-Marktes der Vereinigten Staaten. Und dann kam Steve Jobs mit dem iPhone. Offenbar war der brillante Mike Lazaridis zu kurzsichtig, um den Konkurrenten zu erkennen. Im Film wird aber auch eine firmeninterne Entwicklung beschrieben. Denn mit dem Erfolg am Weltmarkt verlor Research in Motion seinen Spirit. Die lustigen Gamer, die regelmäßig beim Filmabend auftankten, sollten auf einmal brave Angestellte werden und auf Kommando kreativ sein.

Jim Balsillie, der Co-CEO wird als Tyrann gezeichnet, dessen Ehrgeiz vor allem darin bestand, eine eigene Eishockey-Mannschaft zu kaufen. Darüber hinaus gab es Ärger mit der Börsenaufsicht. Der Regisseur Matt Johnson, der auch Co-Autor ist, lässt die Geschichte um diesen Konflikt kreisen: dem Kräfteziehen zwischen dem Herz des Unternehmens, der Kreativ-Werkstatt und dem Management mit seinem Zwang zur Gewinnmaximierung.

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Atemlose Kamera

Matt Johnson nimmt die rasende Geschwindigkeit, in der sich die Tech-Branche verändert, in seine Kameraführung auf. Kameramann Jared Raab verreißt die Bilder, springt von einer Szene zur nächsten, um die Atemlosigkeit des Wettbewerbs zu suggerieren. Aber die Handlung selbst ist nicht wirklich atemlos. Bei der Erfindung von Klein-Computern ist wenig zu sehen. Die mit Action geladene Kameraführung wirkt wie eine leere Hülle. Trotzdem macht der klassische Aufbau des Dramas Spaß: der Aufstieg, der Hochmut, der Fall.

"BlackBerry" ist ein liebenswerter Film, weil er etwas von dem Gründerfieber der Szene transportiert. Und in einer Zeit, in der wir am Anfang der Künstlichen Intelligenz stehen, erinnert der Film daran, wie umfassend technische Entwicklungen unser Leben verändern können.

Simone Reber, rbbKultur

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