How To Have Sex; © Nikos Nikolopoulos/Capelight Pictures
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Jugenddrama - "How to have Sex"

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Die einen fliegen nach Mallorca zum "Ballermann", die anderen nach Kreta. Jede Insel hat ihre Ecken, wo man so richtig "die Sau rauslassen kann". Genau danach suchen drei vergnügungssüchtige Freundinnen aus Großbritannien in dem Spielfilmdebut Film "How to have Sex", das mit beeindruckenden Nachwuchstalenten besetzt ist.

How to have Sex © capelight pictures
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Drei kreischende Teenies, die alles bejubeln, was ihnen begegnet. Das Meer, das Hotel, der Pool – alles scheint einzigartig und eine große Verlockung. Drei Freundinnen aus Großbritannien machen Partyurlaub auf der griechischen Insel Kreta. Und haben eigentlich nur eines im Sinn: Jungs, Männer, Sex.

Schon der Titel des Films bringt es schnörkellos auf den Punkt: "How to have Sex". Tara ist diejenige der drei Freundinnen, die noch nie mit einem Mann geschlafen hat. Ein Umstand, der nicht haltbar, der verändert werden muss. Nach diesem Urlaub, so der Plan, soll Tara endlich keine "Jungfrau" mehr sein. Und so ist jede Begegnung möglicherweise die alles Entscheidende ...

Die erste sexuelle Erfahrung einer 16-Jährigen - alles andere als oberflächlich erzählt

Die Offenheit der Mädchen für noch so blöde Anmache, das enthemmte und fast zwanghafte Eintauchen in eine oberflächliche und feuchtfröhliche Partywelt hält nicht mehr ganz jugendliche Kinobesucher womöglich die erste Hälfte des Films auf Abstand. Doch es lohnt sich dranzubleiben.

Denn die Erzählung von der ersten sexuellen Erfahrung einer 16-Jährigen ist alles andere als oberflächlich. Neben dem subjektiven Begehren geht es auch um die gesellschaftliche Dimension: Es geht um das "Gehabt haben", ums Dazuzugehören. Nach dem "wie" fragt keiner. Erst wer Sex hatte, ist als vollwertig zu betrachten. Dass dabei weniger die Hormone die treibende Kraft sind als der soziale Druck, daran lässt Regisseurin Molly Manning Walker in ihrem sensibel beobachtenden Drama keinen Zweifel. Es ist schmerzhaft zuzusehen, wie Tara sehnsüchtig ihrem ersten Mal entgegenfiebert, um dann mit der bitteren Realität oder vielleicht besser: mit der Normalität sexueller Begegnungen konfrontiert zu werden.

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Ein Jugenddrama auch für Erwachsene

Mit der Handkamera gedreht, unterstreicht die heftige Musik die Atemlosigkeit dieser Tage. Die Geschichte selbst wendet sich - nachdem Tara ihr Ziel erreicht hat - vom laut-Äußerlichen zum still-Introspektiven. Wie Tara im Morgengrauen allein und mit leerem Blick durch die vermüllte Partymeile läuft, da ist von Romantik keine Spur mehr.

Bei der Vorbereitung für ihren ersten Langfilm befragte Molly Manning Walker in ganz Großbritannien Jugendliche, um herauszufinden, wie sie über Sex denken. Deutlich wird, dass die wenigsten eine Sprache oder auch einen Raum haben, um ihre Gefühle, Erwartungen und Erlebnisse zu verarbeiten. Auch darum geht es hier.

"How to have Sex" ist ein Jugenddrama auch für Erwachsene. Toll gespielt, nahe dran und mit großem Wiedererkennungswert.

Christine Deggau, rbbKultur

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