A Great Place to Call Home © Neue Visionen Filmverleih
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Ein Film von Marc Turtletaub - "A Great Place To Call Home"

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Berühmt wurde der britische Schauspieler Ben Kingsley durch seine Rolle als Ghandi, dafür hat er den Oscar verliehen bekommen. Auf der Bühne war als König und Schurke in den Produktionen der Royal Shakespeare Company zu sehen. Jetzt tritt Ben Kingsley einmal weniger glamourös auf. In dem amerikanischen Spielfilm "A Great Place to Call Home“ spielt er einen alternden Kauz. Der Regisseur Marc Turtletaub war Produzent von Filmen wie "Little Miss Sunshine“ oder "Alles ist erleuchtet.“ Dieses Mal führt er selbst Regie. Sein Film "A Great Place to Call Home“ startet diese Woche im Kino.

 

 

Schauplatz: die amerikanische Provinz

Es ist ruhig in dieser amerikanischen Kleinstadt, sehr ruhig. Die Schaufenster der Geschäfte sind verhängt, die Straßen sind menschenleer, nicht einmal Autos fahren durch das Zentrum. Das einzige Ereignis, das stattfindet, ist die wöchentliche Tagung des Gemeinderats. Und Woche für Woche reichen die älteren Bewohnerinnen und Bewohner des verschlafenen Provinzstädtchens ihre Anträge ein. Jede Woche dieselben Anträge.

Milton zum Beispiel fordert, den Slogan des Städtchens zu ändern: "A Great Place to Call Home“. Man könnte, fürchtet er, den Spruch so verstehen, als wäre die Stadt ein guter Ort, um einmal zu Hause anzurufen. Später erfahren wir, dass sein Sohn vor zehn Jahren weggezogen ist und sich seither nie mehr gemeldet hat. Das arbeitet in Milton. Man sieht dem pensionierten Witwer die Einsamkeit an. Er gießt seine Blumen, geht einkaufen und sieht fern. Alles wenig aufregend. Bis ein Ufo in seinen Garten stürzt.

A Great Place to Call Home © Neue Visionen Filmverleih
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Alltag mit einem Alien

Der Film spielt im Bundesstaat Pennsylvania, wo traditionell überdurchschnittlich viele Ufos gesichtet werden. Milton bleibt daher gelassen, ruft den Notruf an, berichtet was passiert und die Dame am anderen Ende der Leitung legt ebenso gelassen wieder auf. Alles Routine. Als dann ein porzellanweißer Alien aus dem Raumschiff kriecht und bewusstlos im Garten zusammenbricht, legt ihm Milton eine Decke über die Schultern und stellt ihm ein Glas Wasser hin. Am nächsten Morgen kauert der Alien in die Decke gehüllt neben dem Hauseingang. Da beschließt Milton, den Gast bei sich aufzunehmen.

Ben Kingsley – einmal anders

Ben Kingsley als Milton ist in diesem Film kaum wieder zu erkennen. Unrasiert, mit zu langen Haaren und Brillengestell aus den 80er Jahren spielt er die zunehmende Unsichtbarkeit des Alters. Er nimmt die leise Komik in dem Drehbuch von Gavin Steckler auf und arbeitet mit den Auslassungen in dem Text.

Sein Spiel ist leicht verzögert, er legt Pausen ein. Lakonisch kommentiert er das Geschehen nur mit seinem Blick. Diese sparsame Schauspielkunst setzt nicht auf Pointen, sondern eher auf das stille Schmunzeln in den Dialogpausen. Es dauert nicht lange bis Miltons Mitstreiterinnen aus dem Gemeinderat Wind von dem außerirdischen Besuch bekommen. Bald bilden die drei eine verschworene Gemeinschaft. Leider können Jane Curtin und Harriet Sansom Harris nicht mit dem subtilen Spiel von Ben Kingsley mithalten. Umso schöner ist es, den Schauspieler nicht wie gewohnt in einer seiner weihevollen Rolle zu sehen.

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Außerirdischer mit Charme

Marc Turtletaub lasst sehr souverän offen, ob die Ufo-Landung nun echt ist oder allein Miltons Fantasie entspringt. Auch für das Kinopublikum ziemlich überzeugend allerdings ist das außerirdische Wesen. Die Stunt-Frau Jade Quon spielt den Alien in weißer Maske mit dunkel glühenden Augen. Sie bewegt sich geschmeidig, fast schwerelos und hat etwas kindlich Unschuldiges. Dennoch kann sie mit der Kraft ihres Willens Verbrecher unschädlich machen.

Es geht in dem Film nicht so sehr um fremde Galaxien, sondern eher um die weltlichen Sorgen. Die Angst vorm Altern, vorm Alleinsein, vorm Abschied vom Leben. Da versöhnt der Besuch aus dem All mit diesen Sorgen. "A Great Place to Call Home“ ist eine wunderbar wehmütige Komödie, die das Unwirkliche wirklich erscheinen lässt und die Wirklichkeit nicht mehr ganz so schwer.

Simone Reber, rbbKultur

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