Geliebte Köchin – Eugénie (Juliette Binoche) © 2023 CURIOSA FILMS – GAUMONT – FRANCE 2 CINÉMA, Foto Carole Bethuel
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Drama - "Geliebte Köchin"

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Frankreich wird gerne mit gutem Essen und guten Weinen assoziiert. Das ist kein Zufall, schließlich hat die Spitzengastronomie bei unseren Nachbarn eine lange Tradition. Trần Anh Hùngs Roman-Verfilmung "Geliebte Köchin" taucht ein in diese Welt – mit einer Hauptfigur, die unterdrückte Leidenschaft durch Kochen sublimiert.

Geliebte Köchin – Eugénie (Juliette Binoche) und Dodin (Benoît Magimel) (© 2023 CURIOSA FILMS – GAUMONT – FRANCE 2 CINÉMA, Foto Stephanie Branchu
Bild: Curiosa Films/Gaumont/France 2 Cinéma | Foto: Stephanie Branchu

Tête-à-Tête nach Küchenschluss

Dodin Bouffant (Benoît Magimel) ist ein freundlicher, etwas zerstreuter Schöngeist, der auf seinem Landgut in der französischen Provinz ein exklusives Restaurant betreibt. "Napoleon der Kochkunst" wird er von seinen Freunden auch genannt. Doch nicht er selbst ist es, der den Laden zusammenhält, sondern Eugénie (Juliette Binoche), seit vielen Jahren seine Köchin und Haushälterin.

Eugénie kauft ein, wacht über den Kräutergarten und sorgt auch dafür, dass Dodin vor lauter Reden über die perfekte Speisenfolge nicht das Kalbskarree im Ofen vergisst. Dass die Beiden – gespielt von Juliette Binoche und Benoît Magimel – mehr verbindet als die gemeinsame Lust am Zwiebelschneiden, wird schnell klar. Da Eugénie allerdings Wert auf ihre Unabhängigkeit legt, bleibt es zunächst beim heimlichen Tête-à-Tête nach Küchenschluss.

Ein imaginärer Duft zieht durch den Kinosaal

"Geliebte Köchin" beruht auf dem Roman "La vie et la passion de Dodin Bouffant, gourmet" von Marcel Rouff – ein Buch über die Sinnlichkeit des Essens – und über Menschen, die sich diese Sinnlichkeit zum Lebensinhalt gemacht haben. Es brutzelt und zischt, es köchelt und schmort, es wird gebacken, gedünstet, gesotten und pochiert. Minutenlang verharrt die Kamera auf Töpfen, Saucieren und Pfannen – bis man das Gefühl hat, es ziehe der feine Duft eines Bratens oder eines Soufflés durch den Kinosaal.

Mehr Freud als Bocuse

Dodin wird im Laufe dieses Films noch mehrfach um die Hand seiner Köchin anhalten. Sie wird ihn mehrfach abweisen und schließlich doch erhören. Das aber wird nur ganz nebenbei erzählt, denn Trần Anh Hùng legt den Fokus stärker auf das Innenleben seiner Hauptfigur und die Frage, wie sich die willensstarke und freigeistige Frau in der männerdominierten Welt des 19. Jahrhunderts bewegt.

Während Dodin mit seinen Gourmet-Freunden stundenlange Gelage feiert und sich mit heiligem Ernst über die richtige Zubereitung von Fettammern und Kalbsbries auslässt, ist Eugénie schon zufrieden, die feinen Delikatessen in ihren Händen zu halten – eine Sublimierung, die mehr mit Sigmund Freud zu tun hat als mit Paul Bocuse.

Bildgewaltiger Film

"Geliebte Köchin“ ist ein bildgewaltiger Film, wunderbar fotografiert von Jonathan Ricquebourg und intelligent zusammengesetzt von Chefcutter Mario Battistel. Auch wenn eigentlich gar nicht so viel passiert und die Kamera meist nur zwischen Küche und Speisesaal wandert: Dieser Eugénie könnte man stundenlang zuschauen, wie sie aus den unterschiedlichsten Zutaten kleine Kunstwerke zaubert und die Küche von einem mühsamen Arbeitsplatz in einen scheinbar magischen Ort verwandelt.

Geliebte Köchin – Dodin (Benoît Magimel) und Eugénie (Juliette Binoche) © 2023 CURIOSA FILMS – GAUMONT – FRANCE 2 CINÉMA, Foto Stephanie Branchu
Bild: Curiosa Films/Gaumont/France 2 Cinéma | Foto: Stephanie Branchu

Opulente Kochshow mit schalem Nachgeschmack

Dass am Ende, nach mehr als zwei Stunden opulenter Koch-Show, trotzdem ein etwas schaler Nachgeschmack bleibt, hat nichts mit der Speisenfolge zu tun und auch nicht mit Juliette Binoche. Die eitle Selbstverständlichkeit aber, mit der sich die Herren der Schöpfung an den Tisch setzen und der Frau die Arbeit überlassen, ist oft nur schwer zu ertragen – selbst wenn man weiß, dass es sich um einen historischen Film handelt. Vielleicht, so denkt man sich zwischen Käse und Dessert, war ja früher doch nicht alles besser.

Carsten Beyer, rbbKultur

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