Katalin Pöge und Jana Dörfelt stellen ihre Installation auf (Bild: rbb)
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Spreewald - Heimat to Go

Die Künstlerinnen Katalin Pöge und Jana Dörfelt zeigen auf der Aquamediale zwei Installationen zum Thema Identität. Die Installation "Heimat to go" trägt lokales Wasser in die Welt hinaus, während der Gegenpart Wasser aus aller Welt nach Straupitz bringt. 

Zu Besuch bei Katalin Pöge und ihrer Tochter in Berlin-Lichtenberg. Im Atelier der Künstlerin stehen Kanister mit Wasser aus aller Welt, immer wieder kommt ein neuer an.

Katalin Pöge, Künstlerin

"Wasser ist etwas, das ganz doll Heimat für uns ausmacht, aber gleichzeitig kennt es keine Grenzen und es lässt sich nicht einsperren. Deshalb fand ich Wasser spannend."

Im Internet hat die Künstlerin Menschen aus ganz Europa gebeten, Wasser in Kanister abzufüllen und sich dabei zu filmen. Jeder, der mitmacht, wird Teil des Kunstwerkes.

Katalin Pöge, Künstlerin

"Hier habe ich jetzt gerade ganz frisch aus Amsterdam Videodaten bekommen. Das ist sehr schön, hier zu sitzen und nach und nach Päckchen geschickt zu bekommen mit Wasser aus der ganzen Welt."

Die Idee hat Katalin Pöge gemeinsam mit Jana Dörfelt entwickelt. Die Freundinnen arbeiten schon seit Jahren als Künstler-Duo zusammen. Während des Kunstfestivals Aquamediale wollen sie das Wasser aus aller Welt in die Spreewald-Fließe tropfen lassen - wie bei einer Infusion.

Jana Dörfelt, Künstlerin

"Wir haben berechnet: Wenn alle 10 Sekunden ein Tropfen fällt, reicht es genau 3 Monate."

Katalin Pöge, Künstlerin

"Das ist der Plan. Das heißt, man muss es auf die kleinstmögliche Tropfgröße stellen."

Auf geht es zu einem zweiten Kunstwerk. Die Beiden sind ein eingespieltes Team. Jana Dörfelt fährt nach Berlin Pankow, in eine Metallbauwerkstatt, denn sie braucht Hilfe von Spezialisten. Gestern gab es Probleme.

Jana Dörfelt, Künstlerin

"Ich habe einen Anruf abends gekriegt: Jana, oh nein! Es geht überhaupt nicht. Es ist ganz schief, es funktioniert so nicht. Deshalb bin ich jetzt ein bisschen gespannt, wenn wir da hinfahren, wie's geworden ist, ob sie es retten haben können oder nicht."

Die Künstlerin hat einen riesigen Trichter bauen lassen, der im Spreewald das Regenwasser auffangen soll. Und in der Werkstatt gibt es gute Nachrichten: Inzwischen hängt der Trichter gerade in seinem Gestell.

Jana Dörfelt, Künstlerin

"Ist schon ganz schön bewegend, das jetzt so echt zu sehen."

Fertig ist das Kunstwerk aber noch nicht: Die letzten Nähte sind zu schweißen und das Metallgestell braucht einen wetterfesten Lack.

Jana Dörfelt, Künstlerin

"Ich fühle mich wie Iron Man, nein Iron Woman!"

Ein halbes Jahr Arbeit steckt hier drin. Und wieder geht es um das Wasser.

Jana Dörfelt, Künstlerin

"In dem Trichter, der hier reinkommt, da sammelt sich das Regenwasser. Und das Wasser sehe ich als Sinnbild für Heimat. Diese eine Heimat ist nie starr, sondern sie ist beweglich. Sie setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen, aus verschiedenen kleinen Partikeln."

Zwei Tage später am Rand des Spreewald-Dorfs Straupitz: Die Künstlerinnen bringen ihre Arbeiten zum Ausstellungsort. Über Trampelpfade schleppen sie die Einzelteile durch den morastigen Wald - dahin, wo die Installationen während des Festivals stehen sollen.

Katalin Pöge, Künstlerin

"Es ist natürlich was völlig anderes, sich irgendwelche Ideen in der Großstadt auszuspinnen. Und dann kommst Du hierher und hast zum Beispiel dieses üppige Grün, was in alles, was man plant, mit reinspielt."

Heute testen die Künstlerinnen zum ersten Mal, wie alles mitten in der Natur wirkt.

Jana Dörfelt, Künstlerin

"Es ist toll mit dem Licht und den Blättern. So habe ich es mir vorgestellt."

Und wo könnte der erste Wasserkanister hängen?

Katalin Pöge, Künstlerin

"Ich habe an den hier gedacht."

Der erste Tropfen Wasser aus dem Kanister kommt übrigens vom Hölzernen See, auch in Brandenburg.

Katalin Pöge, Künstlerin

"Ich bin gerade ganz fasziniert. Alle paar Sekunden fällt ein Tropfen und macht diese schönen konzentrischen Kreise. Und genauso habe ich mir das eigentlich vorgestellt."

Eine Infusion für den Spreewald? Die Gäste auf dem Kahn wundern sich, was hier vor sich geht.

Katalin Pöge, Künstlerin

"Sie sind die ersten, die ersten Besucher, die sehen können, was wir hier aufhängen und aufstellen."

Etwas skeptisch, aber durchaus interessiert! Die Kunst in der Natur gefällt.

Katalin Pöge, Künstlerin

"Wir haben uns natürlich im Vorfeld sehr viel damit auseinandergesetzt, dass wir hier kein UFO-artiges, fremdes Objekt hinsetzen wollen. Ich glaube, Wasser ist da ein absolut verbindendes Element."

Jana Dörfelt, Künstlerin

"Es ist ja auch Identität. Das Wasser hier ist die Identität der Spreewälder Leute."

Was ist Heimat? Was bedeuten Grenzen - über diese Themen nachzudenken, dazu wollen Katalin Pöge und Jana Dörfelt anregen. So einfach und doch so wirkungsvoll.

Autorin: Anne Kohlick