Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, 2016; © Herlinde Koelbl
Bild: Herlinde Koelbl

Vandalismus auf Berliner Museumsinsel - Debatte über Sicherheit in Museen

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Helmut Parzinger, hat nach dem Anschlag auf mehr als 60 Objekte in Berliner Museen mehr gesellschaftliche Verantwortung beim Schutz der Kunstschätze gefordert. Es sei nicht damit getan, dass man noch mehr Videokameras installiere oder neben jeden Sarkophag eine Aufsicht stelle, sagte Parzinger rbbkultur. Die kriminelle Energie hinter der Tat sei erschreckend.

Es bleibe die gemeinsame Verantwortung der Museen und der Gesellschaft, die Museen für die Öffentlichkeit frei und offen zu halten. Vielleicht müssten auch die Museumsbesucher*innen Mitverantwortung übernehmen und jemanden informieren, wenn sie etwas Komisches bemerkten.

Die Polizei sucht weiter nach Zeugen, es seien erste Hinweise eingegangen. Am 3. Oktober wurden mehr als 60 Objekte mit einer Flüssigkeit beschädigt. Betroffen waren das Neue Museum, das Pergamonmuseum und die Alte Nationalgalerie.

Wie das Landeskriminalamt mitteilte, sind die Ausstellungsstücke wahllos beschädigt worden, es sei kein inhaltlicher Zusammenhang erkennbar. Die Ermittler hätten sämtliches Videomaterial von Überwachungskameras ausgewertet, es habe keine Tat und kein Täter beobachtet werden können. Auch das Aufsichtspersonal habe zu keinem Zeitpunkt Alarm geschlagen.

Das Sicherheitsreferat der Stiftung Preussischer Kulturbesitz hat jedoch schon Wochen vor den Taten am 3. Oktober Graffitis und andere Sachbeschädigungen im Außenbereich der Museen registriert. Ob es einen Zusammenhang gibt, sei aber nicht erwiesen.

Kulturstaatsministerin Grütters hat die Beschädigung der Objekte auf der Berliner Museumsinsel scharf verurteilt. Gleichzeitig forderte sie die Staatlichen Museen auf, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen. Man müsse klären, wie die Beschädigungen unbemerkt vonstattengehen konnten und wie so etwas in Zukunft verhindert werden kann.

Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums, zeigt Medienvertretern Spuren der Sachbeschädigungen an einem Sarkophag des Propheten Ahmose im Neuen Museum; © dpa/Bernd von Jutrczenka
Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums, zeigt Spuren der Sachbeschädigungen | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Unbekannte hatten während der Öffnungszeiten am Tag der deutschen Einheit eine ölhaltige Flüssigkeit in mehreren Museen verteilt. Sie hinterließen sichtbare Flecken etwa auf ägyptischen Sarkophagen, Steinskulpturen und Gemälden des 19. Jahrhunderts. Mit der Reinigung sei unmittelbar nach der Entdeckung der Schäden begonnen worden, sagte SPK-Präsident Parzinger.

Das Bauensemble auf der Museumsinsel im Herzen der Hauptstadt beherbergt weltberühmte Sammlungen zur Kunst- und Kulturgeschichte Europas und der Mittelmeerregion.

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