"Wege des Barock" Museum Barberini Caravaggio (1571–1610), Narziss © Gallerie Nazionali di Arte Antica, Rom, Photo: Mauro Coen
Bild: © Gallerie Nazionali di Arte Antica, Rom, Photo: Mauro Coen

Museum Barberini - bis 6.10.2019 - Wege des Barock. Die Nationalgalerien Barberini Corsini in Rom

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Im Potsdamer Museum Barberini in einer Ausstellung mit mehr als 50 Leihgaben aus den 'Nationalgalerien Barberini Corsini' den Einfluß des römischen Barocks nachzuzeichnen, macht Sinn – doch die Ausstellung will zuviel und leistet zu wenig.

Genau genommen ist das Museum Barberini in Potsdam die Rekonstruktion einer Imitation.  Denn als der preussische König Friedrich der Große sein Palais Barberini errichten ließ,  hatte er Rom vor Augen:   Vorbild war der Palazzo, den die Familie Barberini dort Anfang des 17.Jahrhunderts erbaute,  als einer der ihren, Maffeo Barberini,  Papst geworden war.

Als Urban VIII. gilt er als einer der herausragenden Kunstförderer seiner Zeit.  Seine Pracht- und Machtentfaltung beeinflusste noch 150 Jahre später den preussischen König und die Gestaltung Potsdams, wofür exemplarisch das vor wenigen Jahren rekonstruierte Palais Barberini steht.

Gerade dort jetzt in einer Ausstellung mit mehr als 50 Leihgaben aus den 'Nationalgalerien Barberini Corsini' den Einfluß des römischen Barocks nachzuzeichnen, macht Sinn – doch die Ausstellung will zuviel und leistet zu wenig.

Drei Themenblöcke

Gleich drei Themenblöcken versucht sie gerecht zu werden: Zum einen dem Mäzenatentum der Familie Barberini und  insbesondere Papst Urban VIII.  und der Frage, was und wen sie gefördert haben.

Zum anderen versucht sie aufzuzeigen, welche Impulse von der  römischen Barockmalerei und deren "Zentralgestir" Caravaggio ausgehend in ganz Europa Verbreitung fanden, und schließlich, welchen Niederschlag das Vorbild der Barberini und der von ihnen geförderte Stil am preussischen Hof in Potsdam fanden. 

Allegorien als Image-Werbung

Zu Beginn wartet die Ausstellung mit einer eindrucksvollen Überblendung auf:  An die Decke des kleineren, aber in den Proportionen passgenauen ersten Saals des Museum Barberini wird ein Deckengemälde von Pietro da Cortona projiziert, das im Audienzsaal des römischen Palazzo allen Besuchern die Bedeutung der Familie Barberini vor Augen führen sollte. 

Inmitten zahlreicher Allegorien sieht man hier die göttliche Vorsehung, die von Putti gehaltenen Schlüssel Petri, die Papst-Tiara und dazu den Lorbeerkranz nebst drei Bienen aus dem Wappen der Barberini. Die Papst-Würde für Maffeo Barberini alias Urban VIII. war gottgegeben, sollte das heißen -  und man versteht, warum diese Form der "Image-Werbung" noch 150 Jahre später den preussischen König beeindrucken konnte.

Zumal die Barberini zu diesem Zweck die besten Künstler ihrer Zeit heranzogen, darunter DIE Architekten des barocken Rom, Francesco Borromini und vor allem Gian Lorenzo Bernini, der den Baldachin über dem Petrusgrab im Petersdom, sowie die Kolonnaden davor entworfen hat.  Neben einer  beeindruckenden Büste von Papst Urban VIII. sind auch einige Gemälde Berninis zu sehen, der allerdings deutlich besser als Bildhauer und Architekt war. 

Auch Caravaggio, Erfinder einer dramatischen, schlaglichtartigen Hell-Dunkel-Malerei, porträtierte Maffeo Barberini noch bevor er Papst wurde.  Allerdings ist diese Bild – heute in Privatbesitz – nicht zu sehen. Allein Caravaggios "Narziss" (1597 – 1599), der sein eigenes Spiegelbild im Wasser berührt, muss genügen, die herausragende Rolle dieses Malers für den römischen Barock zu illustrieren.

Der Realismus und die theatralische Lichtregie, die Caravaggios Werk auszeichnen, werden so fast ausschließlich anhand von Bildern anderer Maler deutlich, die Caravaggio direkt zitieren, bzw.  seinen Einfluss verraten: In schlaglichtartig beleuchteten mythologischen oder biblischen Szenen, für die – wie bei Caravaggio – Männer und Frauen "von der Straße" Modell standen.  Längst nicht alle diese Beispiele sind allerdings Meisterwerke, obwohl auch Bilder berühmter Maler wie Guercino oder Guido Reni darunter sind.

Lückenhafte Bebilderung

Ein wahres Highlight erwartet die Besucher dagegen in dem Teil der Ausstellung,  der dem italienischen Barock in Preussen gewidmet ist.  Die Stiftung Preussische Schlösser und Gärten hat dafür  zwei großformatige Gemälde von Artemisia Gentileschi zur Verfügung gestellt.

Diese berühmteste Malerin des Barock bevorzugte Motive, bei denen Frauen im Zentrum stehen: Ihre ‚Bathseba im Bade‘ (um 1635)  und ‚Lukretia und Sextus Tarquinius‘ (um 1630),  das die tugendhafte Römerin im Moment vor ihrer Vergewaltigung durch Sextus Tarquinius zeigt, stammen beide aus der italienischen Galerie im Neuen Palais. 

Friedrich II. ließ sie vor den Wohnräumen seines Neffen einrichten – mutmaßlich in pädagogischer Absicht, denn diese Bilder sind als Mahnung vor den schrecklichen Folgen männlicher Zügellosigkeit zu lesen.  Erstmals wurden diese beiden Gemälde  nun restauriert und ausgeliehen.  Sie sind von bestechender Frische, können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Ausstellung im ganzen allzu viele Bezugslinien verfolgt und die verzweigten ‚Wege des Barock‘ anhand von  54 Leihgaben aus Rom doch nur lückenhaft bebildern kann.

Silke Hennig, rbbKultur

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