Fotografie in der Weimarer Republik; Montage: rbbKultur
Bild: Hirmer Verlag

Bildband - "Fotografie in der Weimarer Republik"

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Der gewichtige Band aus dem Hirmer Verlag legt den Fokus zunächst auf die Rolle, die die Fotografie in der Weimarer Republik gespielt hat. Denn da kommen gleich mehrere Dinge zusammen.

Zum einen gab es Neuerungen auf technologischem Gebiet und zum anderen in der gesellschaftlichen und künstlerischen Entwicklung. Es gibt nach dem Ersten Weltkrieg epochale Innovationen im Bereich der Fotografie. Die ersten handlicheren Kameras kommen auf, es gibt lichtstärkere Objektive und damit neue Möglichkeiten der Innenaufnahme und der Bildmanipulation. Das korrespondiert mit anderen künstlerischen Entwicklungen wie Tanz, Dada, Architektur, auch Mode usw. – insgesamt ein "Neues Sehen".

Dies alles befördert die Entwicklung künstlerischer Fotografie, die, und das ist nicht unwichtig, zusammenfällt mit Veränderungen in der Zeitungslandschaft. Fotojournalismus, Fotoreportage entstehen und finden in Illustrierten wie beispielsweise der "Neuen Illustrierten Zeitung" einen riesigen Markt und eine weite Verbreitung: Die Auflage soll bei über zwei Millionen gelegen haben.

Und es passte eben auch zum Zeitgeist, dass neue dokumentarische Formate der visuellen Berichterstattung entstanden sind und vermutlich zum Erfolg beigetragen haben. Eine Geschichte wird erzählt mit Bildern und nur kurzen Texten. Fotografie und Text verbinden sich kongenial bei der Suche nach journalistischer Wahrheit oder dem, was man dafür hielt oder dazu machen wollte. Bildhafte Vorstellungswelten und Denkweisen wurden ganz neu und nachhaltig geprägt. Insofern ist auch die fotografische Sammlung Ullstein eine der Quellen dieses Ausstellungskatalogs.

Auf dem Titel wird das schon klar: Zu sehen ein bekanntes Foto von Federmeyer – die Pressefotografin bei der Arbeit, 1929: eine lachende junge Frau mit dem etwas unhandlichen Apparat, den sie aus einer Dachluke herausstreckt.

Bilder einer bewegten Zeit

Es ist der Katalog zur Ausstellung, die seit Anfang Oktober und noch bis zum 19. Januar 2020 im LVR_Landesmuseum Bonn zu sehen ist. Der Band ist thematisch geordnet und behandelt neben Tanz und Mode auch Themen wie Arbeiterfotografie, Technik und Sport. Insgesamt vierzehn Kapitel sind so zusammengekommen, die die vielfältige Geschichte der jungen deutschen Republik sehr eindrücklich erzählen. Es beginnt mit dem Bild eines aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrenden Soldaten, der über sein geschultertes Gewehr – das er nämlich behalten konnte – sein Bündel mit Hab und Gut trägt. Ein Foto eines namentlich nicht bekannten Fotografen aus dem Ullstein-Archiv.

Jedes dieser Bilder ist mit einem klein gedruckten Text versehen, der die mutmaßlichen konkreten Umstände, die historischen Hintergründe usw. kurz erklärt. Das ist informativ und hilfreich, obwohl die Bilder natürlich oft für sich stehen. So vor allem in Kapiteln wie „Vom Slowfox zum Grotesktanz“. Das sind zum Beispiel Bilderserien von der Fotografin Charlotte Rudolf, die die junge Gret Palucca abgelichtet hat. Diese Fotos kennt man, aber hier stehen sie im Kontext der Zeit.

Eine andere Fotografin ist Lotte Jacobi. Sie ist vertreten mit einem Selbstporträt und gleich daneben ihr sehr bekanntes Porträt der Sängerin Lotte Lenya von 1928. Ebenso Hugo Erfurth mit seinem Porträt von Otto Dix. Werner Rohde, Erich Salomon, August Sander, Theo Schafgans – einige andere wären da zu nennen.

Faszinierend wieder einmal: Die Kraft, mit der die Menschen, sowohl die Fotografen, wie auch die Fotografierten, die Möglichkeiten dieser 14 Jahre Weimarer Republik geschaffen und genutzt haben. Und gleichzeitig die Tragik, da man weiß, dass diese Freiheit schon bald vorbei sein sollte. Bilder einer sehr bewegten Zeit, die schon einmalig war.

Danuta Görnandt, rbbKultur

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