Gropius Bau: Garten der irdischen Freuden, hier: Homo sapiens sapiens, 2005 audio-video installation (video still); © Pipilotti Rist, Courtesy the artist, Hauser & Wirth and Luhring Augustine
Pipilotti Rist
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Gropius Bau - bis 01.12.2019 - Garten der irdischen Freuden

Bewertung:

Der Garten als Welt im Kleinen, als "bessere Welt" oder jedenfalls Metapher für ihren Zustand, ist ein viel und oft variiertes Thema in der Kunstgeschichte. Darauf verweist diese Ausstellung zeitgenössischer Kunst bereits im Titel.

"Garten der irdischen Freuden" lautet die wörtliche Übertragung der englischen Bezeichnung für Hieronymus Boschs berühmtes Tryptichon "Garten der Lüste", "The Garden of Earthly Delights". Als Referenz wird auch das Gemälde selbst gezeigt, bzw. die Mitteltafel einer Kopie aus dem 16. Jahrhundert.

Bevölkert von allerlei fabelhaften Wesen, Pflanzen und Menschen, ist Boschs "Garten" keineswegs nur paradiesisch, sondern droht auch hie und da ins "Höllische" zu kippen. Dieser Zwiespältigkeit folgt die Ausstellung.

Gropius Bau: Garten der irdischen Freuden, hier: Yayoi Kusama With All My Love for the Tulips, I Pray Forever, 2013-2014 fiberglass reinforced plastic, urethane paint and stickers, dimensions variable; © Yayoi Kusama / Courtesy of Ota Fine Arts, Tokyo
Yayoi Kusama With All My Love for the Tulips, I Pray Forever, 2013-2014 | Bild: Yayoi Kusama

Natur in Grenzen

In einer Installation mit stark duftendem Nachtjasmin und überbordend farbigen, virtuellen Paradies-Interpretationen werden die Sinne angesprochen, der Garten als Ort von Genuss oder auch Ruhe, als gepflegte, gezähmte, künstliche Natur.

Aber es gibt auch eine politische Seite, auf die gleich am Anfang der Ausstellung ein wunderschöner persischer Garten-Teppich aus dem 18. Jahrhundert verweist. Denn das Konzept "Garten" geht auf den altpersischen Begriff "pairidaeza" zurück (in dem auch das Wort "Paradies" anklingt), der sich aus "pairi" = "um" und "daeza" = "Wand" zusammensetzt, also "von einer Wand umgeben" meint.

Die Gestaltung innerhalb dieser Umfriedung durch geometrisch angeordnete Wasserläufe, Beete und blühende Bäume zeigt in stilisierter Form das Muster dieses Teppichs.

Doch die Eingrenzung der sorgsam gestalteten Oase geht einher mit Ausgrenzung: Gärten sind exklusiv. Nicht jeder hat Zutritt. Diesen Aspekt greifen zeitgenössische Künstler*innen wie die Südafrikanerin Lungiswa Gqunta auf, die ein großes Feld mit abgebrochenen, scharfkantigen Flaschen bestückt hat, wie sie zur Abwehr von Eindringlingen in Mauerkronen einzementiert werden.

So spannt diese Ausstellung mühelos einen großen Bogen: Von der Vergangenheit in die Gegenwart, über Kontinente hinweg, von Poesie über Sinnlichkeit zu Politik. Der Mikrokosmos Garten ist ein buchstäblich weites Feld.

Silke Hennig, rbbKultur

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