Lotte Laserstein: "Abend ueber Potsdam2
Bild: VG Bild-Kunst / Roman März

Berlinische Galerie - Lotte Laserstein - Von Angesicht zu Angesicht

Bewertung:

Lotte Laserstein gehört zur "verlorenen Generation" - Künstler, die durch den Nationalsozialismus gezwungen waren, Deutschland zu verlassen. Die Berlinische Galerie zeigt Lasersteins Hauptwerke, entstanden zwischen Ende ihres Studiums 1927 und der Emigration. Eine späte "Heimkehr".

Die "verlorene Generation" - so nennt man diejenigen Künstler, die durch den Nationalsozialismus gezwungen waren, Deutschland zu verlassen, und für die die Emigration einen Bruch - nicht selten den Abbruch ihrer Karriere bedeutete. Manche kehrten später zurück, andere blieben in dem Land, das ihnen Schutz geboten hatte. So wie die Malerin Lotte Laserstein, die wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt, nach Schweden flüchtete.  Wo sie 1993 starb.

"Lotte Laserstein: Liegendes Mädchen auf blau, um 1931"; © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Bild: VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Wiederentdeckt

Jetzt wird ihr Werk allmählich wiederentdeckt. Nach Ankäufen einzelner Bilder durch Berliner Museen ist die Malerin mit der Ausstellung "Von Angesicht zu Angesicht", die bereits im Frankfurter Städel Museum zu sehen war, jetzt endlich auch in Berlin in gebührendem Rahmen wiederzuentdecken.  

Trotz vielversprechendem Anfang zur Flucht gezwungen

Hier in Berlin hat ihre Karriere in den 1920er Jahren vielversprechend begonnen: Als eine der ersten Frauen konnte Lotte Laserstein an einer staatlichen Kunsthochschule Malerei studieren.

Gleich im Anschluss folgten zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen. Artikel in Zeitungen und Zeitschriften loben sie - stets ist der Tenor: "den Namen wird man sich merken müssen". 

Doch dann ergriffen die Nationalsozialisten die Macht und da Laserstein zwar getauft, aber jüdischer Herkunft war, konnte sie nicht Mitglied in der Reichskunstkammer werden, d.h. sie durfte nicht ausstellen und hatte keinen Zugang mehr zu Mal-Material. Auch die private Malschule, mit der sie ihren Lebensunterhalt verdiente, musste sie schließen.

1937 ergriff sie die Chance und blieb nach einer Ausstellung in Schweden. Mit fast 40 Jahren musste sie dort von vorne beginnen.

Porträtistin ihrer Generation

Die Ausstellung zeigt jedoch nur einige wenige Bilder aus der Emigration, obwohl die Malerin dort noch rund 50 Jahre weiter arbeitete. Doch offenbar ermüdete sie die Notwendigkeit, als Auftragsmalerin den Wünschen anderer nachzukommen.

Und so stehen im Mittelpunkt die 10 Jahre zwischen Ende ihres Studiums 1927 und der Emigration. In dieser Zeit schuf sie ihre Hauptwerke - etwa "Abend über Potsdam", das die Nationalgalerie vor einigen Jahren erwarb.

Und sie zeigte sich als Porträtistin ihrer Generation: Sie malt einen Motorradfahrer, befragt das eigene Bild - immer wieder auch in ihrer Rolle als Malerin vor der Staffelei, mit und ohne Modell. Und sie malt andere junge Frauen: Eine Tennisspielerin, Frauen in Posen selbstverständlicher Lässigkeit, einfach vor einem monochrom beige-gelben Hintergrund.

Späte "Heimkehr"

Dass man die Wände der Berlinischen Galerie dazu u.a. knallig rot und hellblau gestrichen hat, bedrängt die in gedämpften, erdigen Tönen gehaltenen Bilder allerdings eher, als dass sie dadurch hervorgehoben würden. Zumal die Bildformate eher klein, jedenfalls längst nicht so monumental sind, wie sie auf Abbildungen erscheinen.

Auch die brillante Maltechnik Lotte Lasersteins vermittelt sich erst in der direkten Anschauung. Geschult an den großen Realisten des 19. Jahrhunderts, an Wilhelm Leibl und Adolph Menzel,  sind ihre Motive zeitgenössisch, die Malweise aber altmeisterlich.  Bildausschnitte und Blickführungen dagegen verweisen in ihrer Raffinesse auf Fotografie und Film.

Was aus Lotte Laserstein hätte werden können, wenn sie nicht gezwungen gewesen wäre, alles hinter sich zu lassen und in Schweden neu anzufangen, wenn sie dort nicht so viel Energie in Auftragsmalerei hätte stecken müssen – diese Frage ist nicht zu beantworten, aber sie hängt deutlich über dieser späten "Heimkehr".

Silke Hennig, kulturradio