Van Gogh – Stillleben mit einem Teller Zwiebeln
Bild: Vincent van Gogh, Stillleben mit einem Teller Zwiebeln, 1889, Öl auf Leinwand, 49,6 x 64,4 cm, Kröller-Müller Museum, Otterlo, Niederlande

Museum Barberini - Van Gogh – Stillleben

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Verkannt, verrückt und einer, der sein Leben der Kunst opferte:  Vincent van Gogh ist  zum Klischee des modernen Künstlers 'geronnen'.  Ihn vom biographischen Gestrüpp zu befreien, weg vom Mythos  um die Person, den Fokus ganz auf seine Kunst zu richten, ist die Absicht dieser Ausstellung.  

Erstmals versammelt sie dazu ausschließlich Stillleben, ein Genre, das das Schaffen des Malers während der nur 10 Jahre zwischen den ersten, mühsamen Anfängen und seinem Tod 1890 durchgehend begleitet hat.  Anhand von 27 Ölgemälden wird so eine Entwicklung nachvollziehbar, die von erdfarbenen, um Realismus bemühten ersten Darstellungen von Gemüse, Obst oder Gefäßen über seine Auseinandersetzung mit Impressionismus und japanischen Holzschnitten schließlich zu einem von Konventionen befreiten Umgang mit Farbe führt.

Stillleben teils so untypisch, dass Zweifel an der Autorenschaft aufkamen

Stillleben waren für Van Gogh dabei ebenso Übungsgelände wie vollgültige Werke, von denen er sich noch am ehesten Verkäufe versprach.  Manche wirken unbeholfen, andere sind großartig und wieder andere so untypisch, daß ihre Echtheit lange bezweifelt wurde.  So ist die Malweise einer 'Vase mit Mohnblumen' (1886) so untypisch weich und flüssig, dass das Bild als höchst zweifelhaft galt, obwohl die Farbe im Hintergrund wie ein Strudel das zentrale Motiv umströmt – ein Muster der Dynamisierung, das Van Gogh immer wieder aufnimmt. Doch wegen der Zweifel an der Autorschaft (die erst jetzt durch maltechnische Untersuchungen ausgeräumt wurden), war 'Vase mit Mohnblumen' kaum je zu sehen.

Werdegang des Künstlers Van Gogh

Dennoch ist es kein 'neuer' Van Gogh, den diese Ausstellung zeigt, aber sie ermöglicht, ihm bei der 'Künstlerwerdung' über die Schulter zu schauen.  Sie ist keine Einladung zum Schwärmen – klammert auch Fehlschläge und Sackgassen nicht aus –, sondern zum tieferen Verständnis. So kann man dem Maler letzlich näher kommen, als mit allen Details über sein kurzes Leben. 

Silke Hennig, rbbKultur

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