Umbo, Ruth Landshoff, 1927/1928, © Phyllis Umbehr/Galerie Kicken Berlin/VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Bild: Phyllis Umbehr/Galerie Kicken Berlin/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Berlinische Galerie - Umbo. Fotograf | Werke 1926 -1956

Bewertung:

Augen und Mund, das Haar: Auf den Fotos von Otto Maximilian Umbehr, kurz Umbo, sind sie das Wesentliche seiner Porträts.

Er wollte eigentlich Maler werden und revolutionierte schließlich die Porträtfotografie: ließ weg, was vom Inneren seines Gegenübers und vom Gefühl für diese Person ablenkte; tief geprägt von der Lehre des Bauhausmeisters Johannes Itten. Der stellte – aller Rationalität und Kühle seiner Kollegen in Weimar gegenüber – das Empfinden in den Mittelpunkt künstlerischer Arbeiten. Und er wusste, wie ein Bild zu gestalten ist: aus Gegensätzen wie Schwarz und Weiß.

Umbo: Ohne Titel, aus der Reportage Dr. phil. h. c. Grock, 1928/1929 © Phyllis Umbehr/Galerie Kicken Berlin/VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Bild: Phyllis Umbehr/Galerie Kicken Berlin/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Porträt und Reportage

Kein Schnappschuss, alles ist konstruiert, inszeniert, zumindest auf Umbos Porträt-Fotografien. Der immer prekär lebende Künstler und Bohémien liebte den Film, die Großaufnahme, das Experiment und erneuerte auch die Reportagefotografie durch eigene Bildserien. Er begleitet mit seiner Kamera den berühmten Clown Grock vom Ankommen in der Umkleidekammer als unscheinbare Person mit Hut und Mantel bis zum geschminkten Clownsgesicht im Halbprofil.

Umbo, Ohne Titel, Aus der Serie: Die Himmelskamera, um 1935 © Phyllis Umbehr/Galerie Kicken Berlin/VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Bild: Phyllis Umbehr/Galerie Kicken Berlin/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

"Himmelskamera"

Umbo gilt aber auch als "unabkömmlicher" Fotoreporter der NS-Auslandszeitschrift Signal im Zweiten Weltkrieg. Allerdings bedient er nicht die Bildsprache der Nationalsozialisten. Privat nutzt er jede Chance für eigene Experimente, zum Beispiel mit der "Himmelskamera", eigentlich bestimmt für meteorologische Beobachtungen mit verschiedenen, halbkugelförmigen Linsen, die einen extremen Weitwinkel ermöglichen.

Umbo, Ohne Titel, aus der Reportage "The Lost Child", 1951 © © Phyllis Umbehr/Galerie Kicken Berlin/VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Bild: Phyllis Umbehr/Galerie Kicken Berlin/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

"The lost Child"

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist er Chronist des Aufbaus, fotografiert in Berlin Menschen im Sommer bei Kaffee, Eis und Sahne; im Hintergrund mahnen die Ruinen.

Für die britische Zeitschrift Picture Post soll er – auf Wunsch seines Auftraggebers Simon Guttmann – als Fotoreporter an seinen alten Stil anknüpfen: mit dem ihm eigenen "lebendigen Ausdruck" und der "präzisen Form", an die sich der Emigrant Simon Guttmann erinnerte. Seine Fotoserie "The lost Child" in einem Lager für Emigranten erfüllt genau diese Kriterien.

Spät wiederentdeckt

200 Schwarz-Weiß-Fotografien und viel Archivmaterial erzählen in der Berlinischen Galerie von der Arbeit eines beinah vergessenen Fotopioniers.

Erst Ende der 1970-er Jahre wurde Umbo überhaupt als Fotograf und Künstler wiederentdeckt, zwei Jahre vor seinem Tod 1980.

In Berlin ist die umfangreiche Ausstellung eine späte, aber sehr gelungene Würdigung des Fotografen, der während des Kriegs sein gesamtes Archiv und 1946 auch sein linkes Augenlicht verlor. Auf einem Selbstporträt setzt er seine Leica so vor die Augen, als könnte die Linse des Objektivs dieses Auge ersetzen.

Michaela Gericke, rbbKultur