Jesuskind und Johannesknabe (Figurenstudien für die "Madonna dell´Impannata"), um 1511/1512 © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders
Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders
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Kupferstichkabinett - Raffael in Berlin. Meisterwerke aus dem Kupferstichkabinett

Bewertung:

Schon zu seinen Lebzeiten wurde er in höchstem Maße verehrt und auch nach einem halben Jahrtausend ist die Popularität Raffaels ungebrochen. Seinen 500. Todestag am 6. April nehmen die Staatlichen Museen zu Berlin zum Anlass die eigenen Raffael-Bestände hervorzuheben: Mit einer kleinen 'Versammlung' seiner Madonnenbildnisse in der Gemäldegalerie und jetzt auch mit Zeichnungen von und Druckgrafik nach Raffael im Kupferstichkabinett. 

Die sechs Blätter Raffaels (bzw. sieben, denn eines ist beidseitig mit einer Zeichnung versehen) decken seine gesamte Schaffenszeit ab, sind technisch höchst unterschiedlich ausgeführt - mit Silberstift, mit Rötel, mit Feder und Pinsel usw. - und gehören zum Kostbarsten, was das an Kostbarkeiten nicht eben arme Kupferstichkabinett zu bieten hat. 

Ergänzt werden sie durch knapp 100 weitere Arbeiten – Kupferstiche zumeist, die noch zu Lebzeiten des Malers nach seinen Gemälden oder Zeichnungen entstanden.  So illustriert die Ausstellung nicht nur die Qualitäten Raffaels als Zeichner – etwa in der Darstellung von Gefühlen oder komplexer Räumlichkeit – sondern auch, welchen Einfluss er hatte.  Denn Teil seines Erfolgs war eine konsequente Ausschöpfung aller Mittel:  Nicht nur nutzte er die eigenen Bildideen mittels Kopier- und Vergrößerungsverfahren maximal aus, sondern er baute auch einen Werkstattbetrieb auf, der nach seinen Vorlagen und höchsten Standards produzierte. 

Weniger Purismus, mehr Inszenierung

Um einerseits Nachfrage zu stimulieren, andererseits aber auch zu befriedigen, arbeitete er u.a. mit Marcantonio Raimondi zusammen – einem der, wenn nicht dem besten Kupferstecher seiner Zeit. Wie genau diese Zusammenarbeit organisiert war, ist nicht bekannt, aber offenbar fertigte Raffael u.a. einige Zeichnungen einzig zu Reproduktionszwecken an und stellte Raimondi Vorlagen für Fresken zur Verfügung, die wie der 'Triumph der Galathea' aus der Villa Farnesina in Rom nicht öffentlich zugänglich waren.  Durch Drucke aber konnten auch solche Arbeiten weithin publiziert werden. 

Leider wird das in der Ausstellung allerdings weniger sichtbar gemacht, als vielmehr behauptet.  Sie schöpft ausschließlich aus eigenen Beständen, doch auch wenn die erstklassig sind – es bleiben Lücken.  Raffaels 'Galathea'-Fresko z.B. haben sicher nicht alle BesucherInnen vor Augen.  Warum zeigt man davon keine Abbildung?  Etwas weniger Purismus und etwas mehr Inszenierung wäre wünschenswert gewesen.  Aber offenbar gibt das Ausstellungsbudget des Kupferstichkabinetts nicht mehr her.  In diesem Fall ist das besonders bedauerlich, denn bei Raffael sind nicht nur die Werke an sich, sondern auch ihre Wirkungsgeschichte und Entstehungs-Zusammenhänge ausgesprochen interessant.  Das aber müsste man veranschaulichen.

Silke Hennig, rbbKultur