C/O Berlin | Linda McCartney: London, England, 1970s | Paul McCartney vor einem Lamborghini Espada © Paul McCartney/ Foto: Linda McCartney
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C/O Berlin - Linda McCartney: "The Polaroid Diaries"

Bewertung:

Mit Linda McCartneys "Polaroid Diaries" wurde im Erdgeschoß des "C/O Berlin" zweifellos eine zugkräftige Schau platziert, denn die Fotografien der 1998 verstorbenen Ehefrau von Ex-Beatle Paul McCartney, dürften nicht nur Foto-Enthusiasten interessieren.

Familienfotos

Seitdem das auf Fotografie spezialisierte "C/O Berlin" ins Amerikahaus am Bahnhof Zoo gezogen ist, finden dort in aller Regel zwei Ausstellungen statt (plus eine kleine Präsentation junger Talente). Wie der Titel "Diaries" ("Tagebücher") nahelegt, vermitteln die Polaroids von Linda McCartney viele Einblicke in das Privatleben der Familie. Die meisten Aufnahmen der Ausstellung stammen aus den 70er Jahren, als die drei gemeinsamen Kinder noch recht klein waren. Man sieht sie im Schaumbad, auf dem Rücken von Pferden oder die älteste Tochter auf den Schultern von Vater Paul, der wie John Travolta in "Saturday Night Fever" posiert: Ein Star, der einen anderen imitiert und sich zur Gaudi der Familie "zum Affen" macht. Der Hintergrund sieht allerdings weniger nach Disco und "Nightlife", als nach rustikalem Landleben aus.

Die Familie umgab sich offenbar mit vielen Tieren: Vom Hamster, der in einem Kinderschuh sitzt, über Hühner, Hunde, bis zum Lamm unter'm Tisch gibt es jede Menge Tierfotos zu sehen. Linda McCartney war eine frühe, sehr engagierte Tierschützerin. Und natürlich fotografierte sie immer wieder auch ihren Ehemann: Mit lustigen Hüten, beim Rumblödeln, auf dem Fahrrad oder auch mal als Musiker. Mit der Polaroidkamera begleitete sie die Familie und das Leben ihres Mannes.   

Ausstellung C/O Berlin: "Linda Mc Cartney - The Polaroid Diaries" 06: Campbeltown, Scotland, 1970s
Bild: C/O Berlin - Linda Mc Cartney - The Polaroid Diaries

Porträts und Experimente

Daß sie - noch unter dem Namen Linda Eastman - u.a. die erste Fotografin  mit einem Foto auf dem Cover des legendären Musik-Magazins "Rolling Stone" war und zahlreiche andere Musiker porträtiert hatte, noch bevor sie Paul McCartney kennenlernte, bleibt in dieser Ausstellung eine Randnotiz. Nach ihrer Heirat, 1969, stand sie als Ehefrau eines Beatle plötzlich selbst im Fokus. Eine Reihe von Farbfotos aus jener Zeit, die sogenannten "Roadworks", illustrieren, wie Linda McCartney damit umging: Sämtliche Aufnahmen entstanden aus dem Inneren eines Autos heraus - einem der wenigen Orte, von dem aus sie noch ungestört beobachten konnte.

Zumindest eine Andeutung davon, daß ihr fotografisches Interesse sich nicht darin erschöpfte ihr  Familienleben festzuhalten, sind Arbeiten mit experimentellem Charakter: mehrfach belichtete Polaroids, aber auch zwei Tageslicht-Abzüge, die gleich am Anfang stehen. Diese "Sun Prints" (Cyanotypien, ein ganz altes fotografisches Verfahren) schlagen auch die Brücke zur Ausstellung im Obergeschoß, die der ungleich weniger prominenten, aber umso sehenswerteren amerikanischen Fotografin Francesca Woodman gewidmet ist.  

Loca-tion unknown, 1980s | Linda McCartney hält Blatt mit der Aufschrift "I love you" © Paul McCartney/ Foto: Linda McCartney
Bild: Paul McCartney/ Foto: Linda McCartney

Silke Hennig, rbbKultur