Max Kaus, Liegende Frau mit Katze, 1923 © VG Bild-Kunst, Bonn 2020 | Foto: Brücke-Museum, Nick Ash
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Brücke-Museum - Max Kaus: "Unter Freunden"

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"Zugestimmt: Brückesammlung" mit diesem Vermerk auf einem Brief hielt der Berliner Maler Max Kaus 1966 seine Einwilligung fest, dass Aquarelle und Drucke, die er im Laufe der Jahre dem befreundeten Erich Heckel und dessen Frau geschenkt hatte, an das bald darauf eröffnete Brücke-Museum in Berlin-Dahlem übergeben würden.

So gehören Werke von Kaus zum Grundstock des Museums, weil Mitglieder der "Brücke" wie Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff ihn schätzten und obwohl er selbst der Künstlergruppe nie angehörte. Weitere 20 seiner Bilder hat Kaus' inzwischen 90-jährige Witwe jetzt dem Brücke-Museum geschenkt. Sie sind der Anlass für diese Ausstellung, und werden im Kontext weiterer Gemälde und Grafiken von ihm und seinen älteren Malerfreunden gezeigt.

Kaus ging eigene Wege

Von dieser Verbundenheit, die mit Heckel und Schmidt-Rottluff bis ans Lebensende währte, zeugen auch einige schöne Freundschaftsgaben: Gemalte Blumensträuße von Kaus etwa mit Widmungen. Gemeinsam war ihnen die Erfahrung der Ausgrenzung im Nationalsozialismus, der Zerstörung zahlreicher Werke - auch wenn dies die Ausstellung nicht thematisiert.

Künstlerisch gab es Schnittmengen:  Eines der Parade-Sujets der "Brücke" beispielsweise, hat sich auch Kaus zu eigen gemacht und eine seiner "Badenden" ähnelt in auffälliger Weise den antilopenhaften Badenixen mit schwarzen Kurzhaarschnitten, die "Markenzeichen" des Malers Otto Mueller waren. Doch zumeist ging Kaus eigene Wege. Gerade im direkten Vergleich wird deutlich, dass seine Malerei im Kern eher still ist.

Den unbedingten Ausdruckswillen des Expressionismus bändigt er in einer zwar expressiven, aber durchdachten Malerei, die sich von frühen Figurenbildern mit kubistischen Anklängen über stark abstrahierte Landschaften unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs schließlich wieder einer expressiv aufgefassten Gegenständlichkeit zuwendet.

Experimentierfreudige Lithographie

Entscheidend für seinen künstlerischen Werdegang war Kaus' Bekanntschaft mit Erich Heckel. Sie lernten sich kennen, als beide im Ersten Weltkrieg als Sanitäter in Flandern stationiert waren. Der etwas ältere Heckel machte ihn auch mit der Lithographie vertraut. Ein farbiger Frauenkopf illustriert die Experimentierfreude, die Kaus in diesem Medium an den Tag legte. 

Während er in seiner Malerei Farbe immer auch als Materie zeigt, "schwebt" diese Farblithographie regelrecht. Beide Qualitäten finden in den späten Interieurs und Paarbildnissen zusammen: Hier tritt Farbe in kräftigem Auftrag als Stoff und gleichzeitig als Licht in Erscheinung, wenn Figuren und Motive mit Linien wie mit einer Schattenzeichnung überzogen sind. Ähnlich der Glasmalerei, die Kaus tatsächlich als junger Mann erlernt hat, grenzen dunkle Linien die farbigen Flächen ein und voneinander ab.

Silke Hennig, rbbKultur