Claude Monet: Unter den Pappeln, 1887 © Privatsammlung
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Museum Barberini - Monet. Orte

Bewertung:

Die Ausstellung beschäftigt sich mit den Orten, an denen Claude Monet gearbeitet hat. Über 100 Gemälde sind zu sehen - Landschaftsbilder, die auf Reisen entstanden, und Bilder von den Wohnorten Monets mit Motiven der alltäglichen Umgebung.

Das bis dato teuerste Gemälde Claude Monets hängt in Potsdam. Die Nachricht, dass das Bild "Getreideschober" von 1890, das im vergangenen Jahr für mehr als 110 Millionen US-Dollar versteigert wurde, der Stiftung des Milliardärs Hasso Plattner gehört und zusammen mit mehr als 100 weiteren Werken des Impressionismus und Postimpressionismus aus Plattners Sammlung dauerhaft in dem von ihm gegründeten Museum Barberini in Potsdam zu sehen sein wird, stellte sogar in den Schatten, dass die derzeitige Ausstellung dort nicht nur mit diesem "Getreideschober", sondern mit über 100 weiteren Gemälden Monets prunken kann.

Claude Monet: Landschaft auf der Insel Saint-Martin, 1881 © Privatsammlung
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Kontrastierende Farben 'pur'

Die Ausstellung nimmt für sich in Anspruch, dass hier erstmals "Ortswahl" und "Ortsbewusstsein" Monets in den Fokus gerückt würden. So folgt sie nicht einer chronologischen, sondern geografischen Gliederung und macht damit die Bewegungen Monets nachvollziehbar: Von der Normandie über Paris, Argenteuil, London, an die Riviera, die Atlantikküste, bis hin zu seinem berühmten Garten in Giverny. Sie richtet den Blick darauf, wie der Maler auf unterschiedliche Orte reagiert: Sind seine Landschaften an der Riviera beispielsweise hell und von kleinteiliger 'Buntheit', erscheint seine Farbverteilung im Norden flächiger.

Hier betont Monet das Schroffe der Atlantikküste, indem er die Pinselstriche eher grob setzt, d.h. auch im Duktus eine Entsprechung sucht. Immer wieder neu bemüht er sich den Charakter eines Ortes, einer Landschaft in einem bestimmten Moment, in einem bestimmten Licht zu erfassen: Im Winter mit Raureif, der alle Konturen verschwimmen, oder bei Nebel, der nur noch Schemen erkennen lässt - gewissermaßen ein Phänomen natürlicher Abstraktion. Monet spielt alle möglichen Varianten durch. Sein "Markenzeichen", kontrastierende Farben 'pur' nebeneinander zu setzen - Himmelsblau neben Orangerot für Laub oder Stroh im Sonnenlicht, reizt er mal bis an die Grenze des Kitschs aus, dann wieder ist seine Palette äußerst zurückgenommen. Konkrete Elemente - eine Brücke, ein Felsen - sind nurmehr Haltepunkte im Bild, aber nicht Gegenstand seines Interesses.

Neues von Monet

Monet sucht Nachempfindung, nicht Abbildung. Das ist keine neue Erkenntnis, aber es gelingt der Ausstellung mit ihrem Fokus auf den Ort, die vielen bekannten Motive - von Getreideschobern bis Seerosen - in einem anderen Licht zu zeigen. Dazu gehören auch schwächere Bilder, die aber in diesem Kontext zeigen, wie und was der Maler in seinem langen Leben alles ausprobiert hat.

Immer noch wird darüber gestritten, ob der hohe Grad an Abstraktion, der die späten, um 1920 entstandenen Bilder seines Gartens in Giverny auszeichnet, so beabsichtigt oder seiner schwindenden Sehkraft geschuldet ist: Pflanzen werden hier zu reinen Farbstrudeln, Seerosen schwimmen als bunte "Batzen" auf einer Farbfläche. Doch die Entwicklung weg von der Abbildhaftigkeit, hin zu einer Übersetzung der Wirklichkeit in Farbe und Licht, deutet sich bereits viel früher immer wieder an. So sind in dieser Ausstellung viele Facetten an Monet zu sehen - und das ist bei einem Maler, der hinter millionenfachen Reproduktionen immer eindimensionaler zu werden droht - eigentlich doch etwas Neues.

Silke Hennig, rbbKultur