Gerhard Richter © Taschenverlag
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Kunstbuch - Klaus Honnef: "Gerhard Richter"

Bewertung:

Es ist ein Einstiegsbuch, um Gerhard Richter kennenzulernen. Natürlich kann man sagen, wer Richter nicht kennt, lebt schon ziemlich neben der Zeit. Aber wer nun einfach mehr über ihn erfahren will und kein großes dickes Buch erwerben möchte, ist hier aufs Allerbeste versorgt.

Es ist das Buch Nummer 200 aus der erwähnten "Kleine Reihe Kunst", 21 x 26 cm, nur 96 Seiten, aber Hardcover und viele Abbildungen. Und der Kunstjournalist Klaus Honnef schreibt über Richter. Er hat Richter und sein Werk schon fast ewig begleitet, schreibt also mit großer Kenntnis und Urteilskraft und ebenso stringent. Und so ist es eine Einführung über einen der größten Künstler unserer Zeit, die seine gesamte Karriere umspannt.   

Einblicke in das Denken, Arbeiten und Fühlen des Künstlers

Diese Karriere von Richter dauert ja schon viele Jahrzehnte, er wird jetzt 88 Jahre alt und ist noch sehr aktiv. Und er hat in diesen Jahrzehnten sich künstlerisch mehrfach gehäutet.

Honnef gliedert das Buch in vier Kapitel und dazu kommt noch ein weiteres, in dem er chronologisch "Leben und Werk" in kompakter Form auf nur einer Seite darstellt. Die Kapitel sind jeweils mit Richter-Zitaten überschrieben. Das erste z.B. heißt  "… beim Malen ist das Denken Malen." Die einzelnen Kapitel gehen chronologisch durch sein Leben und die Jahrzehnte seiner Kunst. Und dabei bietet der Text, so detailreich er ist, höchst interessante Einblicke in das Denken und Arbeiten, auch in das Fühlen dieses sehr selbstbewussten Malers.

Immer wieder sprengt Richter Grenzen und erfindet sich neu

Immer wieder kommt Honnef dabei auf die Stellen, an denen Richter auch die Grenzen des jeweiligen Mediums streift oder sprengt, wo er neue Wege geht im Verhältnis von Malerei und Wirklichkeit. Das sind z. B. die fotobasierten Gemälde, ebenso wie die abstrakten flächigen Arbeiten.
Da erfährt man ganz viel über Richters Philosophie, über seine Arbeitsweisen und sieht es auf wunderbare Weise durch die zahlreichen Reproduktionen erklärt und belegt. Richter ist ja ein Maler, der sich immer wieder neu erfunden hat und die Malerei von ganz verschiedenen Seiten angegangen ist. Das muss man bei weitem nicht alles gut finden oder verstehen. Man versteht aber den Ansatz.

Gerhard Richter © TASCHEN Verlag
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Richter entzieht sich jeder Kritik

Klar ist dabei aber auch, dass sich Richter, wohl der am teuersten gehandelte lebende Künstler, sich jeder Kritik entzieht. Er lässt sich stilistisch eben nicht einordnen und behauptete ja von sich selbst, dass er alles liebe, was keinen Stil hat.

Das macht es dem interessierten Laien mitunter auch so schwierig bis unmöglich beim Namen Richter ein bestimmtes Bild vor Augen zu haben. Einige kennen z. B. die Bilder seines berühmten RAF-Zyklus. Der hat damals, 1988, stark polarisiert. Richter will ja gerade nicht Sympathie mit den Terroristen hervorbringen, sondern erzeugt eine ziemlich unbehagliche Gefühlslage. Vier von den insgesamt 15 schwarzweißen Porträts sind im Buch.

Das sind ja eben solche Bilder mit einer diffusen Fotoanmutung, mit Unschärfen, Schlieren und scheinbaren Verwacklungen. Und das schafft eben die ganz eigene Aura der Bilder, lädt sie mit Bedeutung auf und löst beim Betrachter Emotionen aus: Verunsicherung, Zweifel auf jeden Fall. Dem New Yorker Museum of Modern Art waren die 15 schwarzweißen Porträts im Jahre 1995 stattliche drei Millionen Dollar wert. 

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Fotografische Anmutung

Auch eine andere Arbeit wird besprochen und ist abgebildet, dieses Mal aus den 1970er Jahren. Da hatte Richter für 48 Porträts "Persönlichkeiten, die die Moderne beeinflussten" aus dem Lexikon quasi abgemalt – eine klare fotografische Anmutung, ganz kühl, emotionslos, seriell präsentiert.   

Kompakte Form

Klaus Honnef streift auch andere Werke von Gerhard Richter, die nun noch mehr weg gehen von der Malerei, wie z. B. Glasarbeiten, das Glasfenster für den Kölner Dom oder die Wandplastik "Schwarz Rot Gold" aus dem Reichstagsgebäude.

Insgesamt: Mit diesem Buch kann man sich das sehr diverse Werk von Richter in kompakter Form erschließen, reich mit Abbildungen ausgestattet, gut lesbar erfährt man eine Menge und das für 10 €!

Danuta Görnandt, rbbKultur