Blick nach oben im stillgelegten ICC vor dem Start der Ausstellung "The Sun Machine Is Coming Down"; © dpa/Paul Zinken
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ICC Berlin - "The Sun Machine Is Coming Down"

Zu ihrem 70. Geburtstag beschenken sich die Berliner Festspiele mit einer zehntägigen "Party" – und ihre Gäste mit einer ganz besonderen "Location": Das Internationale Congress Centrum (ICC) steht seit Jahren verschlossen, war schon dem Abriss geweiht und wurde schließlich unter Denkmalschutz gestellt. Wie ein Raumschiff thront der Koloss an der Stadtautobahn, und als "Raumschiff im Notstrombetrieb" ist das ICC jetzt dank der Berliner Festspiele (wieder) zu entdecken.

The Sun Machine Is Coming Down

Lange, Teppichboden-gedämpfte Achsen, spektakuläre Ausblicke, Veranstaltungssäle mit flexibel auf- und abklappbaren Zuschauerrängen und offene, ineinandergreifende Ebenen, über die sich nun fremdartige Klanglandschaften ergießen: In seinem Inneren überrascht das Gebäude mit vielfältigen Nutzungsangeboten. Als "Sun Machine" (frei nach einem Song von David Bowie) beherbergt es nun eine Fülle von Veranstaltungen – Kunst, Konzerte, Performances, Lesungen, filmische Ausschnitte aus 70 Jahren Berliner Festspiele.

Kunst, Esoterik, Zirkus

In die mannshohen Glasvitrinen beispielsweise, die die Eingangsebene säumen, sind Installationen eingezogen, mit denen der Künstler Markus Selg das (irdische) Prinzip der Selbst-Ähnlichkeit illustriert: "Fraktale", d.h. wiederkehrende Formen und Muster. Solche abgegrenzten Kunstwerke werden von diesem Gebäude allerdings regelrecht "an die Wand gespielt".

Leichter haben es da Beiträge die mit dem Gebäude arbeiten, sich nicht abgrenzen und – um es mit einem Lieblingsbegriff von Intendant Thomas Oberender zu sagen - "immersiv" sind, d.h. in die das Publikum "eintaucht".

Ein solch immersives Vorhaben wäre auch das kontroverse "Dau"-Projekt des Russen Ilya Khrzhanovsky gewesen: Eine "Stadtinstallation", inklusive einer neuen Mauer mitten in Berlin, die die Berliner Festspiele vor wenigen Jahren planten, aber nicht genehmigt bekamen. Nun darf diese Idee zumindest als Film noch einmal hier aufleben. Tatsächlich wird es aber auch schwimmende Performer geben, "Musik für Pflanzen" oder Séancen für – oder vielleicht auch mit? - dem verstorbenen Medientheoretiker Friedrich Kittler. Gefeiert werden Esoterik und Zirzensisches.

Mit von der Partie ist auch die Medienkunst-Sammlerin Julia Stoschek, die u.a. in Berlin Ausstellungsräume unterhält. Hier ist für eine kleine Auswahl aus ihrer Sammlung der größte, 5.000 Sitzplätze umfassende Saal des Hauses reserviert. Eine sensationelle Location.

Wow-Faktor

Sollte das ICC wirklich mal abgerissen werden? Sein "Wow-Faktor" ist beträchtlich. Und so will diese zehntägige Geburtstagsfeier der Berliner Festspiele, die zudem eine Abschiedsvorstellung ihres Intendanten ist, auch in die Zukunft weisen. Denn die in den nächsten zehn Jahren geplante Neuorganisation der Verkehrsachsen rund um das ICC böte aus Sicht der Veranstalter die Chance, auch dieses Gebäude neu "auszurichten", zu sanieren und für eine kulturelle Nutzung auszurüsten. 28.000 Quadratmeter warten.

Silke Hennig, rbbKultur

Videos

Künstlerin Julia Strauss im ICC Berlin. (Quelle: RBB Kultur - Das Magazin)
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rbbKultur - Das Magazin - Künstlerin Julia Strauss führt durch das ICC

Künstlerin Monira Al Qadiri im ICC Berlin. (Quelle: RBB Kultur - Das Magazin)
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rbbKultur - Das Magazin - Künstlerpaar Monira Al Qadiri & Raed Yassin

Blick nach oben im stillgelegten ICC vor dem Start der Ausstellung "The Sun Machine Is Coming Down"; © dpa/Paul Zinken
dpa/Paul Zinken
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rbbKultur - Das Magazin - Berliner Festspiele im ICC