Antoine Watteau: Das Firmenschild des Kunsthändlers Gersaint © SPSG/Wolfgang Pfauder
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Schloss Charlottenburg - Neues Palais - "Antoine Watteau. Kunst – Markt – Gewerbe"

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Vor 300 Jahren starb der französische Maler Antoine Watteau. Er gilt als einer der bedeutendsten Maler des 18. Jahrhunderts. Der preußische König Friedrich der Große war ein leidenschaftlicher Sammler von Watteaus Kunst. Und so befinden sich heute, nach dem Louvre in Paris, die meisten und wichtigsten Werke in Berlin und Potsdam.

Antoine Watteau gilt als der große Erneuerer der Kunst im 18. Jahrhundert. Seine Bilder zeigen heitere ländliche Szenen mit verliebten Paaren, mitunter in erotischen Situationen, umgeben von Musikern und Tänzern. Damit traf er nicht nur den Nerv der Zeit sondern schuf auch eine ganz neue Bildgattung: die sogenannten fêtes galantes, galanten Feste.

"Ladenschild des Kunsthändlers Gersaint" als Mittelpunkt der Ausstellung

Im Mittelpunkt der Ausstellung im Schloss Charlottenburg steht jedoch ein ganz anderes Bild des Künstlers mit einem zunächst prosaisch anmutenden Titel: "Ladenschild des Kunsthändlers Gersaint". Es entstand 1720 als Werbemittel für den mit dem Maler befreundeten Kunsthändler.

Franziska Windt, die Kuratorin der Ausstellung:

"Dieses Ladenschild gilt heute als eines der Hauptwerke des 18. Jahrhunderts, es ist sehr interessant, wenn man es genauer betrachtet und den Ursprung des Gemäldes sich vor Augen hält, dadurch dass Watteau in Beziehung stand zu dem Kunsthändler und ihn offenbar angeregt hat, Werbung neu zu denken, neue Werbemittel sich zu überlegen."

Malen wie ein Rubens oder Veronese

Das Geschäft des Kunsthändlers befand sich auf der Brücke Notre Dame in Paris, die damals noch dicht mit Häusern bebaut war. Watteaus gemalte Werbung war in einer bogenförmigen Nische über dem Eingang angebracht. Eine 3D-Animation visualisiert den Laden des Kunsthändlers, wie ihn Watteau auf seinem Gemälde dargestellt hat: ein Kontorraum mit der Kundschaft, Männer mit Lockenperücken, begleitet von Damen in kostbaren Roben, Angestellten präsentieren einzelne Bilder.

Bis hoch unter die Decke hängen weitere Gemälde, in denen Watteau beziehungsreich und mitunter augenzwinkernd Werke berühmter Malerkollegen wie Rubens oder Veronese zitiert.

Franziska Windt: "Das Besondere daran ist, dass man zwar erkennt, dass es diese Maler sein sollen, aber dass man immer noch sieht, es ist ein Watteau. D.h. im Grunde macht er damit auch Werbung für sich selber, er sagt, ich kann malen wie ein Rubens oder Veronese."

Kunstwerk mit wechselvoller Geschichte

Erzählt wird auch das wechselvolle Schicksal dieses Kunstwerks. Erstmals wurde für die Ausstellung die wechselvolle Geschichte des Bildes erforscht. Bereits 14 Tage nach der Hängung über dem Eingang seines Geschäfts auf der Brücke hatte der Händler Gersaint das Gemälde abnehmen und später, vermutlich zur besseren Vermarktung, in zwei Hälften zerteilen lassen. In dieser Form erwarb Friedrich II. das Werk 1746, und so hing es lange in den Schlossräumen in Berlin, erst in Charlottenburg und dann im Stadtschloss. Erst 1930 wurde es zu einem Gemälde zusammengefügt, mit deutlicher Fehlstelle in der Mitte. So ist es auch in der Ausstellung zu sehen.

"Watteau-Mode"

Anhand dieses Gemäldes werden die guten Beziehungen Watteaus zum Kunstmarkt geschildert und die gezielte Verbreitung seiner Gemälde über die Druckgrafik zum Boom seiner Kunst insbesondere nach seinem frühen Tod 1721 beitrugen. Seine Themen und Bildgestaltungen inspirierten Künstler wie auch Kunsthandwerker, so dass sich eine regelrechte "Watteau-Mode" entwickelte.

Antoine Watteau: KPM Déjeuner mit eisenroter Watteaumalerei um 1770 © Porzellansammlung des Landes Berlin, Foto: Franca Wohl
Bild: Porzellansammlung des Landes Berlin, Foto: Franca Wohl

Service mit Watteau-Dekoren auf Wunsch Friedrichs des Großen

In Preußen war es der König, der mit seiner Begeisterung für den Maler und dessen Darstellungen des ungezwungenen Lebens auf dem Lande das Watteau-Fieber entfachte. So regte Friedrich höchstpersönlich die Königlich-Preußische Porzellanmanufaktur dazu an, kostbare Service mit Watteau-Dekoren herzustellen.

Franziska Windt: "Er hat Service bemalen lassen mit Watteauischen Motiven in Eisenrot und hat diese Service gern verschenkt. Wir nehmen an, dass das auch war, um diesen Geschmack zu verbreiten, auch sein eigenes Interesse daran zu dokumentieren und so eine Art Branding zu betreiben, wie man das heute sagen würde, für sich und seinen Geschmack."

Dass Friedrich der Große mit seiner Vorliebe für Watteau auch den Maßstab für seinen eigenen Hofmaler Antoine Pesne (1683-1757) setzte, belegt ein Gedicht des Königs, in dem er Pesne explizit auffordert "wie Watteau" zu malen Ein Guckloch in der Ausstellungswand neben Watteaus "Friedlicher Liebe" von 1718 auf ein Bild Pesnes im nächsten Raum ermöglicht den direkten Vergleich und lässt erkennen, wie der preußische Hofmaler die Bildthemen aufgriff und in seine eigene künstlerische Handschrift übertrug.

Die Marke "Watteau" wirkt weiter fort

Die Ausstellung schlägt aber auch den Bogen bis in die Gegenwart und zeigt, wie sich bis heute Künstler von den Motiven des Rokokomalers anregen lassen. Zu sehen ist ein Bild des Schweizer Künstlers Thomas Huber, der 2014 für seinen Genfer Galeristen ein Ladenschild nach Watteaus Vorbild schuf. Von der britischen Modedesignerin Vivienne Westwood präsentiert die Ausstellung eine 1996 kreierte prachtvolle Abendrobe.

Franziska Windt: "Das ist ja so eine punkige Stylistin oder Modemacherin, da erwartet man das vielleicht gar nicht, die ist wirklich fasziniert von den Möglichkeiten, man sogar die Schnitte rekonstruieren mit Watteaus Zeichnungen, diese Details sind auch heute noch anregend, auch in der Eleganz, die sie bieten, die ist unnachahmlich."

Und so zeigt die Ausstellung, wie der französische Maler Antoine Watteau auch 300 Jahre nach seinem Tod als Marke fortwirkt.

Sigrid Hoff, rbbKultur