Paul Gauguin, Vahine no te Tiare (Frau mit Blume ), 1891, Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen © Ny Carlsberg Glyptotek
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Alte Nationalgalerie - Paul Gaugin: "Why are you angry?"

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Zwei Mal war der Maler Paul Gauguin in Tahiti: von 1891 bis 1893 und von 1895 bis 1901. In diesen Jahren schuf er Bilder, die unsere Vorstellung einer "paradiesischen" Südsee entscheidend mit prägten. Diese Periode steht jetzt im Zentrum einer Ausstellung, die die Alte Nationalgalerie in Berlin von der Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen übernommen hat.

Verschiedene Perspektiven auf Gauguins Werke, darunter auch "Positionen zeitgenössischer Künstler:innen": "Why are you angry?" ist eine Ausstellung, die es allen ein bisschen recht machen will – und damit leider diffus bleibt.

Ein Maler, viele Sichtweisen

Sie unternimmt den Versuch, mit heutigen Fragestellungen zu Dekolonisierung und Machtmissbrauch auf Gauguins Leben in Tahiti zu blicken und auf die Werke, die dort entstanden. So geht es beispielsweise um den Mythos vom "Paradies Tahiti", besiedelt von "glücklichen Wilden", die nur den Arm heben müssten, um sich zu ernähren, wie Gauguin schrieb, bevor er das erste Mal dort war.

Die Realität erwies sich als Enttäuschung für ihn. Die französische Kolonie war bereits von der Zivilisation erfasst, deren "Verkommenheit" der Maler gerade entfliehen wollte. Umso mehr pinselte er weiter an seinem Traum vom Paradies – und fügte sich selbst hinzu: In Briefen bezeichnete er sich als "Wilder", seinen Bildern gab er tahitianische Titel. Gleichzeitig nahm er Zuwendungen der französischen Kolonialmacht gern an, war sein Verhältnis zu den Einheimischen keines von "gleich zu gleich".

Letzteres rückt auf ironische Weise die polynesische Künstlerin Yuki Kihara in ihrer Video-Arbeit zurecht: In einer Art Fernseh-Show, erobert sich eine Gruppe queerer Polynesier:innen die Deutungshoheit zurück, in dem sie frech und unbefangen über ein Frauenporträt Gauguins aus ihrer Sicht sprechen.

Kunst als Beweis

Die Ausstellung ist da überzeugend, wo sie bei der Kunstgeschichte bleibt und beispielsweise zeigt, wie Künstler schon kurz nach der "Entdeckung" Tahitis durch die Europäer Mitte des 18. Jahrhunderts ein Bild der Südsee-Bewohnerinnen entwarfen, in dem sich Exotik mit Erotik mischte.

Anhand von Dokumenten und Fotografien wird nachgezeichnet, welchen maßgeblichen Einfluss auf Gauguins Entscheidung, nach Tahiti zu gehen, insbesondere die Pariser Weltausstellung 1889 hatte, wo für ein Leben dort geworben wurde. Auch der Maler ließ sich bei seiner Übersiedelung durchaus vom Staat finanziell unterstützen, rebellierte aber andererseits gegen die französischen Kolonialbehörden. Ihm wird eine Neigung zu romantischer Verklärung attestiert, ebenso wie künstlerische und menschliche Anmaßung, für die seine Werke als Beweisstücke dienen.

Nur gut gemeint

Zweifellos war Gauguin eine ambivalente Figur, doch die Ausstellung selbst meidet Mehrdeutigkeit. Dabei hätte sie mit der titelgebenden Videoarbeit des britischen Künstlerinnen-Duos Nashashibi-Skaer einen hervorragenden Anknüpfungspunkt: In "Why are you angry?" haben die beiden sich mit dem Blick auf "das Fremde" auseinandergesetzt und dazu Gauguins Gruppenbild "Warum bist Du böse?" von polynesischen Frauen nachstellen lassen. Die Künstlerinnen selbst bleiben unsichtbar, allein ihre Kameraführung bestimmt, was wir sehen. Und sie filmen auch den Alltag der Frauen: Wie sie ihre Kinder füttern, Auto fahren, herumsitzen - und ihre Blicke, die mal von Indifferenz, mal von Irritation oder auch Ablehnung geprägt sind.

Ambivalenz ist der Kern dieser Arbeit, doch leider orientiert sich die Ausstellung nicht daran. Sie will lieber klare Zuordnungen und ist damit im einzelnen zwar durchaus aufschlussreich, im Ganzen aber leider nur gut gemeint.

Silke Hennig, rbbKultur

Alten Nationalgalerie: Paul Gauguin

Silke Hennig, rbbKultur

Video | rbbKultur-Magazin

Paul Gauguin: Tahitianische Frauen, 1891, Musée d’Orsay, Schenkung der Comtesse Vitali in Gedenken an ihren Bruder, den Vicomte Guy de Cholet, 1923 © RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay), Foto: Patrice Schmidt | Bridgeman
RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay), Foto: Patrice Schmidt | Bridgeman
3 min

Ausstellung ''Paul Gaugin. Why are you angry?''