Besuch von Leonid Breschnew in Berlin zum 25. Jahrestag der DDR, Berlin-Schönefeld, 1974 Archival Pigment Print Printed later 2/10, 36 x 36 cm; © Thomas Billhardt / Courtesy of CAMERA WORK Gallery
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Galerie Camera Work - Jubiläumsausstellung: "25 Jahre Camera Work"

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Die Galerie Camera Work feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Zur Sammlung gehören ikonische Bilder vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Viele Bilder sind nun in der Jubiläumsausstellung "25 Jahre Camera Work" zu sehen.

An der Kantstraße flattert eine große Ausstellungsfahne, die Galerie selbst liegt im zweten Hinterhof – ein Haus mit Fabrikflair: helle Fassade, große Fenster, zwei Stockwerke. Als sich die Fotografen Helmut Newton und Christian Diener vor 25 Jahren in den Hof verirrten, stand es gerade leer.

"Sie haben einen nächtlichen Spaziergang gemacht und gedacht, das wäre eine tolle Location", erzählt Ute Hartjen, Vorstand der Camera Work AG. "Sie hatten die Idee, eine Galerie aufzumachen, und Gerd Elfering hatte den Mut, es auch zu tun."

Verzicht auf jede Chronologie

Gert Elfering verfügte 1997 bereits über eine beträchtliche Fotosammlung, die in den Folgejahren noch vergrößert wurde. Sie wurde von der Galerie Camera Work übernommen und zählt heute zu den größten weltweit. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf der Modefotografie, doch die Sammlung umfasst auch Porträtfotos, Architektur- und Landschaftsbilder und Fotoreportagen. Und all das ist in der Jubiläumsausstellung auch zu sehen – etwa 50 großformatige Fotos aus den wichtigsten Ausstellungen der Galerie. Philippe Garner, ehemals Direktor im Auktionshaus Christie’s in London und international renommierter Experte für Fotografie, hat sie zusammengestellt. Er verzichtet auf jede Chronologie. Die Bilder sind so angeordnet, dass sie sich inhaltlich und ästhetisch aneinander reiben.

Das Foto eines Diskuswerfers von Leni Riefenstahl aus dem Jahr 1936 hängt neben Porträts verkleideter alter Damen, die Diane Arbus 1965 auf einem Kostümball in New York fotografiert hat. Danach folgt Helmut Newtons "Big Nude III".

"Ich mag die Gegenüberstellung von Leni Riefenstahl und Helmut Newton", erklärt Philippe Garner. "Auf der einen Seite sehen wir einen muskelbepackten Athleten, der für das Männlichkeitsideal der Nazis steht, auf der anderen Seite eine nackte Frau, die sehr selbstbewusst in die Kamera blickt. Helmut Newton musste 1938 vor den Nazis fliehen, aber er hat Leni Riefenstahl, kurz bevor sie starb, noch getroffen und sie fotografiert. Da schließt sich ein Kreis, den ich faszinierend finde."

Mit Ästhetik gegen das Schreckliche auf der Welt

Im nächsten Raum folgen bekannte Modefotos. Der pelzbesetzte Frauenschuh zum Beispiel, den Richard Avedon 1948 auf der Place du Trocadéro in Paris fotografierte – mit dem unscharfen Eiffelturm im Hintergrund. Oder Irving Penns "Black and White Vogue Cover", das eine Dame mit Hut zeigt. Aufgrund des starken Schwarz-weiß-Kontrasts wirkt das Foto wie eine Grafik. Geometrische Formen spielen miteinander - die runde Hutkrempe und das spitz abstehende Halstuch bauen Spannung auf.

"Modefotos zeigen nicht einfach nur Kleidung. Sie transportieren die Träume und Wünsche und verraten viel über die Stimmung der jeweiligen Zeit“, sagt Philippe Garner. Doch es geht auch ums gute Aussehen.

"Wir lieben ästhetische Fotos", so die Galerie-Leiterin Ute Hartjen. "Dafür sind wir auch bekannt. Es gibt so viel Schreckliches auf dieser Welt und das gibt es auch in unserer Sammlung, aber was wir ausstellen, ist zu 99 Prozent sehr ästhetisch."

Foto-Ikonen, auf denen man immer wieder Neues entdeckt

Camera Work ist eine kommerzielle Galerie und stellt vor allem das aus, was sich gut verkauft. Doch zur Schönheit gehören mitunter auch Risse in glatten Oberflächen – die Leberflecke auf der Haut eines Models, das die französische Fotografin Bettina Reims porträtiert hat, oder der kaputte Bilderrahmen, den man auf einer Aufnahme des Kanadiers Robert Polidori entdeckt. Sein Foto zeigt eine Zimmerflucht im Schloss von Versailles.

"Das Bild fragt nach dem Wesen von Zeit", erklärt Philippe Garner. "Historische Gebäude haben viel erlebt und viele der früheren Bewohner haben Spuren hinterlassen. Man sieht sie auf dem Bild und fragt sich, was sie zu bedeuten haben. Das Foto gibt keine Antworten, aber es zieht die Menschen, die es betrachten, magisch in seinen Bann.“

Und das gefällt dem Kurator. Er mag Bilder, die sich nicht auf den ersten Blick entschlüsseln lassen. Die Ausstellung präsentiert Fotoikonen, auf denen man auch bei mehrfachem Anschauen immer wieder etwas Neues entdeckt.

Oliver Kranz, rbbKultur

Bildergalerie

25 Jahre Camera Work – Jubiläumsausstellung