Panda-Dama Meng Meng erkundet ihr Gehege im Zoo; © dpa/Paul Zinken
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Pandabärin Meng Meng - Zu 85 Prozent schwanger

Pandaweibchen Meng Meng könnte schwanger sein. Das war gestern die Nachricht des Tages. Im Berliner Zoo wird vielleicht die Geburt von bis zu zwei Panda-Babys erwartet. Erwartungsgemäß steht die Hauptstadt Kopf – behauptet jedenfalls kopfschüttelnd André Bochow.

Zu 85 Prozent schwanger? Haben Sie so etwas schon einmal gehört? Normalerweise werden Schwangerschaften als Beispiel für "ganz oder gar nicht" angeführt. Bei der Leihgabe aus dem Land der Mitte wird da offenbar eine Ausnahme gemacht.

Das Verhalten der angeblich werdenden Mutter sei schon recht auffällig, teilen die Experten mit. Und sie habe schon 15 Kilogramm zugenommen. Klar, das könnte auch vom Futtern kommen, aber das will in Berlin niemand hören.

Daumen drücken?

Dem Regierenden Bürgermeister von Berlin war die mögliche Schwangerschaft eines sechsjährigen Fellknäuls eine Grußbotschaft wert: "Die Berliner Tierfreunde drücken die Daumen, dass es am Ende zur ersten Geburt eines kleinen Pandas in Berlin kommt", behauptet Michael Müller.

Drücken die Daumen? Woher weiß Müller das? Vielleicht hassen die Freunde anderer Tiere Pandas aus tiefstem Herzen, weil Pandas so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, dass nicht einmal ein Romane schreibender Kakadu dagegen anschreiben könnte.

Selbst Faultiere sind im Vergleich mit Pandas waschechte Entertainer.

Und warum stehen Pandas derart im Rampenlicht? Weil sie rund um die Uhr Bambus kauen oder schlafen? Weil sie Sex verabscheuen – vermutlich weil er sie vom Bambus kauen und Schlaf abhält? Selbst Faultiere sind im Vergleich mit Pandas waschechte Entertainer.

Und das Beste: Wir leihen uns die faulsten Bären der Welt für viel Geld, ziehen im Zweifelsfall die Bälger dieser Langweiler auf und müssen sie dann an Peking ausliefern. In Hongkong gehen sie wegen ähnlicher Sachverhalte auf die Straße. Wir dagegen sorgen dafür, dass der Staatssozialismus in China weiter mit frischem Geld versorgt wird. Denn was wird mit den ausgelieferten Pandas geschehen? Sie werden natürlich ebenfalls verliehen.

Eine verunglückte Roboterentwicklung

Wahrscheinlich sind Pandas am Ende die einzigen Tiere, die nicht aussterben werden. Vielleicht schon deshalb nicht, weil sie gar keine richtigen Lebewesen sind. Ich meine, praktisch bewegungslos, ganze 72 Stunden im Jahr empfängnisbereit – das klingt wie Angaben über eine verunglückte Roboterentwicklung. In Schwarz-Weiß! Auf so etwas käme doch die Natur gar nicht. Und diese eigenartigen Mutanten macht China zum Exportschlager, um sich für die Einnahmen den Hafen von Piräus oder den Autobauer Volvo zu kaufen.

Es ist auch nicht auszuschließen, dass die bewegungslosen Pandas nur deshalb so ruhig herumlungern, weil sie uns im Auftrag der chinesischen Regierung beobachten sollen. Vielleicht stecken Kameras in den Schein-Tieren – für einen Livestream. Und wenn Pandas wackeln, kriegen sie in Peking Kopfschmerzen.

Mal ehrlich Herr Müller, wollen Sie immer noch Daumen drücken?

André Bochow, rbbKultur