Trennung: auseinanderschwimmende Fische; © imago images/INSADCO
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Müllers lassen sich scheiden - "Ehe-Aus"

Der Regierende Bürgermeister von Berlin und sein Frau haben beschlossen, sich scheiden zu lassen. Eigentlich ist das eine Privatsache der Müllers. Aber wer als Ehepaar in der Öffentlichkeit steht, muss es offenbar auch als Ex-Ehepaar. André Bochow stört sich aber an etwas anderem.

Wie stellt man das Ende einer Promi-Ehe in der Zeitung oder in boulevardesken Fernsehmagazinen dar? Man nimmt immer ein Bild aus glücklichen Tagen, das so gar nicht zur Schlagzeile passt. Und die Schlagzeile beginnt immer, immer, immer mit der Wortkombination: "Ehe-Aus". Nicht "Ehe-Ende", "Müllers kurz vor der Scheidung" oder "Trennung nach 25 Jahren" – nein, es muss "Ehe-Aus" sein.

So als ob das Leben brüllt, wie es einst ein Sportreporter nach einem berühmten Fußballspiel tat: "Aus, aus, aus – das Spiel ist aus". Wenn jemand Müller heißt hat er da noch Glück. Man kann sich vorstellen, wie die Blätter titeln würden, hieße ein an der Ehe gescheitertes Paar mit Nachnamen Maus. "Aus die …" ähm, ja. Ist zum Glück ein relativ seltener Name. Aber das nur nebenbei.

Die Frage, warum mehr oder weniger bekannte Menschen nicht einfach in Scheidung leben dürfen, sondern bei Ihnen alles gleich Aus ist, kann nur schwer beantwortet werden. Zunächst sei an dieser Stelle ergänzt, dass bei prominenten Zeitgenossen auch die Liebe nicht einfach dahinscheidet, sondern wie selbstverständlich wird auch hier von einem Liebes-Aus gesprochen.

Nachdem mein Computer in meinem Auftrag 38 Sekunden gegoogelt hatte, spuckte er auf das Suchwort "Liebes-Aus" 24,3 Millionen Interneteinträge in die Welt. Bei "Ehe-Aus" waren es 99,3 Millionen. Erst kommen die Müllers, später diverse Popstars und dann die Gottschalks. Aus. Aus. Aus.

Hinter der sehr absoluten Aus-Formulierung steckt vermutlich die heimliche Genugtuung der Normalsterblichen darüber, dass die Reichen und Schönen, die hässlichen Reichen und überhaupt die bekannten oder gar berühmten Menschen genauso in das Leid vergilbender Paarbeziehungen eintauchen, wie alle anderen auch.

Wichtig ist für uns, dass bei denen, die es oft besser als andere haben, das Beziehungsende irreversibel ist. Aus und vorbei. Wenn sie schon im Fernsehen auftreten dürfen, sollen die Promis – wenigsten immer mal wieder – unglücklich sein. Und zwar unwiederbringlich oder zumindest für eine ganze Weile. Neues Liebes- oder Eheglück wünschen wir den sonst vom Schicksal Geküssten in der Regel nur deshalb, damit dieses Glück bald wieder im Abflussrohr des Lebens verschwindet.

Wenn wir lesen: "Ehe-Aus beim Bürgermeisterpaar", dann perlt uns ein zufriedenes: "Da schau her!" über die Lippen. Oder ein "Glück kann man sich eben nicht kaufen." Und so können wir zufrieden weitermachen. Bis zu unserem Lebens-Aus.

André Bochow, rbbKultur