Seniorinnen gehen spazieren
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Die Geschichte einer Frauenfreundschaft - Dass Du recht lange für mich da bist

Lesbisches Zusammenleben wäre die logische Konsequenz dieser Freundschaft gewesen. Vielleicht wäre es dazu gekommen, hätte die eine nicht 1930 andere Entscheidungen getroffen.

 

Lesbisches Zusammenleben wäre die logische Konsequenz der Freundschaft gewesen, die in den 1930er Jahre beginnt. Doch die eine sehnt sich nach einer traditionellen Familie, die andere verzichtet und blickt im Alter zurück auf den Wert der Freundschaft und auf die eigene Aufopferung. Die 75-jährige Ursel aus Magdeburg erzählt nach dem Tod ihrer "geliebten Stine", von ihrer Freundschaft.

Erst im Alter beginnt Ursel, über lesbische Beziehungen nachzudenken – obwohl oder weil sie diese nie in Konsequenz gelebt haben. Und doch war die Freundschaft so intim und seelisch so nah, dass ein Zusammenleben die logische Konsequenz gewesen wäre.

Vielleicht wäre es dazu gekommen, hätte Stine nicht ganz traditionell Ehefrau sein und Kinder haben wollen. Aber auf die Freundschaft mit Ursel konnte und wollte sie nicht verzichten. Sie hielt den alltäglichen Familienstress nur durch, weil sie die Freundin, mit der sie in die Welt der Musik und Literatur fliehen konnte, an ihrer Seite wusste.

Manchmal hätte ich es gern gehabt, dass sie noch blieb. Aber das habe ich dann nicht erkennen lassen. Ich hab das dann einfach akzeptiert. Sie dann in diese Schwierigkeiten zu bringen, das wollte ich denn nicht.

Ursel

 

Ursel hat nie geheiratet. Sie sagt: "Es hat sich nicht ergeben." Sie weiß, welchen Wert diese Freundschaft für sie beide hatte, aber sie erkennt auch ihre eigene Aufopferung, ihren Verzicht.

Mit Maria Hartmann, Simone von Zglinicki
Regie: Karin Hutzler
Produktion: MDR 1996